DGUV Information 209-008 - Presseneinrichter (bisher: BGI 551)

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Abschnitt 16, 16. Freigabe der Presse für die Produktion nac...
Abschnitt 16
Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Titel: Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 16 – 16. Freigabe der Presse für die Produktion nach dem Einrichten

Nachdem die Einrichtarbeiten abgeschlossen sind, muss die Presse vor dem Einsatz zur Produktion auf einen ordnungsgemäßen Zustand kontrolliert und, wenn keine Beanstandungen vorliegen, für die Produktion freigegeben werden.

Bis zur Freigabe muss die Presse durch den Einrichter gegen eine unbefugte Benutzung gesichert werden. Hierzu sind die entsprechenden Befehlseinrichtungen gegen unbefugtes Betätigen zu sichern. An kleinen Pressen kann dazu z. B. der Hauptschalter ausgeschaltet und durch ein Schloss gesichert werden.

Die Kontrolle und Freigabe sollte in der Regel nach dem "Vier-Augen-Prinzip" durchgeführt werden. Das bedeutet, dass die Presse durch eine vom Unternehmen schriftlich beauftragte Kontrollperson überprüft und freigegeben wird, welche die Einrichtarbeiten nicht selbst durchgeführt hat.

Erst nachdem diese zweite Person bestätigt hat, dass

  • die Werkzeuge ordnungsgemäß eingerichtet sind,

  • die erforderliche Betriebsart eingestellt ist,

  • die erforderlichen, vorschriftsmäßigen Schutzmaßnahmen getroffen, richtig eingestellt und wirksam sind und

  • die Umstelleinrichtungen gegen unbefugtes Betätigen gesichert sind,

darf die Presse für die Produktion freigegeben werden.

Eine schriftliche Dokumentation des Einrichtvorganges bzw. der Kontrolle und Freigabe ist zwar gemäß den geltenden Vorschriften und Regeln bei dieser Vorgehensweise nicht gefordert, aber empfehlenswert.

Oft ist eine Dokumentation der Freigabe für die Produktion ohnehin aus Gründen der Qualitätssicherung erforderlich. Wenn betriebliche Gegebenheiten und Praxis es erfordern, kann unter bestimmten Bedingungen von der oben beschriebenen Vorgehensweise zur Kontrolle und Freigabe einer Presse abgewichen werden.

So kann die Einrichtkontrolle durch eine zweite Person z. B. dann entfallen, wenn in allen einstellbaren Betriebsarten der Presse Schutzmaßnahmen gegen Verletzungen zwangsläufig wirksam sind. Das bedeutet, die Presse muss technisch so ausgestattet sein, dass besonders auch bei der Verwendung nicht sicherer Werkzeuge ein Betrieb ohne eine nach den geltenden Vorschriften zulässige Schutzmaßnahme in allen wählbaren Betriebsarten unmöglich ist.

Beispiel hierfür ist z. B. eine Presse mit automatisierter Werkstückzufuhr und -entnahme, bei der nur die Betriebsarten "Automatik" und "Einrichten" eingestellt werden können. Die o. g. Voraussetzungen sind hier z. B. erfüllt, wenn die Anlage durch Anwahl der Betriebsart "Automatik" auch durch in die Anlage integrierte verriegelte trennende Schutzeinrichtungen gesichert ist und beim Umschalten auf die Betriebsart "Einrichten" eine Hubauslösung bei geöffneter Schutzeinrichtung nur mittels einer Zweihandschaltung möglich ist.

An modernen Gesenkbiegepressen ist die o. g. Voraussetzung auch oft erfüllt und die Einrichtkontrolle durch eine zweite Person kann dann an diesen Maschinen entfallen.

Ist im Betrieb keine zweite geeignete Person vorhanden, die als Kontrollperson eingesetzt werden kann, kann ein "besonders ausgebildeter Einrichter" vom Unternehmen schriftlich beauftragt werden, die erforderliche Kontrolle anhand einer vom Unternehmen für die Presse erstellten Prüfliste selbst durchzuführen und die Presse für die Produktion freizugeben. Umgangssprachlich wird dieser Einrichter dann auch als "selbstkontrollierender Einrichter" bezeichnet.

In diesem Fall ist eine schriftliche Dokumentation des Vorganges erforderlich, in deren Rahmen der Einrichter das positive Ergebnis der durchgeführten Kontrolle, unter Angabe der Werkzeugbezeichnung, der getroffenen Schutzmaßnahme sowie Datum und Uhrzeit bestätigt.

Als "besonders ausgebildete Einrichter" gelten in diesem Zusammenhang Einrichter, die neben der erforderlichen, maschinenspezifischen Ausbildung im Unternehmen zusätzlich an einer fachspezifischen Ausbildung, z. B. bei der Berufsgenossenschaft, erfolgreich teilgenommen haben.

Die Beauftragung und der Einsatz solcher "selbstkontrollierenden Einrichter" sollte schon allein wegen der erforderlichen Ausbildung mit der zuständigen Aufsichtsperson der Berufsgenossenschaft abgestimmt werden.

In der entsprechenden BG-Regel (BGR 500, Kapitel 2.3) wird in diesem Zusammenhang ein schriftlicher Antrag an die zuständige Berufsgenossenschaft gefordert.

An Gesenkbiegepressen ist wegen der besonderen Umstände an dieser Pressenart nach Auffassung der "Arbeitsgruppe Pressen" beim zuständigen "Fachausschuss MHHW" beim Einsatz eines besonders ausgebildeten Einrichters keine Prüfliste und schriftliche Dokumentation der Kontrolle erforderlich.

Beauftragung einer Kontrollperson 1) nach BGR 500 Kap. 2.3

Punkt 3.5 "Pressen der Metallbe- und -verarbeitung"





Herr/Frau________________________________________________________________
wird beauftragt, die Presse(n), Gesenkbiegepresse(n) in der

Abteilung _______________________________________________________________
nach dem Einrichten zu kontrollieren.



Die Kontrollperson darf die Presse erst in Betrieb nehmen lassen, nachdem sie selbst festgestellt hat, dass
a) die Werkzeuge ordnungsgemäß eingerichtet sind.
b) die entsprechende Betriebsart eingestellt ist.
c) vorschriftsmäßige Schutzeinrichtungen eingestellt und wirksam sind.
d) die Umstelleinrichtungen gegen unbefugtes Betätigen gesichert sind.

Insbesondere ist zu kontrollieren, ob die getroffenen Schutzmaßnahmen vorschriftsmäßig, wirksam und ausreichend sind.



Herr/Frau ________________________ darf die zu kontrollierende Maschine nicht selbst eingerichtet haben.



_________________________________, den _________________________________




_________________________________
Unternehmer
______________________________________
Kontrollperson





1)

Anforderungen an Kontrollpersonen gemäß BGR 500 Kapitel 2.3 Punkt 3.1.2
"Der Unternehmer darf als Einrichter und Kontrollperson nur Personen beauftragen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und für die Aufgabe ausgebildet sind."

Bild 16-1: Muster zur schriftlichen Beauftragung einer Kontrollperson

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