DGUV Information 209-008 - Presseneinrichter (bisher: BGI 551)

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Abschnitt 10, 10. Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen...
Abschnitt 10
Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Titel: Presseneinrichter (bisher: BGI 551)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 10 – 10. Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen - BWS

Lichtvorhang bzw. Lichtgitter

Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen an Pressen müssen heute als so genannte "aktive optoelektronische Schutzeinrichtungen" ausgeführt werden.

In der Regel bestehen sie aus einer Sender- und der Empfängereinheit, die in getrennten Gehäusen an der abzusichernden Pressenseite fest montiert sind. Zwischen der Sender- und der Empfängereinheit wird mittels einzelner Lichtstrahlen ein Schutzfeld erzeugt. Der Abstand zwischen den einzelnen Lichtstrahlen wird als Auflösungsvermögen der BWS bezeichnet.

Wird das Schutzfeld unterbrochen, z. B. durch das Eingreifen in die Presse bei laufender Hubbewegung, müssen die Gefahr bringenden Bewegungen der Presse rechtzeitig stillgesetzt werden, bevor die Gefahrstelle von einer Person erreicht werden kann. Hierzu muss die BWS in einem ausreichend großen Abstand von der Gefahrstelle an der Presse montiert sein. Dieser Abstand wird als Sicherheitsabstand bezeichnet.

Der für eine Presse einzuhaltende Wert des Sicherheitsabstandes muss an der Presse, z. B. auf dem Typenschild, angegeben sein, wenn diese Presse für Handeinlegearbeiten mit der Schutzeinrichtung "berührungslos wirkende Schutzeinrichtung" oder "Zweihandschaltung" verwendet werden soll. Der Sicherheitsabstand wird vom Schutzfeld der BWS bis zur nächstgelegenen Gefahrstelle im Werkzeugraum gemessen (Zweihandschaltung siehe Abschnitt 9). Bei der Beurteilung, wo sich diese nächstgelegene Gefahrstelle befindet, sind auch Besonderheiten zu beachten, die u. a. durch die eingebauten Werkzeuge entstehen können.

Bild 10-1: Presse mit BWS und trennenden Schutzeinrichtungen (Schutzfeld grafisch sichtbar dargestellt)

An älteren Pressen sind oft auch noch berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen angebracht, bei denen der Sender und der Empfänger in einem Gehäuse angeordnet sind und die Umlenkung der Lichtstrahlen, durch die das Schutzfeld erzeugt wird, durch einen gegenüberliegenden Reflektor erfolgt (BWS nach Fahrstrahlprinzip). Hier sollte im Einzelfall überprüft werden, ob der Einsatz als Schutzeinrichtung an der Presse noch zulässig bzw. sinnvoll ist.

Eine BWS wird an Pressen oft nur zur Absicherung der Bedienseite verwendet. Der Zugang zur Gefahrstelle von den anderen Seiten der Presse muss dann mit zusätzlichen Schutzeinrichtungen, z. B. festen oder verriegelten trennenden Schutzeinrichtungen, verhindert werden.

Pressen, an denen eine BWS als Schutzeinrichtung eingesetzt wird, müssen mit einer Wiederanlaufsperre ausgerüstet sein. Das bedeutet, dass nach einer Unterbrechung des Schutzfeldes der BWS, die während einer Gefahr bringenden Bewegung erfolgte und die Presse stillgesetzt hat, der weitere Betrieb der Presse erst erfolgen kann, nachdem sich die Bedienperson davon überzeugt hat, dass sich keine Person im Gefahrenbereich aufhält und sie diesen Vorgang mittels einer Befehlseinrichtung, z. B. eines Tasters, bestätigt hat.

Bild 10-2: Funktionsprüfung einer BWS mit Prüfstab

Die Befehlseinrichtung hierzu muss so angeordnet sein, dass der Gefahren- und Zutrittsbereich zum Schutzfeld gut eingesehen und sie nicht aus dem Gefahrenbereich heraus betätigt werden kann. Wenn mehrere Seiten einer Presse durch eine BWS abgesichert werden, muss für jedes Schutzfeld eine separate Befehlseinrichtung vorhanden sein.

Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen müssen mit einer Anzeige ausgestattet sein, an welcher der Schaltzustand der Schutzeinrichtung zu erkennen ist. Diese Anzeige besteht in der Regel aus einer roten und grünen LED. Sie dient u. a. der Funktionsprüfung der BWS mit dem zugehörigen Prüfstab. Diese Prüfung sollte nach jedem Einrichtvorgang bzw. dem Einschalten der Presse bei Schichtbeginn durchgeführt werden.

Bei diesen Prüfungen ist besonders darauf zu achten, dass der verwendete Prüfstab zum jeweiligen Auflösungsvermögen der BWS passt (unterschiedliche Durchmesser). Darüber hinaus sind die Prüfvorschriften aus der Bedienungsanleitung des jeweiligen Pressen- bzw. Herstellers der BWS zu beachten.

Bezüglich der Anordnung einer BWS an einer Presse muss besonders darauf geachtet werden, dass ein Aufenthalt von Personen zwischen der BWS und dem Gefahrenbereich (dem Tisch) der Presse nicht möglich ist, ohne dass die BWS ausgelöst wird. Hier spricht man oft auch von der "Hintertretbarkeit" einer BWS. Besteht an einer Presse diese Möglichkeit, müssen zusätzliche Schutzmaßnahmen hiergegen ergriffen werden.

An Pressen, die dem heutigen Stand der Technik entsprechen, werden zur Vermeidung der Hintertretbarkeit in der Regel zusätzliche, horizontal angeordnete BWSen eingesetzt, die den Zwischenraum zwischen der vertikal angeordneten BWS und dem Pressentisch mit zusätzlichen Lichtstrahlen überwachen. Ein Zwischenraum, der durch eine solche Überwachung nicht erfasst wird, darf maximal ≤ 75 mm betragen.

An älteren Pressen sind als "Hintertretsicherungen" oft zusätzliche, mechanische Barrieren angeordnet. Durch diese Barrieren muss die o. g. Anforderung bezüglich der Hintertretbarkeit erfüllt werden. Es ist besonders darauf zu achten, dass sie nach jedem Rüstvorgang wieder fest an der Presse montiert werden müssen, bevor der erste "Probehub" durchgeführt wird.

Bild 10-3: Mechanische Hintertretsicherung an einer Presse