DGUV Information 209-008 - Presseneinrichter (bisher: BGI 551)

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Abschnitt 2.1, 2.1 Allgemeines
Abschnitt 2.1
Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Titel: Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.1 – 2.1 Allgemeines

Durch mangelhaften Einbau des Werkzeuges in der Presse können Gefahrstellen (Bilder 2-1 und 2-2) entstehen und zu folgenschweren Unfällen führen.

Aus diesem Grund muss der Einrichter von sich aus prüfen,

  • ob es sich um ein offenes oder sicheres Werkzeug handelt,

  • welche Presse für den Einbau des Werkzeuges geeignet ist,

  • wie Ober- und Unterwerkzeug am Stößel bzw. auf dem Pressentisch sicher befestigt werden,

  • welche Hubhöhen für den Arbeitsgang erforderlich sind,

  • ob der Einrichtvorgang von Hand vorgenommen werden kann,

  • ob die Hubhöhe durch Bewegen des Stößels von Hand oder kraftbetätigt eingestellt werden kann,

  • welche Schutzmaßnahmen beim Einrichten erforderlich sind und

  • welche Schutzmaßnahmen bei Probehüben zu treffen sind.

Durch die Bewegung des Stößels und des am Stößel befestigten Oberwerkzeuges können Quetsch- und Scherstellen entstehen.

Bild 2-1: Quetschstellen am Pressenwerkzeug. Glatte Spannzapfen nur bei kleineren Werkzeugen einsetzen; sonst hinterschnittene Zapfen nach DIN 9859 verwenden

Folgende Bauteile bewegen sich dabei gegeneinander oder aneinander vorbei:

  • Oberwerkzeug und eingelegtes Werkstück

  • Oberwerkzeug und Unterwerkzeug

  • Stößel bzw. Oberwerkzeug und Spannmittel

  • Auswerfer und Ziehkissen

  • Stößel bzw. Oberwerkzeug und Teile von Verkleidungen bzw. Verdeckungen, die am Werkzeug, am Pressentisch oder -ständer fest angebracht sind.

Bei Pressenarbeiten sind während der Schließbewegung des Werkzeuges vor allem die Finger und die Hände, bei Großpressen auch der Oberkörper oder der gesamte Körper gefährdet.

Die Abstände, bei denen für die angegebenen Körperteile Quetschstellen nicht mehr als Gefahrstellen angesehen oder Gefahrstellen nicht erreicht werden können, können aus den Normen DIN EN ISO 13857 und DIN EN 349 entnommen werden.

Die Norm DIN EN ISO 13857 enthält teilweise größere Sicherheitsabstände als die Vorgängernorm DIN 31001 Teil 1. Bei Pressen und Werkzeugen, die bereits vor dem 1. August 1992 in Betrieb waren, gelten die Abstände nach DIN 31001 Teil 1 als ausreichend.

Bild 2-2: Abnehmbarer Spannzapfen am Werkzeug

 

Bild 2-3: Sicherheitsabstände gegen Hinaufreichen nach DIN EN ISO 13857

Die Norm DIN EN ISO 13857 unterscheidet zwischen geringem Risiko, z. B. Gefährdung durch Reibung oder Abrieb, und hohem Risiko, z. B. Gefährdung durch Aufwickeln oder Erfasstwerden. Die Risikobewertung muss die Eintrittswahrscheinlichkeit und die voraussichtliche Schwere einer Verletzung berücksichtigen.

Der Presseneinrichter muss beim Werkzeugeinbau beurteilen,

  • ob die Abstände zwischen den bewegten Bauteilen ausreichen, sodass Quetsch- und Scherstellen vermieden werden und

  • ob die vorhandenen Quetsch- und Scherstellen ausreichend gesichert sind.

Wenn das Werkzeug so gestaltet ist, dass beim Einlegen oder Herausnehmen von Werkstücken zwischen Ober- und Unterwerkzeug gegriffen werden kann, wird es als offenes Werkzeug oder auch als Einlegewerkzeug bezeichnet.

Werkzeuge, die durch die Art ihrer Konstruktion so gestaltet oder durch am Werkzeug fest angebrachte zusätzliche Verkleidungen so gesichert sind, dass ein Hineingreifen in Gefahrstellen ausgeschlossen ist, werden als sichere Werkzeuge bezeichnet.

Bei Pressenarbeiten mit einem sicheren Werkzeug ist eine zusätzliche Schutzeinrichtung nicht erforderlich. Bei Verwendung von offenen Werkzeugen (Bild 2-4) besteht die Gefahr von Handverletzungen. Um diese Gefahren abzuwenden, müssen Schutzeinrichtungen an der Presse - z. B. Verkleidungen, Verdeckungen, berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen, Zweihandschaltungen - vorhanden sein und benutzt werden.

Um Einbaufehler durch den Presseneinrichter zu vermeiden, ist schon die Gestaltung des Werkzeuges von Bedeutung. Auch müssen dem Einrichter geeignete Hilfsmittel zur Befestigung des Werkzeuges zur Verfügung stehen.

Bild 2-4: Offenes Werkzeug bzw. Einlegewerkzeug - Quetschstelle zwischen Stößelunterfläche und Führungsplatte

 

Bild 2-5: Sicherheitsgerecht aufgespanntes Werkzeug

Das Oberwerkzeug muss am Stößel so befestigt werden können, dass es sich bei betriebsmäßigen Beanspruchungen nicht löst.

Das Aufspannen des Unterwerkzeuges auf dem Pressentisch muss sachgemäß durchgeführt werden (Bild 2-5). Dazu sind am Werkzeug möglichst besondere Spannflächen vorzusehen und besondere Spannstücke und -schrauben in ausreichender Anzahl bereitzustellen. Zwischen Spannschrauben oder -muttern und der Stößelunterfläche dürfen keine Quetsch- und Scherstellen vorhanden sein.

Um seitliche Kräfte, die zu Verschiebungen des Werkzeuges und damit zu Unfällen führen können, zu vermeiden, müssen Spanneisen oder Spannstücke waagerecht liegen und Spannschrauben senkrecht stehen.