DGUV Information 209-008 - Presseneinrichter (bisher: BGI 551)

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Abschnitt 1, 1. Der Einrichter und seine Aufgaben
Abschnitt 1
Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Titel: Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1 – 1. Der Einrichter und seine Aufgaben

Pressen haben in der Umformtechnik eine große Bedeutung erlangt, weil sie ohne großen Aufwand im Rahmen ihrer Baugröße mit beliebigen Werkzeugen ausgerüstet und für unterschiedliche Formgebungsverfahren eingesetzt werden können.

Auch wenn Pressen vorschriftsmäßig gestaltet und alle erforderlichen Schutzeinrichtungen vorhanden sind, hängt es vom Einrichter und der die Presse nach erfolgtem Einrichten freigebenden Kontrollperson ab, ob Pressen nach jeder Änderung des Arbeitsvorganges richtig eingerichtet werden und die Schutzeinrichtungen eingestellt und wirksam sind.

Um ein sicherheitsgerechtes Betreiben von universell verwendbaren Pressen zu erzielen, müssen die Presseneinrichter ein gutes Fachwissen und ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein besitzen.

Sie gefährden sich selbst, wenn sie beim Einrichten der Werkzeuge und insbesondere bei Probehüben Schließbewegungen einleiten und dabei die Hände nicht ausreichend geschützt sind, andere, wenn sie keine oder aber unzureichende Schutzeinrichtungen einstellen und die Presse für die Fertigung freigeben.

Seit Jahren werden über die Hälfte der Pressenunfälle, bei denen Personen verletzt werden, durch fehlende oder unzureichende Handschutzmaßnahmen verursacht. Die Mehrzahl dieser Unfälle ereignet sich erfahrungsgemäß beim Einrichten oder der Beseitigung von Störungen (Bild 1-1).

Zuverlässigkeit und sorgfältige Ausbildung der Einrichter tragen entscheidend zur sicherheitsgerechten Durchführung der Einricht- und Einstellarbeiten bei.

Deshalb müssen Einrichter

  • über 18 Jahre alt,

  • entsprechend ausgebildet und

  • vom Unternehmer beauftragt sein.

Personen, die längere Zeit an Pressen tätig waren, bringen gute Voraussetzungen mit, um zum Einrichter ausgebildet zu werden. Wenn sie darüber hinaus auch bereits entsprechende technische Grundkenntnisse, z. B. durch eine berufliche Ausbildung im Metall verarbeitenden Bereich, erworben haben, vereinfacht das die erforderliche Ausbildung.

Es genügt nicht, wenn dem zukünftigen Einrichter die Einstell- und Einrichtarbeiten einige Male gezeigt werden. Der Einrichter muss vielmehr durch erfahrene Fachleute gründlich ausgebildet worden sein. Besonders für Einrichtarbeiten an automatisierten Pressen, mit oft komplexen Steuerungsabläufen, ist diese gründliche Ausbildung zum Eigenschutz der Einrichter von besonderer Bedeutung.

Eine wirkungsvolle Ausbildung umfasst einen theoretischen und einen praktischen, maschinenspezifischen Teil. Für den theoretischen Teil der Ausbildung werden entsprechende Seminare von den Berufsgenossenschaften angeboten (Bild 1-2, Seite 9).

Der praktische, maschinenspezifische Teil der Ausbildung kann in der Regel nur im Betrieb, von entsprechend ausgebildeten Mitarbeitern des Unternehmens oder des Maschinenherstellers durchgeführt werden.

Die Dauer und die notwendigen Inhalte der praktischen, maschinenspezifischen Ausbildung können nicht allgemeingültig festgelegt werden. Sie hängen im Wesentlichen von den betrieblichen Gegebenheiten, der Komplexität der einzurichtenden Pressen und nicht zuletzt vom vorhandenen Fachwissen der auszubildenden Person ab.

Bild 1-1: Pressenunfälle - Verteilung nach Unfallursachen

 

Bild 1-2: Theoretische Ausbildung von Einrichtern

Bei der praktischen, maschinenbezogenen Ausbildung ist es wichtig,

  • auf die spezifischen Gefahren beim Einrichten und Bedienen der Presse hinzuweisen,

  • die vorgeschriebenen Schutzeinrichtungen und ihre zweckentsprechende Anwendung zu erläutern,

  • die sichere und bestimmungsgemäße Bedienung der Presse zu üben sowie

  • das richtige sicherheitsgerichtete Verhalten bei der Beseitigung von Störungen zu üben.

In der Anfangsphase sollte der Einrichter unter Aufsicht arbeiten, zumindest aber regelmäßig durch den Vorgesetzten oder einen erfahrenen Einrichter kontrolliert werden.

Vom Unternehmer sachgerecht erstellte Betriebsanweisungen geben dem Einrichter Gelegenheit, sich in Zweifelsfällen richtig zu informieren.

Der Einrichter hat insbesondere folgende Aufgaben:

  • Einrichten der Werkzeuge,

  • Einstellen der Betriebs- und Betätigungsarten,

  • Einstellen und Anordnen der Handschutzeinrichtungen,

  • Sichern der Umstelleinrichtungen gegen unbefugtes Betätigen.

Gemäß den einschlägigen berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und Regeln muss die Presse vor der Inbetriebnahme durch eine Kontrollperson überprüft und freigegeben werden (siehe Abschnitt 15). Ist eine für diese Kontrolle geeignete Person im Betrieb nicht vorhanden, kann die Kontrolle entfallen, wenn der Unternehmer einen besonders ausgebildeten Einrichter schriftlich beauftragt, anhand einer vom Unternehmer für die Presse erstellten Prüfliste festzustellen, ob die Schutzmaßnahmen getroffen und wirksam sind.

Der Unternehmer soll diese Beauftragung gegenüber der Berufsgenossenschaft begründen und vor Aufnahme der Arbeiten anzeigen.

Die Beauftragung sollte nur dann erfolgen, wenn die Berufsgenossenschaft einem entsprechenden Antrag stattgegeben hat.

Wird die Überprüfung nach dem Einrichten, wie oben beschrieben, ohne Kontrollperson vom besonders ausgebildeten Einrichter selbst durchgeführt, sollte dieser Vorgang in einem auf die jeweilige Presse bezogenen Kontrollbuch mit Angabe der

  • Werkzeugbezeichnung,

  • getroffenen Schutzmaßnahmen und

  • der Uhrzeit und des Datums

schriftlich dokumentiert werden.