DGUV Information 209-009 - Galvaniseure (bisher: BGI 552)

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Abschnitt 1, 1 Lagerung und Transport
Abschnitt 1
Galvaniseure (bisher: BGI 552)
Titel: Galvaniseure (bisher: BGI 552)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-009
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1 – 1 Lagerung und Transport

Beim Lagern und Transportieren werden schwere und tödliche Unfälle insbesondere verursacht durch Verwechslungen von Stoffen.

Hierzu ein Beispiel:

In einem Galvanikbetrieb sollte ein cyanidisches Kupferbad mit alkalischem Glanzmittel nachgeschärft werden. Bei dieser Tätigkeit kam es zu einer Blausäureentwicklung. Mehrere Beschäftigte mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Einer von ihnen erlitt eine tödliche Vergiftung. Ursache war, dass der Hersteller den Glanzzusatz sowohl in saurer als auch in alkalischer Zubereitung in gleichfarbige Gebinde abgefüllt und geliefert hatte. Diese waren im Lager zusammen gelagert worden. Bei der Entnahme hatten sich die Beschäftigten nur an der Gebindefarbe orientiert, nicht jedoch an der an sich völlig korrekten Sicherheitskennzeichnung.

Gefährliche Gase, die durch Verwechslung entstehen können, sind:

  • Blausäure (Cyanwasserstoff)

    Blausäure entsteht beim Zusammenführen von cyanidischen und sauren Lösungen.

  • Chlorgas

    Chlorgas entsteht, wenn Natriumhypochlorit unkontrolliert mit sauren Lösungen zusammenkommt, z.B. in Abwasseranlagen.

Zum Schutz vor solchen Verwechslungen ist die Kennzeichnung der Gebinde sorgsam zu kontrollieren und zu beachten. Man darf sich nicht auf die Farbe von Fässern, Kanistern, Säcken usw. verlassen.

Die Kennzeichnung der Gebinde enthält auch erste Hinweise auf Schutzmaßnahmen, wie Augenschutz und Sicherheitsratschläge, z.B. "Nicht einatmen!". Die entsprechenden Betriebsanweisungen sind zu beachten.

Bei der Lagerung ist sicherzustellen, dass nicht alle Stoffe miteinander gelagert werden dürfen. Es gibt Zusammenlagerungsverbote. Dies hängt damit zusammen, dass manche Stoffe im Unglücksfall, z.B. wenn Behälter undicht werden oder Gebinde auslaufen, gesundheitsgefährliche Dämpfe bilden oder unkontrolliert miteinander reagieren.

Regeln für das Lagern und den Transport sind z.B. in der Gefahrstoffverordnung, TRGS 514, TRGS 520, Transportvorschriften des Bundes, in der VCI-Schrift "Lagerkonzept" und der BG-Information "Umgang mit Gefahrstoffen" (BGI 546) enthalten.

Grundsätzlich gilt, dass Gefahrstoffe - dazu gehören auch brennbare Flüssigkeiten - so gelagert werden müssen, dass sie dem allgemeinen Verkehr nicht zugänglich sind. Ein zwar überdachtes, aber offenes Gefahrstofflager auf einem Fabrikhof neben der offenen Einfahrt ist in diesem Sinn nicht ausreichend sicher.

Giftige und sehr giftige Stoffe müssen unter Verschluss verwahrt werden. Dies wird durch abschließbare Lager oder Behälter erreicht (Bild 1-3). Der Zugriff ist nur fachkundigen Personen gestattet. Fachkundige in diesem Sinn sind Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Ausbildung oder jahrelangen Erfahrungen die Gefahren der Stoffe kennen und beurteilen können.

Lagerbehälter müssen nach dem Abfüllen an ihren Lagerort zurückgestellt werden. Das gilt auch für leere Behälter, es sei denn, es ist für das Leergut ein besonderer Lagerplatz ausgewiesen.

Transportiert werden Chemikalien bei folgenden Gelegenheiten:

  • Neuanlieferung von Chemikalien (zugelassene Transportbehälter),

  • Nachdosieren von Chemikalien,

  • Entnahme von Badproben zur Analyse (Bild 1-1),

  • Badpflege

    und

  • Abtransport verbrauchter Badinhalte.

Bild 1-1: Vom Betrieb selbst hergestelltes Probenahmegerät

Folgende Sicherheitsmaßnahmen sind bei der Lagerung und beim Transport von Gefahrstoffen zu beachten:

  1. 1.

    Alle Behälter eindeutig kennzeichnen; von der kleinsten Probeflasche bis zum ortsfesten Tank.

  2. 2.

    Ortsveränderliche Behälter, die dem täglichen Bedarf dienen oder gedient haben, an fest vorgegebenen Stellen im Betrieb lagern. Diese Lagerplätze müssen als solche erkennbar und mit einer Sicherheitskennzeichnung versehen sein (Bild 1-2).

  3. 3.

    Fässer dicht verschlossen und mit dem Spundloch nach oben lagern.

  4. 4.

    Vor der Verwendung von Kunststoffgebinden Auskunft über deren Beständigkeit einholen.

  5. 5.

    Gefahrstoffe nicht in Getränkeflaschen, Konservengläser und Behältnisse von Lebensmitteln füllen (Verwechslungsgefahr!).

  6. 6.

    Fässer vor dem Transport auf Inhalt, Dichtigkeit und Verschluss prüfen.

  7. 7.

    Glasbehälter, sofern noch im Einsatz und Glasflaschen nur in Schutzbehältern bzw. in Tragekästen oder Eimern transportieren.

  8. 8.

    Beim Abfüllen von Chemikalien Schutzbrille oder Gesichtsschutz tragen. In Abhängigkeit von der Gefährdungsermittlung (Menge und Gefährlichkeit des Stoffes) müssen ggf. weitere persönliche Schutzausrüstungen benutzt werden (Staubschutzmaske im Regelfall P1 oder Atemschutz, Schürze, Stiefel usw.).

  9. 9.

    Zum Abfüllen aus Fässern oder Ballons Vorrichtungen benutzen, die ein Verspritzen oder Verschütten verhindern, z.B. Fasspumpe, Heber, Dosierhähne, Ballonkipper, hydraulische Fasskippvorrichtungen (Bild 1-4).

  10. 10.

    Heber und Pipetten nicht mit dem Mund ansaugen, damit der Gefahrstoff nicht in den Mund gelangen und eventuell verschluckt werden kann.

  11. 11.

    Schlauch an Fasspumpe und am freien Ende sicher befestigen.

  12. 12.

    Persönliche Schutzausrüstungen bereitstellen und benutzen.

Bild 1-2: Im Chemikalienlager

Bild 1-3: Das analytische Labor, hier befindet sich auch der Giftschrank

Bild 1-4: Ballonkipper zum Umfüllen