DGUV Information 209-008 - Presseneinrichter (bisher: BGI 551)

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Abschnitt 13.2, 13.2 Hinweise zum sicheren Einrichten und Be...
Abschnitt 13.2
Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Titel: Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 13.2 – 13.2 Hinweise zum sicheren Einrichten und Betrieb am Beispiel einer automatisierten, größeren Presse

Aus Gründen der Produktivität sind große Pressen (so genannte Großpressen, Transferpressen und Pressenstraßen) heute in der Regel mit vielfältigen Einrichtungen zur Automatisierung der zum Betrieb notwendigen Arbeitsschritte ausgerüstet.

In der Regel wird an solchen Pressen die Handhabung der Werkstücke nicht mehr von Hand, sondern durch Automatisierungseinrichtungen durchgeführt. An solchen Fertigungsanlagen wird in der Regel vom Coil oder mit automatisierter Zuführung und Handhabung von Platinen mittels Vakuumsaugertraversen im Fertigungsprozess gearbeitet.

Als Schutzmaßnahme während des automatisiert ablaufenden Fertigungsprozesses werden an solchen Pressen in der Regel feste trennende und verriegelte trennende Schutzeinrichtungen, z. B. in der Form von Hubtoren, eingesetzt, die auch für die an diesen Arbeitsplätzen erforderliche Lärmminderung einen erheblichen Beitrag leisten.

Oft werden derartige Großpressen und auch Pressenstraßen aus Gründen der erforderlichen Flexibilität der Fertigungsanlagen so konzipiert, dass in Notfällen auch eine "Handbeschickung" möglich ist. In solchen Fällen sind die entsprechenden Anforderungen speziell an die Steuerung (sichere Steuerung, Bremse und Kupplung) der Pressenanlage zu erfüllen.

Bild 13-2: Mitarbeiter eines Einricht-Teams bei der Arbeit an einer Großpresse

Auch für den Einrichtvorgang sind an solchen Pressen oft zwangsläufig wirksame Schutzmaßnahmen gegen die Gefährdung durch die Stößelbewegung vorhanden. In der Regel wird hierzu eine Zweihandschaltung als Befehlseinrichtung eingesetzt, mittels der die Stößelbewegung im Tippbetrieb mit entsprechend langsamer Schließgeschwindigkeit ausgelöst werden kann.

Für den Einrichtvorgang sind an diesen Pressen oft auch Automatisierungseinrichtungen in der Form von verfahrbaren Pressentischen vorhanden, auf denen die als nächstes benötigten Umformwerkzeuge bereits während des noch laufenden Fertigungsprozesses, außerhalb der Presse, vorgerüstet werden. Durch diese und andere Funktionen zur Automatisierung entstehen aber oft gerade beim Einrichtvorgang zusätzliche Gefahren, gegen die geeignete Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen.

Bei der Automatisierung des Einrichtvorganges unterscheidet man zwischen

  • teilautomatischem Einrichten: Hierbei wird der Einrichtvorgang durch eine Folge automatisch ablaufender Einzelschritte durchgeführt. Der Startbefehl für diese Einzelschritte muss jeweils vom Einrichter an der Steuerung von Hand ausgelöst werden.

  • vollautomatischem Einrichten: Hierbei laufen alle für den Einrichtvorgang erforderlichen Schritte nach der Eingabe des Startbefehls an der Steuerung selbsttätig, programmgesteuert ab.

Für beide Formen des automatisierten Einrichtens gilt Folgendes:

  • Die für diesen Einrichtvorgang erstellte und zur Presse gehörige Betriebsanweisung ist zu befolgen.

  • Startbefehle für automatisch ablaufende, Gefahr bringende Bewegungen dürfen vom Einrichter an der Steuerung erst ausgelöst werden, wenn er sich davon überzeugt und sichergestellt hat, dass sich in den Gefahrenbereichen niemand mehr aufhält und niemand ungesichert hineintreten kann.

Bild 13-3: Großpresse mit verfahrbarem Pressentisch - Absicherung gegen Zutritt während der Verfahrbewegung durch eine BWS

Beim Einrichten von Großpressen sollte der Einrichter sicherstellen, dass folgende Bedingungen erfüllt sind, um einen ausreichenden Schutz bei den Arbeiten an der Presse zu gewährleisten:

  • Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der am Einrichtvorgang beteiligten Personen sind eindeutig geregelt und allen bekannt. Betriebsanweisungen bzw. Arbeitsanweisungen hierzu sind vorhanden und werden auch eingehalten.

  • Für den Transport der Werkzeuge stehen geeignete Transportmittel zur Verfügung. Anschlagmittel für den Krantransport passen zum Werkzeug, sind nicht beschädigt und werden regelmäßig geprüft.

  • Im Werkzeugraum der Presse vorhandene Bodenöffnungen, z. B. Schrottschächte, werden vor Beginn der Einrichtarbeiten sicher abgedeckt bzw. durch andere Schutzmaßnahmen gesichert.

  • Jede Gefahr bringende Bewegung ist während der Einrichtarbeiten durch eine technische Schutzmaßnahme abgesichert, durch die alle am Einrichtvorgang beteiligten Personen geschützt sind. Das gilt auch besonders für automatisierte Bewegungen, wie das Verfahren von Werkzeugtischen.

  • Startbefehle für Gefahr bringende Bewegungen dürfen vom Einrichter an der Steuerung erst ausgelöst werden, wenn er sich davon überzeugt hat, dass sich keine Personen im Gefahrenbereich aufhalten.

  • Vom Einrichter nicht einsehbare Zugangsöffnungen sind vor dem Auslösen von Gefahr bringenden Bewegungen (z. B. das Aufsetzen des Stößels auf das Oberwerkzeug) durch Schutzeinrichtungen zu sichern (z. B. Hubtor an der Rückseite schließen oder eine vorhandene BWS einschalten).

  • Beim Aufsetzen von Coils muss auch während der Einrichtarbeiten deren Standsicherheit gewährleistet sein. Beim Öffnen von Spannbändern an den Coils ist auf einen sicheren Standplatz zu achten bzw. sollten spezielle Werkzeuge verwendet werden, die Verletzungen durch herumschleudernde Spannbänder ausschließen.

  • Der Automatikbetrieb an der Presse darf erst wieder aktiviert werden, nachdem sich der Einrichter davon überzeugt und sichergestellt hat, dass sich keine Personen mehr im Werkzeugraum der Presse oder in anderen durch technische Schutzmaßnahmen abgesicherten Gefahrenbereichen der Presse befinden.

  • Vor Eingriffen zur Störungsbeseitigung ist die "Ausschalteinrichtung", die oft auch mit "Schaltsperre" oder "Steuerung Aus" gekennzeichnet ist, an der Steuerung der Presse zu betätigen.

Diese alte, aber auch bewährte Regel sollte gerade auch an automatisierten Großpressen stets beachtet werden, da vor allem an solchen Pressen immer wieder folgenschwere Unfälle verursacht werden, indem durch die versehentliche Betätigung von Befehlseinrichtungen oder auch im Werkzeugraum angeordneter Sensoren zur Werkstücküberwachung bei der Störungsbeseitigung Hubbewegungen ausgelöst werden.