DGUV Information 209-008 - Presseneinrichter (bisher: BGI 551)

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Abschnitt 3, 3. Richtige Anwendung von Schutzmaßnahmen
Abschnitt 3
Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Titel: Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3 – 3. Richtige Anwendung von Schutzmaßnahmen

Neben dem Einrichten der Werkzeuge für die jeweilige Arbeitsaufgabe ist es die wichtigste Aufgabe des Einrichters, die richtige Schutzmaßnahme auszuwählen und entsprechende Einstellungen an der Presse vorzunehmen, damit diese auch wirksam sind.

Hierbei muss er eventuell vorhandene Verwendungsbeschränkungen, die aufgrund der Ausrüstung der Presse bestehen, berücksichtigen. Wenn erforderlich, müssen die vorhandenen Schutzeinrichtungen korrekt eingestellt und eventuell sogar zusätzliche Schutzeinrichtungen angebaut werden.

Bei der Auswahl der Schutzmaßnahmen muss vom Einrichter auch die Anzahl der an der Presse tätigen Personen berücksichtigt werden. Er hat sicherzustellen, dass für jede an der Presse tätige Person eine zulässige Schutzmaßnahme wirksam ist.

Der Einrichter weiß aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung, welche Schutzmaßnahmen den vorhandenen Werkzeugen zuzuordnen sind und auf welcher Presse sie eingesetzt werden dürfen.

Durch eine Sicht- und Funktionsprüfung des Einrichters sowie die spätere Freigabe durch die vom Unternehmer schriftlich beauftragte Kontrollperson ist festzustellen, ob die getroffene Schutzmaßnahme wirksam ist. Das heißt, ob die Betriebsart, die Betätigungsart und die Schutzeinrichtungen auch unter Berücksichtigung der an der Presse tätigen Anzahl von Personen richtig eingestellt sind, damit die an der Presse arbeitenden Bedienpersonen ohne Verletzungsgefahr arbeiten können.

Das Schutzziel, Verletzungen und insbesondere Handverletzungen durch Einlegearbeiten im Werkzeugbereich zu verhindern, kann nur erreicht werden, wenn sicherheitstechnisch gut ausgerüstete Pressen zur Verfügung stehen.

Sichere Werkzeuge (Bild 3-1) und feststehende trennende Schutzeinrichtungen, die oft auch als feste Verkleidungen bzw. feste Verdeckungen bezeichnet werden, dürfen an allen Pressen, unabhängig von der Bauart und Ausrüstung, als Schutzmaßnahme verwendet werden. Allerdings müssen die Schutzeinrichtungen hinsichtlich Bauform und Abmessungen den Pressen bzw. Werkzeugen angepasst sein, damit sie den Zugang zum Gefahrenbereich von allen Seiten verhindern.

Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen oder Zweihandschaltungen oder frühzeitig öffnende Schutzeinrichtungen dürfen an Pressen nur angebaut und verwendet werden, wenn deren Steuerungen besondere Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Diese Steuerungen müssen so aufgebaut sein, dass beim möglichen Auftreten eines Fehlers in der Steuerung, z. B. durch einen Kabelbruch oder den Ausfall eines Steuerungsbauteils, folgende Bedingungen sichergestellt werden:

  • Ein Fehlanlauf der Presse ist nicht möglich.
    Das heißt, ein Anlauf der Presse ohne vorherige Bestätigung der hierfür notwendigen Bedienelemente ist ausgeschlossen.

  • Das Auftreten des Fehlers muss von der Steuerung automatisch erkannt werden. Es muss sichergestellt sein, dass sich in dem Fall auch durch Betätigen der Bedienelemente keine weiteren Gefahr bringenden Bewegungen, z. B. ein weiterer Hub, auslösen lassen, bevor der eingetretene Fehler behoben wurde.

  • Wenn der Fehler während einer Hubbewegung eintritt, müssen die Schutzmaßnahmen an der Presse trotzdem bis zum Ende der Hubbewegung wirksam bleiben.

Die o. g. Bedingungen müssen vom elektrischen, hydraulischen und wenn vorhanden auch vom pneumatischen Teil dieser Pressensteuerungen erfüllt werden.

Mechanisch angetriebene Pressen, an denen diese Schutzmaßnahmen angebaut und verwendet werden sollen, müssen darüber hinaus mit folgenden Einrichtungen ausgerüstet sein:

  • eine sichere, kraftschlüssig wirkende Kupplung

  • eine sicher wirkende Bremse

  • eine automatische Überwachung des Nachlaufweges, die bei jedem Hubzyklus erfolgt

Bild 3-1: Sicheres Werkzeug durch feste Verkleidung gemäß DIN EN ISO 13857

 

Bild 3-2: Hinweis auf Verwendungsbeschränkung

An hydraulisch angetriebenen Pressen muss die Überwachung des Nachlaufweges entweder durch eine automatisch arbeitende Einrichtung nach jedem neuen Einschalten der Steuerung erfolgen oder regelmäßig gemessen werden.

Die durchzuführenden Messungen werden erheblich erleichtert, wenn die Presse mit einem geeigneten Anschluss für das erforderliche Messgerät ausgerüstet ist.

Für steuernde trennende Schutzeinrichtungen, die früher auch als bewegliche Verdeckungen oder bewegliche Abschirmung bezeichnet wurden, bestehen in Abhängigkeit von der jeweiligen Antriebsart der Presse besondere zu erfüllende Anforderungen an deren bauliche Ausrüstung.

An Pressen, für die aufgrund ihrer baulichen Ausrüstung, z. B. der Kupplung, Bremse und Steuerung, eine Verwendungsbeschränkung besteht, müssen die zulässigen Verwendungsmöglichkeiten angegeben sein (Bild 3-2).

Nach dem Einrichten muss sich der Einrichter davon überzeugen, dass die erforderlichen Schutzmaßnahmen entsprechend der vorliegenden Betriebsbedingungen richtig eingestellt und wirksam sind und nicht auf einfache Art und Weise umgangen oder unwirksam gemacht werden können.

Bild 3-3: Bis zur Freigabe durch die Kontrollperson und bei Unregelmäßigkeiten im Arbeitsablauf Pressen stillsetzen und gegen Ingangsetzen sichern

Bis zur Freigabe der Presse, die in der Regel durch eine zweite Person, die Kontrollperson, erfolgen muss oder wenn er Mängel an der Presse festgestellt hat, muss der Einrichter die Presse gegen eine Benutzung sichern. Diese Sicherung sollte durch Ausschalten und sichern der Presse am Hauptschalter erfolgen. Entsprechende Schlüssel zur Sicherung müssen abgezogen werden (Bild 3-3).

Der Einrichter ist im Regelfall für die Beseitigung von Mängeln nicht zuständig; der Vorgesetzte ist zu informieren.