DGUV Information 209-014 - Lackierer (bisher: BGI 557)

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Abschnitt 16, 16. Atemschutz
Abschnitt 16
Lackierer (bisher: BGI 557)
Titel: Lackierer (bisher: BGI 557)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-014
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 16 – 16. Atemschutz

Trotz geeigneter Lüftung können im Atembereich der Lackierer Gase und Dämpfe und insbesondere Spritznebel (Aerosole) in gesundheitsgefährlicher Konzentration vorhanden sein.

Die Lackaerosole sind jedoch ein Sonderfall: Es gibt wegen der Vielfalt der Beschichtungsstoffe und der Lackierverfahren keinen zulässigen Grenzwert. Die bestehenden Gefährdungen können auch nicht mit "einatembaren Staub" verglichen werden. Das führt dazu, dass eine Gefährdungsbeurteilung nur in Hinblick auf Lösemittelkomponenten oder andere gasförmige Bestandteile nicht ausreicht.

Daher wurde die neue BG-Regel "Schutzmaßnahmenkonzept für Spritzlackierarbeiten - Lackaerosole" (BGR 231) erarbeitet. Diese Regel legt fest, welche Art Atemschutz bei welcher technischen Lüftungseinrichtung gewählt werden muss. Hintergrund: Spritzkabinen, Spritzstände oder Spritzwände unterscheiden sich in ihrer Wirksamkeit deutlich.

Der Spritzstand ist der Lackierarbeitsplatz, an dem die geringste Belastung des Lackierers durch Lacknebel zu erwarten ist, gefolgt von der Spritzkabine, die allerdings den besten Schutz für andere Personen außerhalb der Kabine bietet.

Am schlechtesten schneidet die so genannte Spritzwand ab, bei der die Wirksamkeit stark von der Position des Lackierers und des Werkstücks zur Absaugung abhängt. Welcher Atemschutz ist wann zu verwenden? Fremdbelüfteter Atemschutz ist der Standard (Bild 16-1). Filtergeräte dürfen nur verwendet werden, wenn:

  • weniger als 0,5 kg Lack in einer Schicht verarbeitet werden

  • an Ständen oder in Kabinen lackiert wird und die Spritzzeit weniger als 1 Stunde pro Tag beträgt

Bild 16-1: Spritzlackieren mit fremdbelüftetem Atemschutz

Für die von der Umgebungsluft unabhängigen Atemschutzgeräte (Isolier- oder Haubengeräte) gilt keine Tragezeit begrenzung. Sie sollten DIN EN 14954 oder DIN EN 12941 entsprechen. Filtergeräte sollten der DIN EN 149 entsprechen und mit Kombifiltern vom Typ A2P2 nach DIN EN 14387 ausgerüstet sein.

Ist bei Benutzung eines Spritzstandes allerdings messtechnisch nachgewiesen, dass die Absaugwirkung so gut ist, dass keine Lackaerosole in der Atemluft feststellbar sind und gleichzeitig die Belastung durch Lösemitteldämpfe unterhalb des zulässigen Grenzwertes liegt, kann auf Atemschutz sogar ganz verzichtet werden.

Die Gebrauchsdauer der Filter ist begrenzt. Filter müssen häufig gewechselt werden. Filtermasken mit Watte- oder Kolloidfilter sowie Papiermasken sind für das Verarbeiten von Beschichtungsstoffen ungeeignet, weil sie Lösemitteldämpfe nicht zurückhalten.

Dabei sind für die organischen Gase und Dämpfe mit Siedepunkten größer als 65C die im Tabelle 16-1 genannten Konzentrationen zu beachten. Zum Schutz vor Gasen und Dämpfen organischer Verbindungen mit Siedepunkten bis zu 65C, so genannte Niedrigsieder, dürfen nur AX-Gasfilter im Anlieferungszustand verwendet werden.

Die höchstzulässigen Schadgaskonzentrationen betragen in:

  • Gruppe 1: 100 ml/m3 für max. 40 min

  • Gruppe 1: 500 ml/m3 für max. 20 min

  • Gruppe 2: 1.000 ml/m3 für max. 60 min

  • Gruppe 2: 5.000 ml/m3 für max. 20 min

GasfilterHöchstzulässige
Gaskonzentration
TypKennfarbeKlasse
Abraun1231.000 ml/m3 (0,1 Vol.-%)
5.000 ml/m3 (0,5 Vol.-%)
10.000 ml/m3 (1,0 Vol.-%)

Tabelle 16-1: Höchstzulässige Konzentrationen für organische Gase und Dämpfe

Die Einteilung der Niedrigsieder in die Gruppen 1 und 2 kann der BG-Regel "Benutzung von Atemschutzgeräten" (BGR 190) entnommen werden. Die Gasfilterklassen A1 und A 2 dürfen gegen Niedrigsieder nicht eingesetzt werden. Diese Verwendungsbeschränkungen gelten für alle Gasfiltertypen, deren Wirksamkeit ganz oder teilweise auf der Adsorptionswirkung von Aktivkohle besteht, z. B. auch für die Gasfiltertypen AB und ABEK.

Hinweise für die richtige Auswahl und Pflege der Atemschutzgeräte sind in der BG-Regel "Benutzung von Atemschutzgeräten" (BGR 190) zu finden.

Atemschutzgeräte sind nach jedem Gebrauch sorgfältig zu reinigen. Bei Reinigung und Desinfektion sind die vom Gerätehersteller in der Gebrauchsanleitung angegebenen Hinweise zu beachten. Wenn vom Hersteller keine andere Verfahrensweise empfohlen wird, haben sich zur gründlichen Reinigung warme, wässrige Lösungen von Geschirrspülmittel bewährt. Nach der Reinigung ist mit klarem, fließendem Wasser gründlich nachzuspülen. Die Trocknung kann an der Luft erfolgen.

Die Desinfektion kann mit flüssigen Desinfektionsmitteln vorgenommen werden. Eine Desinfektion muss mindestens vor der Übergabe des Atemschutzgerätes an einen anderen Träger erfolgen. Hinsichtlich der erforderlichen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen von Lackierern, die Atemschutzgeräte benutzen müssen, siehe Abschnitt 21.