DGUV Information 209-009 - Galvaniseure (bisher: BGI 552)

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Abschnitt 2.1, 2.1 Reinigen und Entfetten
Abschnitt 2.1
Galvaniseure (bisher: BGI 552)
Titel: Galvaniseure (bisher: BGI 552)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-009
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.1 – 2.1 Reinigen und Entfetten

Zum Reinigen und Entfetten werden verwendet:

  • wässrige Lösungen,

  • Lösemittel (im Regelfall gekapselte Anlagen nach 2. Bundesimmissionsschutzverordnung [2. BImSchV])

    und

  • Sonderverfahren.

Zur Verbesserung der Reinigungswirkung werden eingesetzt:

  • Beheizung der Bäder,

  • Ultraschall

    und

  • elektrischer Strom (elektrolytische Entfettung).

2.1.1
Wässrige Lösungen

Wässrige Reinigungsbäder sind entweder alkalisch, sauer oder neutral eingestellt. Am häufigsten kommen alkalische Bäder auf der Basis von Ätzkali oder Ätznatron (Kalilauge oder Natronlauge) vor.

Die zu benutzenden persönlichen Schutzausrüstungen sind vom Arbeitgeber (Vorgesetzten) nach einer Gefährdungsbeurteilung der Tätigkeit festzulegen (Augenschutz oder Gesichtsschutz, Handschutz, Gummischürze und Gummistiefel).

Beispiel:

Feste Reinigungssalze, z.B. Ätznatron, bilden durch die Erschütterungen beim Transport und beim Umfüllen Staub. Dieser wirkt ätzend. Man schützt sich durch eine Staubschutzmaske, in der Regel Typ P 1 (weitere Hinweise sind der Betriebsanweisung und dem Sicherheitsdatenblatt zu entnehmen).

Beim Ansetzen von Bädern entstehen Stäube, Aerosole (Nebel), Dämpfe. Diese reizen häufig die Schleimhäute.

Die Absaugung ist bereits beim Ansetzen der Bäder einzuschalten. Beim Betrieb entstehen Aerosole (vorzugsweise beim Ein- und Ausfahren der Warenträger und wenn durch chemische und elektrochemische Prozesse Gasentwicklung an den Elektroden auftritt.

Beim Ansetzen von Elektrolyten wird unter Umständen viel Wärme freigesetzt. Dies kann im Extremfall zum Sieden der Lösung und spontanem Verspritzen führen.

Zum Beispiel Schwefelsäurebeize: Kaltes Wasser vorlegen, Säure in kleinen Mengen zugeben und für Durchmischung sorgen.

Merke: Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure!

Beim Ansetzen von alkalischen Reinigern ist wie folgt zu verfahren:

  1. 1.

    Zunächst (kaltes) Wasser vorlegen (in Abhängigkeit der eingesetzten Stoffe, Ansatzvorschrift).

  2. 2.

    Chemikalie vorsichtig zugeben; langsam in kleinen Mengen und unter ständigem Rühren.

  3. 3.

    Mit Wasser nachfüllen bis zur gewünschten Konzentration.

Neutrale Reinigungsbäder neigen insbesondere bei längerem Nichtgebrauch zum "Umkippen". Das bedeutet, dass sie von Mikroorganismen, Pilzen und Bakterien befallen werden, die sich von den organischen Badinhaltsstoffen ernähren. Dies macht sich vor allem durch unangenehme Gerüche bemerkbar.

Derart befallene Bäder sind für die Reinigung nicht mehr geeignet, der Badinhalt muss als Abwasser/Abfall entsorgt werden.

Die Behälter müssen vor dem Neuansatz sorgfältig gereinigt werden. Dabei sind die Hygienemaßnahmen der Biostoffverordnung und der damit verbundenen Technischen Regeln anzuwenden.

Elektrolytische Entfettung:

Zu den oben genannten Gefahren der wässrigen Reiniger tritt als Sonderfall die Wasserstoffentwicklung an der Kathode auf. Die Schaumblasen enthalten Wasserstoff. Wegen einer möglichen Zündung bzw. Explosion (des Schaumteppichs) darf hier nicht geraucht werden, offene Zündquellen sind nicht zulässig.

2.1.2
Organische Lösemittel

Organische Lösemittel werden in Galvanikbetrieben heute nur noch selten benutzt, z.B. manuelle Reinigung von stark verölten Einzelteilen, Reinigung von Schüttgut in geschlossenen Anlagen. In diesen Fällen, insbesondere bei der manuellen Reinigung, sind die Betriebsanweisung und die jährlich durchgeführte Unterweisung des Vorgesetzten zu beachten und zu befolgen.

Für besondere Reinigungsaufgaben wird z.B. Perchlorethylen verwendet. Dies darf, wie alle leichtflüchtigen halogenierten organischen Verbindungen, nur in geschlossenen Anlagen durchgeführt werden, die der 2. BImSchV entsprechen müssen. Die Chemikalie ist zwar nicht brennbar, trotzdem sind im Umkreis von 5 m um die Anlage Zündquellen, wie Schleifen, Schweißen und Rauchen, verboten, da das Lösemittel leicht verdampft und sich dieser Dampf bei Temperaturen über etwa 130 C unter Bildung von ätzenden und giftigen Stoffen (Salzsäure und Phosgen) zersetzt.

Gesundheitsgefahren durch organische Lösemittel bestehen insbesondere bei

  • Hautkontakt (Aufnahme durch die Haut),

  • Verschlucken,

  • Spritzer in die Augen,

  • Augenkontakt mit Dämpfen oder Aerosolen sowie

  • Aufnahme der Dämpfe durch den Atemtrakt (in der Regel sind diese Gefährdungen durch die geschlossene Anlagentechnik ausgeschlossen).

Brandgefahr bei Tätigkeiten mit organischen Lösemitteln besteht, wenn

  • die Lösemittel einen Flammpunkt besitzen,

    • hoch entzündlich sind Lösemittel, wenn ihr Flammpunkt unter 0 C liegt und der Siedepunkt höchstens 35 C beträgt

    • leicht entzündlich sind Lösemittel, wenn ihr Flammpunkt unter 21 C liegt

    • entzündlich sind Lösemittel mit einem Flammpunkt von mindestens 21 C und höchstens 55 C

  • mit dem Lösemittel offen umgegangen wird.

Die Menge der verwendeten Lösemittel beeinflusst die erforderlichen Schutzmaßnahmen.

Explosionsgefahr besteht, wenn hoch und leicht entzündliche Lösemittel bei Raumtemperatur offen verwendet oder wenn brennbare Lösemittel versprüht werden.