DGUV Information 209-008 - Presseneinrichter (bisher: BGI 551)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 14.1, 14.1 Gefährdungen und Schutzmaßnahmen an Ges...
Abschnitt 14.1
Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Titel: Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 14.1 – 14.1 Gefährdungen und Schutzmaßnahmen an Gesenkbiegepressen

Beim Arbeiten an Gesenkbiegepressen bestehen vielfältige Gefährdungen, durch die Personen verletzt werden können. Das größte Risiko besteht hier in der Regel aber für die Bedienpersonen, die durch Gefahr bringende Bewegungen des Arbeitsprozesses u. a. schwerste Handverletzungen erleiden können.

Die signifikantesten Gefahrstellen, die während des Bearbeitungsvorganges an Gesenkbiegepressen entstehen können und mögliche Schutzmaßnahmen sind im Folgenden dargestellt.

  • Durch die Schließbewegung des Werkzeuges entsteht nicht nur die Gefährdung zwischen Stempel und Matrize bzw. Stempel und Werkstück eingeklemmt oder gequetscht zu werden. Die Bewegungsenergie des sich schließenden Werkzeuges allein bewirkt unter bestimmten Umständen schon ein erhebliches Verletzungsrisiko. Das gilt insbesondere für den mit Eilganggeschwindigkeit (≥ 10 mm/s) durchgeführten Teil der Schließbewegung. Diese Eilganggeschwindigkeit beträgt an modernen Gesenkbiegepressen in der Regel mehr als 200 mm/s.
    Beim Arbeiten mit Schließbewegungen in Eilganggeschwindigkeit müssen zwangsläufige, technische Schutzmaßnahmen wirksam sein, die einen Eingriff in diese Gefahrstelle während dieser Bewegung sicher verhindern. Möglichkeiten, wie diese Schutzmaßnahmen aussehen können und dürfen, werden in entsprechenden Abschnitten dieser Broschüre aufgezeigt.
    Ein Fußschalter allein ist für die Eilganggeschwindigkeit keine Schutzmaßnahme, sondern nur eine Befehlseinrichtung, mit der Gefahr bringende Bewegungen mit einem "unakzeptablen Risiko" ausgelöst werden können.

  • Nach dem Aufsetzen des Stempels entsteht während des Biegevorganges eine Gefährdung durch die Schwenkbewegung des nach vorne aus der Gesenkbiegepresse herausragenden Werkstückteiles. Hierdurch können Bedienpersonen vom Werkstück am Oberkörper und Kopf verletzt werden.
    Zusätzlich entsteht bei Werkstücken mit kurzen, bereits vorgekanteten Schenkeln (L-Form) die Gefährdung, zwischen der Oberwange und dem hieran eventuell anschlagenden Werkstückschenkel gequetscht zu werden. Die Kräfte, die hierbei auftreten, können unter Umständen für das Abtrennen von Fingern ausreichen. Gegen diese
    Gefährdungen sind in der Regel an Gesenkbiegepressen keine zwangsläufig wirkenden, technischen Schutzmaßnahmen vorhanden und prozessbedingt auch oft nicht möglich. Als Schutzmaßnahme bleibt hier in der Regel nur die Erfahrung, Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen der Bedienpersonen, zusammen mit der Möglichkeit, die Schließbewegung jederzeit, unmittelbar und direkt anhalten zu können.
    Von besonderer Bedeutung ist es in diesem Zusammenhang, das Werkstück mit den Händen nur zu halten und zu führen, wenn dies prozessbedingt unabdingbar erforderlich ist. Um diesen Ratschlag beherzigen zu können, sind allerdings geeignete Werkstückauflagen erforderlich, die als eine der erforderlichen Schutzmaßnahmen an jeder Gesenkbiegepresse vorhanden sein müssen.

    Bild 14-5a: Geeignete Werkstückauflage

     

    Bild 14-5b: Weniger geeignete Werkstückauflage

  • Beim Rückschwenken des Werkstückes besteht ebenfalls die Gefährdung, durch das Werkstück am Körper und Kopf getroffen und verletzt zu werden. Auch hier gilt, dass gegen diese Gefährdung in der Regel an Gesenkbiegepressen keine zwangsläufig wirkenden, technischen Schutzmaßnahmen vorhanden und prozessbedingt auch oft nicht möglich sind. Als Schutzmaßnahme bleibt auch hier in der Regel nur die Erfahrung, Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen der Bedienpersonen, zusammen mit der Möglichkeit, die Rückschwenkbewegung durch Stoppen der Hubbewegung jederzeit, unmittelbar und direkt anhalten zu können.
    Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das Verhalten der Gesenkbiegepresse bei der Unterbrechung der Schließbewegung und bei der Auslösung der Funktion "NOT-HALT". In beiden Fällen sollte sichergestellt werden, dass an Gesenkbiegepressen, an denen überwiegend große Bauteile bearbeitet werden und somit durch die Rückschwenkbewegung ein erhebliches Risiko von Verletzungen besteht, der Stempel beim Auslösen dieser Funktionen nicht automatisch öffnet, sondern stehen bleibt. Hierdurch wird das Werkstück in der Position gehalten und führt keine unkontrollierte Rückschwenkbewegung aus. Eine weitere Möglichkeit zur besseren Beherrschung der Rückschwenkbewegungen ist eine Reduzierung der Geschwindigkeit für den Öffnungshub. An modernen CNC-gesteuerten Gesenkbiegepressen kann eine solche Geschwindigkeitsreduzierung in der Regel für jeden Bearbeitungsschritt, nach den Erfordernissen unterschiedlich, programmiert werden.

  • Durch das an modernen Gesenkbiegepressen automatische, programmgesteuerte Verfahren der Anschläge treten zusätzliche Gefährdungen auf. Die Bedienpersonen sind hier besonders gefährdet, wenn die hinteren Werkstückanschläge nach vorn, in Richtung der Biegelinie verfahren. Die Eilganggeschwindigkeit, mit der diese Anschläge in der Regel verfahren werden, beträgt oft mehr als 60 m/min.
    Hierbei besteht zum einen die Gefahr, dass das an den Anschlägen anliegende Werkstück mit der entsprechenden Geschwindigkeit unkontrolliert in Richtung einer Bedienperson geschoben wird, die hinter dem Werkstück steht oder dieses sogar mit den Händen hält. Zum anderen besteht erhebliche Quetschgefahr, wenn die Bedienpersonen über die Biegelinie hinaus in die Maschine eingegriffen haben und die Anschläge entsprechend dicht an der Matrize positioniert werden.
    Vor diesen Gefährdungen schützen in der Regel auch nicht die an modernen Gesenkbiegepressen oft vorhandenen berührungslos wirkenden Schutzeinrichtungen. Als Schutzmaßnahme gegen die Gefährdungen des Quetschens ist an Gesenkbiegepressen häufig eine Funktion vorhanden, die eine automatische Reduzierung der Verfahrgeschwindigkeit der Anschläge im Bereich solcher Scher- und Quetschstellen auf ≤ 2 m/min garantieren soll. Ihre Wirksamkeit kann aber u. a. von Programmierfehlern beeinflusst werden.
    Als zulässige und wirksame Schutzmaßnahme gegen beide o. g. Gefährdungen ist die Möglichkeit anzusehen, den Startbefehl der Positionierbewegungen der Anschläge so zu programmieren, dass sie erst erfolgt, nachdem eine Befehlseinrichtung (z. B. Fußschalter) betätigt wurde.
    An neueren, auf dem Stand der Technik befindlichen Gesenkbiegepressen kann diese Funktion für jeden Bearbeitungsschritt nach Bedarf programmiert werden. Die an älteren Gesenkbiegepressen oft noch anzutreffende Möglichkeit zur Programmierung einer Verzögerungszeit zum Start der Positionierbewegung ist hierfür als nicht ausreichend sicher anzusehen.

    Bild 14-6: Absicherung gegen Eingriff von den Seiten mit verriegelten trennenden Schutzeinrichtungen

  • Weitere Gefährdungen bestehen durch den Zugriff in Gefahrstellen von den Seiten und der Rückseite von Gesenkbiegepressen. Als Schutzmaßnahme gegen diese Gefährdungen müssen entsprechende trennende oder berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen vorhanden und wirksam sein.
    Neben der Absicherung der Gefahr bringenden Bewegungen durch automatisch verfahrbare Anschlagsysteme soll hierdurch u. a. vermieden werden, dass Personen versehentlich von hinten oder von den Seiten in die Biegelinie greifen.

Aufgrund der Abmessungen und der Stabilität der zu fertigenden Werkstücke ist es oft üblich und erforderlich, dass zur Handhabung der Werkstücke mehrere Personen gleichzeitig an der Gesenkbiegepresse arbeiten. Diese Arbeitsweise wird auch als "Mehrpersonenbedienung" bezeichnet.

Die o. g. Gefährdungen bestehen für alle am Bearbeitungsprozess an einer Gesenkbiegepresse beteiligten Personen. Das Arbeiten an Gesenkbiegepressen ist deshalb auch nur zulässig, wenn für jede dieser Personen jeweils eine gleichwertige, zulässige Schutzmaßnahme vorhanden und wirksam ist.

In den oben stehenden Absätzen wurde aufgezeigt, dass ein wesentlicher Bestandteil der erforderlichen Schutzmaßnahmen darin besteht, dass die Bedienpersonen jederzeit die Möglichkeit haben, die Gefahr bringenden Bewegungen der Gesenkbiegepresse unmittelbar und direkt stoppen zu können. Hierzu ist es erforderlich, dass für jede am Bearbeitungsprozess an der Gesenkbiegepresse beteiligte Person eine entsprechende Befehlseinrichtung vorhanden ist. An Gesenkbiegepressen ist diese Befehlseinrichtung in der Regel der Fußschalter.

Leider gehört aber selbst bei neuen, großen Gesenkbiegepressen, mit einermöglichen Biegelänge von 3 m und mehr, bei denen eine Mehrpersonenbedienung wahrscheinlich und vorhersehbar ist, ein zweiter Fußschalter und selbst die Möglichkeit, einen solchen kostengünstig und unkompliziert an der Maschine anzuschließen, in der Regel nicht zur Serienausstattung. Zuletzt bleibt festzustellen, dass eine wesentliche Voraussetzung zur Vermeidung von Gefährdungen bzw. zur Risikominimierung beim Biegeprozess "Biegefolge und Bearbeitungsparameter" sind, die auch unter Sicherheitsaspekten ermittelt und festgelegt wurden.

Der erste Vorschlag hierzu, der an modernen Gesenkbiegepressen oft von der Steuerung abgefragt werden kann, ist da nicht immer automatisch auch sicherheitstechnisch die erste Wahl. Hier ist der Erfahrungsschatz von qualifizierten Einrichtern gefordert.