DGUV Information 209-008 - Presseneinrichter (bisher: BGI 551)

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Abschnitt 12, 12. Gefährdungen und Schutzmaßnahmen an Sonder...
Abschnitt 12
Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Titel: Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 12 – 12. Gefährdungen und Schutzmaßnahmen an Sonderpressen

Als Sonderpressen werden allgemein Pressen bezeichnet, die für spezielle Arbeitsgänge oder Bearbeitungsverfahren konzipiert wurden.

Diese Pressen werden in der Regel gemäß ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung nicht für klassische Umformarbeiten mit offenen, geteilten Werkzeugen (Stempel und Matrize) eingesetzt, sondern beispielsweise zum Richten, Ein- und Auspressen (Fügen) von Bauteilen, Tuschieren und Einarbeiten von Umformwerkzeugen sowie der Kaltverformung im Freiformverfahren von großen Blechen.

Neben den oft als "Richt- oder Werkstattpressen" bezeichneten Sonderpressen zählen hierzu auch die so genannten "Kümpel- und Schiffbaupressen", die im Behälter- bzw. Schiffbau eingesetzt werden. Gesenkbiegepressen, die speziell für die Kaltumformung von Blechen konzipiert sind, werden an dieser Stelle nicht behandelt. Angaben hierzu sind im Abschnitt 14 dieser Broschüre enthalten.

Beim Arbeiten an solchen Sonderpressen muss häufig in die Gefahrstelle zwischen Stempel und Werkstück eingegriffen werden, z. B. um Druckstücke in Position zu bringen. Bei Bear beitungsverfahren, bei denen der Einsatz solcher Druckstücke nicht notwendig ist, müssen oft die zu bearbeitenden Bauteile geführt werden. Nicht selten sind hierbei die Bauteile nur so groß, dass auch bei der Bearbeitung unter den Stempel gegriffen werden kann. Ein reflexartiges Eingreifen in den Gefahrenbereich kann hier nicht sicher ausgeschlossen werden. Darüber hinaus besteht bei Richt- und Fügearbeiten oft die Gefahr, dass Teile unkontrolliert aus dem Arbeitsraum herausgeschleudert werden.

Bild 12-1: Werkstattpresse - keine bestimmungsgemäße Verwendung

In der Vergangenheit wurde im Zusammenhang mit diesen Sonderpressen oft angeführt, dass hieran aus fertigungstechnischen Gründen keine Schutzmaßnahmen eingesetzt werden können. Diese Formulierung hatte im Kontext dieser Zeit sicher auch ihre Berechtigung, da die an diesen Pressen auszuführenden Arbeitsgänge in der Regel nicht mit den in den Vorschriften dieser Zeit genannten, klassischen Schutzmaßnahmen durchgeführt werden konnten. Die "Befehlseinrichtung mit selbsttätiger Rückstellung zusammen mit langsamer Schließgeschwindigkeit" war technisch noch unausgereift und wurde aus diesem Grund nicht als vollwertige Schutzmaßnahme, sondern nur als Ersatzschutzmaßnahme genannt.

Formulierungen aus alten, nicht mehr aktuellen Vorschriften, nach denen bei der Arbeit an solchen Pressen Verletzungen nicht zu erwarten seien und besonders die daraus entstandene und auch heute noch oft angeführte, freie Interpretation, dass aus diesem Grund an solchen Pressen ohne jegliche Schutzmaßnahme gearbeitet werden darf, war nicht zutreffend und ist aus heutiger Sicht, besonders unter Berücksichtigung des erreichten Standes der Technik, erst recht nicht haltbar.

An ältere Sonderpressen, die noch nach den Bestimmungen der Unfallverhütungsvorschriften ausgeführt wurden, dürfen, wenn die Anwendung der klassischen Schutzmaßnahmen aus fertigungstechnischen Gründen nicht möglich ist, nur mit der Schutzmaßnahme "Befehlseinrichtung mit selbsttätiger Rückstellung zusammen mit langsamer Schließgeschwindigkeit" betrieben werden. Hierbei ist noch eine Befehlseinrichtung mit nur zwei Schaltstellungen zulässig. Als langsame Schließgeschwindigkeit sind an diesen Pressen unter besonderen Bedingungen Geschwindigkeiten von bis zu 50 mm/s zulässig. Bei neuen Sonderpressen, die bereits nach den europäischen Vorschriften ausgeführt wurden, müssen Angaben zur "bestimmungsgemäßen Verwendung" der Presse in der mitgelieferten Dokumentation enthalten sein. Die Befehlseinrichtung sollte bereits mit drei Schaltstellungen (siehe Abschnitt 11) ausgeführt sein. Als langsame Schließgeschwindigkeit sind an diesen Sonderpressen unter besonderen Bedingungen Geschwindigkeiten von bis zu 30 mm/s zulässig.

Beim Einrichten von Sonderpressen sollte der Einrichter sicherstellen, dass folgende Bedingungen erfüllt sind, um einen ausreichenden Schutz bei den Arbeiten an der Presse zu gewährleisten:

  • Die mit der Presse auszuführenden Arbeitsgänge bzw. das angewendete Bearbeitungsverfahren entsprechen der in der Dokumentation genannten "bestimmungsgemäßen Verwendung" der Sonderpresse.

  • Es sind für das Arbeitsverfahren geeignete Auflagen für das Werkstück vorhanden und sicher am Pressentisch befestigt.

  • Es sind für das Arbeitsverfahren geeignete Druckstücke vorhanden und sicher am Stempel befestigt.

  • Lose Beilagen, die zum Richten oder Verformen der Werkstücke benötigt werden, müssen sicher und in ausreichendem Abstand von der vorhandenen Gefahrstelle festgehalten werden können.

  • Der für erforderliche Beilagen oder Druckstücke verwendete Werkstoff ist nicht sprödbrüchig geworden (Bärte an den Druckstücken).

  • Wenn aufgrund des Arbeitsverfahrens das Herausschleudern von Teilen nicht sicher ausgeschlossen werden kann, müssen geeignete, fangende Schutzeinrichtungen, z. B. aus bruchsicherem Kunststoff (Polycarbonat) vorhanden und wirksam sein.
    Besonders bei Richtarbeiten an gehärteten Werkstücken und übereinander gestapelten Druckstücken besteht erhebliche Verletzungsgefahr durch wegfliegende Splitter bzw. Teile.

  • Wenn Werkstücke bei der Bearbeitung von mehreren Personen gehalten oder geführt werden müssen und aufgrund der Bauteilgröße oder -position die Möglichkeit eines reflexartigen Eingreifens in die Gefahrstelle nicht sicher ausgeschlossen werden kann, muss für jede am Arbeitsvorgang beteiligte Person eine separate Befehlseinrichtung mit selbsttätiger Rückstellung vorhanden und wirksam sein.