DGUV Information 209-011 - Gasschweißer (bisher: BGI 554)

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Abschnitt 5.2, 5.2 Arbeiten in Bereichen mit Brand- und Expl...
Abschnitt 5.2
Gasschweißer (bisher: BGI 554)
Titel: Gasschweißer (bisher: BGI 554)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-011
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.2 – 5.2 Arbeiten in Bereichen mit Brand- und Explosionsgefahr

5.2.1
Charakteristik und Ausdehnung der Bereiche

Außerhalb von speziell für Schweißarbeiten eingerichteten Werkstätten ist stets mit Bereichen, in denen Brand- oder Explosionsgefahr bestehen kann, zu rechnen.

Der Unternehmer muss durch eingehende Besichtigung vor Beginn der Gasschweiß-, Löt- oder Brennschneidarbeiten prüfen, ob Bereiche mit Brand- oder Explosionsgefahr vorliegen.

Vorrangig sollte dann sein, schweißtechnische Arbeiten in diesen Bereichen zu vermeiden und möglichst durch andere Arbeitsverfahren zu ersetzen, bei denen nicht die Gefahr der Brand- oder Explosionsauslösung besteht.

Ist die Durchführung von schweißtechnischen Arbeiten unumgänglich, sind durch den Unternehmer geeignete Maßnahmen festzulegen, die eine Explosion oder Brandentstehung sicher vermeiden.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei vielen Bränden oder auch Explosionen nicht die Brennerflamme selbst die Zündquelle war, sondern Funken, Spritzer, Schlacke, weggeschleuderte oder abtropfende glühende Metallteilchen oder gar die Wärmeleitung der geschweißten Teile.

Die von der Arbeitsstelle wegfliegenden oder abtropfenden Partikel erreichen dabei je nach Arbeitsverfahren, Arbeitsweise und den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten durch ihre Flugbewegung und die sich daran anschließenden Roll-, Hüpf- und Gleitbewegungen häufig erstaunlich große Reichweiten (Bild 5-4).

Bild 5-4: Ausbreitungsverhalten heißer Partikel bei schweißtechnischen Arbeiten

Die Tabelle im Bild 5-5 gibt Anhaltswerte für durch Funkenflug gefährdete Bereiche bei verschiedenen Arbeitsverfahren. Grundlage dieser Angaben sind immer fachgerechte Ausführung der Arbeiten und richtige Handhabung der Autogengeräte, das heißt auch, Einstellung der korrekten Arbeitsdrücke und Flammenbilder des Brenners.

Bild 5-5:
Anhaltswerte zur Bestimmung durch Funkenflug gefährdeter Bereiche

ArbeitsverfahrenDurch Funkenflug gefährdete Bereiche
Horizontale Reichweite 3Vertikale Reichweite
nach obennach unten
Löten mit Flammebis zu 2 mbis zu 2 mbis zu 10 m
Schweißen (manuelles Gas- und Lichtbogenschweißenbis zu 7,5 mbis zu 4 mbis zu 20 m
Thermisches Trennenbis zu 10 mbis zu 4 mbis zu 20 m

Für das Brennschneiden in 3 m Arbeitshöhe zeigt Bild 5-6 den gefährdeten Bereich beispielhaft auf. Raumbegrenzungen und wirksame Abschirmungen können diesen Bereich beschränken.

Bild 5-6: Ausdehnung des durch Funkenflug gefährdeten Bereiches beim thermischen Trennen in einer Arbeitshöhe von 3 m

Unverschlossene Öffnungen, wie Schlitze oder Spalten, ermöglichen es aber durchaus, dass Funken oder Spritzer benachbarte Bereiche erreichen.

Es können aber noch weitere Ursachen für eine Brandentstehung verantwortlich sein. Eine Möglichkeit sind z.B. Sekundärflammen, die bei Arbeiten an Rohrleitungen aus nicht einsehbaren Öffnungen dieser Leitungen, auch in benachbarten Räumen, austreten und brennbare Materialien entzünden können.

Auch die Wärmeleitung darf nicht übersehen werden, insbesondere dann, wenn die zu bearbeitenden Bauteile in uneinsehbare Wände, Böden und Decken führen.

5.2.2
Bereiche mit Brandgefahr

Wenn sich das Entfernen brennbarer Stoffe und Gegenstände durch bauliche Gegebenheiten und betriebstechnische Gründe nicht vollständig verwirklichen lässt, sind zum Verhindern einer Brandentstehung folgende ergänzende Sicherheitsmaßnahmen erforderlich (Bild 5-7):

  1. 1.

    Abdecken verbliebener brennbarer Stoffe und Gegenstände, z.B. durch Sand, Erde, geeignete Pasten, Schäume oder schwer entflammbare Tücher. Ein Feuchthalten der Abdeckung verbessert deren Wirkung.

  2. 2.

    Abdichten von Öffnungen zu benachbarten Bereichen, wie Fugen, Ritzen, Mauerdurchbrüche, Kanäle, Rohröffnungen, Rinnen, Kamine, Schächte - z.B. mit Lehm, Gips, geeigneten Massen oder feuchtem Sand.

  3. 3.

    Bereitstellen geeigneter Feuerlöscheinrichtungen nach Art und Umfang der Brandgefahren, z.B. mit Wasser gefüllte Eimer, Feuerlöscher oder angeschlossener Wasserschlauch.

  4. 4.

    Überwachen durch einen Brandposten, der während schweißtechnischer Arbeiten den brandgefährdeten Bereich auf eine Brandentstehung beobachtet, einen möglichen Brand in seiner Entstehung durch einen eigenen Löschangriff verhindert und gegebenenfalls weitere Hilfe herbeiholt.

  5. 5.

    Kontrolle durch eine Brandwache, die im Anschluss an die schweißtechnischen Arbeiten für die folgenden Stunden den Arbeitsbereich und seine Umgebung auf Glimmnester, verdächtige Erwärmung und Rauchentwicklung regelmäßig kontrolliert.

Bild 5-7: Maßnahmen beim Schweißen unter Brandgefahr

Die Sicherheitsmaßnahmen sollen unter Beachtung der jeweiligen Umgebungsbedingungen mit dem Auftraggeber abgestimmt werden und müssen in einer Schweißerlaubnis (Beispiel siehe Bild 5-8) schriftlich festgelegt werden.

Bild 5-8: Beispiel für eine Schweißerlaubnis

Bild 5-9 zeigt schematisch das Vorgehen bei der Ermittlung von Sicherheitsmaßnahmen für Schweißarbeiten in Bereichen mit Brand- und Explosionsgefahr.

Bild 5-9: Schweißtechnische Arbeiten in Bereichen mit Brand- oder Explosionsgefahr

Bei regelmäßig wiederkehrenden, gleichartigen schweißtechnischen Arbeiten, unter vorhersehbar gleichen Bedingungen der Brandgefährdung, dürfen als Sonderfall der Schweißerlaubnis die ergänzenden Sicherheitsmaßnahmen in einer Betriebsanweisung schriftlich festgelegt werden (Beispiel siehe Bild 5-10).

Bild 5-10: Beispiel für eine Betriebsanweisung

5.2.3
Bereiche mit Explosionsgefahr

Wenn sich das Entfernen explosionsfähiger Stoffe und Gegenstände durch bauliche Gegebenheiten und betriebstechnische Gründe nicht vollständig verwirklichen lässt, sind zum Verhindern einer explosionsfähigen Atmosphäre folgende ergänzende Sicherheitsmaßnahmen erforderlich:

  1. 1.

    Sicheres Abdichten gegenüber der Atmosphäre, z.B. von fest eingebauten Behältern, Apparaten oder Rohrleitungen, die brennbare Flüssigkeiten, Gase oder Stäube enthalten oder enthalten haben.

  2. 2.

    Sicheres Abdichten gegenüber anderen Arbeitsbereichen, z.B. durch Lehm, Gips, Mörtel, geeignete Massen oder feuchten Sand.

  3. 3.

    Lufttechnische Maßnahmen in Verbindung mit messtechnischer Überwachung während der Arbeit, z.B. durch Einsatz von Gaswarngeräten.

  4. 4.

    Überwachen der Wirksamkeit der Sicherheitsmaßnahmen während der Arbeiten, z.B. Beobachten von Gaswarngeräten und augenblickliches Einstellen der Arbeiten bei Gefahr.

Die Sicherheitsmaßnahmen sollen unter Beachtung der jeweiligen Umgebungsbedingungen mit dem Auftraggeber abgestimmt werden und müssen in einer Schweißerlaubnis (Beispiel siehe Bild 5-8) schriftlich festgelegt werden.

Die Sicherheitsmaßnahmen dürfen erst aufgehoben werden, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind und keine Zündgefahr mehr besteht.

Lassen sich Gefahren durch eine explosionsfähige Atmosphäre trotz der getroffenen Sicherheitsmaßnahmen nicht sicher ausschließen, dürfen schweißtechnische Arbeiten nicht ausgeführt werden.

3

Reichweite bei üblicher Arbeitshöhe von ca. 2 bis 3 m