DGUV Information 209-005 - Handwerker (bisher: BGI 547)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 9.1, 9 Schweißen und Schneiden 9.1 Gasschweißen
Abschnitt 9.1
Handwerker (bisher: BGI 547)
Titel: Handwerker (bisher: BGI 547)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-005
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9.1 – 9 Schweißen und Schneiden
9.1 Gasschweißen

9.1.1
Acetylen

Acetylen besitzt als Brenngas Eigenschaften, deren Kenntnis für die Arbeitssicherheit von großer Bedeutung ist:

  1. 1.

    Die Zündtemperatur des Acetylen-Luftgemisches liegt bei etwa 305 C. Schlag- oder Schleiffunken, heiße Ofenrohre u.a. können es entzünden.

  2. 2.

    Gemische von Acetylen und Luft sind zwischen 2,4 und 83 Vol.-% Acetylen in der Luft explosionsfähig. Ist Acetylen also irgendwo unverbrannt mit Luft vermischt, so besteht immer Explosionsgefahr!

  3. 3.

    Acetylen neigt unter bestimmten Bedingungen zum Selbstzerfall. Diese Zersetzung, die durch überhöhten Druck oder örtliche Überhitzung eingeleitet werden kann, führt zu explosionsartig verlaufenden Drucksteigerungen, durch die Entwickler und Gasflaschen zerstört werden können. Der zulässige Arbeitsüberdruck darf bei Acetylen daher niemals 1,5 bar überschreiten.

  4. 4.

    In Wasser ist Acetylen leicht löslich (Verhältnis 1:1). Karbidschlamm darf keinesfalls in Mülltonnen geworfen oder Entwicklerwasser in die Kanalisation abgeleitet werden, weil daraus entweichendes Acetylen zu schweren Explosionen in Müllfahrzeugen oder in der Kanalisation führen kann.

  5. 5.

    Acetylen bildet mit Kupfer hochexplosionsfähiges Acetylenkupfer. Reinkupfer und Legierungen mit mehr als 70 % Kupfergehalt dürfen nicht mit Acetylen in Verbindung kommen. Als Schlauchverbinder sind daher Kupferröhrchen unzulässig.

9.1.2
Flüssiggas

Flüssiggas (Propan, Butan), das häufig zum Brennschneiden sowie zum Anwärmen und Richten von Werkstücken verwendet wird, ist auch in dampfförmigem Zustand wesentlich schwerer als Luft und sammelt sich stets in Bodennähe an. Ist Flüssiggas in Gruben, Kanäle, Schächte oder Kellerräume eingedrungen, kann es durch eine Zündquelle (Zigarette, Funke) zu einem Brand oder zu einer Explosion kommen.

Flüssiggasflaschen dürfen daher nicht in Kellerräumen, aber auch nicht in Treppenhäusern, Fluren oder Durchgängen aufgestellt werden.

9.1.3
Gasflaschen

Beim Umgang mit Gasflaschen ist zu beachten (Bild 9-1):

  1. 1.

    In Arbeitsräumen dürfen nur in Gebrauch befindliche Gasflaschen vorhanden sein. Nicht angeschlossene Flaschen müssen an besonderen Lagerplätzen oder in gut gelüfteten Lagerräumen – getrennt nach Gasarten – aufbewahrt werden. Gasflaschen dürfen nicht in Treppenhäusern und Fluren gelagert oder aufgestellt werden.

  2. 2.

    Gasflaschen sind gegen Umfallen zu sichern oder umzulegen, damit Unfälle vermieden und die Flaschen nicht beschädigt werden können (z.B. abbrechende Ventile, Rissbildung, Zusammenstauchen der porösen Füllmasse). Durch z.B. Schellen, Ringe oder Vorlegeketten lässt sich verhindern, dass Flaschen umfallen.

  3. 3.

    Gasflaschen sind gegen Hitzeeinwirkung (z.B. Öfen) zu schützen.

  4. 4.

    Werden Gasflaschen transportiert oder gelagert, müssen die Schutzkappen für die Ventile aufgeschraubt sein, damit die Flaschenventile nicht beschädigt werden können.

Bild 9-1: Gestell für Gasflaschen

Werden Gasflaschen in Betrieb genommen, sind die Flaschenventile kurz auszublasen. Erst dann sind die Druckminderer anzuschließen. Dadurch sollen evtl. vorhandene Verunreinigungen entfernt werden.

9.1.4
Druckminderer

Druckminderer für Sauerstoff (Bild 9-2) können mit einer Stichflamme ausbrennen, wenn das Flaschenventil ruckartig geöffnet wird. Befindet sich Öl oder Schmierfett an Sauerstoff-Flaschendruckminderern, besteht ebenfalls eine große Brandgefahr.

Deshalb darf man schwer gängige Spindeln oder Verschraubungen niemals mit Öl oder Fett gangbar machen.

Sauerstoff-Flaschendruckminderer müssen mit einem berufsgenossenschaftlichen Prüfzeichen gekennzeichnet sein. Andernfalls sind Ausbrennungen zu befürchten.

Das berufsgenossenschaftliche Prüfzeichen, das erhaben oder vertieft am Gehäuse des Druckminderers angebracht ist, besteht aus dem Zeichen 1 BG …. Anstelle der Punkte wird die Kennnummer des Herstellers angegeben.

Acetylen-Flaschendruckminderer, die neu in Gebrauch genommen werden, müssen ein staatliches Bauartzulassungskennzeichen tragen (Bild 9-3).

Bild 9-2: Sauerstoff-Flaschendruckminderer

Bild 9-3: Acetylen-Flaschendruckminderer mit staatlichem Bauartzulassungskennzeichen (rechts am Gehäuse) und Sicherheitsmanometern

9.1.5
Sicherheitseinrichtungen gegen Gasrücktritt und Flammenrückschlag

Kann eine Acetyleneinzelflaschenanlage (Acetylenflasche – Druckminderer – Gasschlauch) während des Schweißens nicht vom Schweißer beaufsichtigt werden, muss sie mit einer bauartzugelassenen Sicherheitseinrichtung gegen Gasrücktritt und Flammenrückschlag ausgerüstet sein.

Unter "beaufsichtigen" wird hierbei verstanden, dass sich die Acetylenflasche im Sichtbereich des Schweißers befindet und das Flaschenventil im Gefahrfall schnell geschlossen werden kann.

Bei einem Einsatz an wechselnden Arbeitsplätzen (Baustellen, Montagearbeiten, Fahrzeug-Reparatur) muss demnach in der Regel eine solche Sicherung zwischen Acetylen-Flaschendruckminderer und Brenner eingesetzt sein.

Verwendet werden kann entweder eine "Gebrauchsstellenvorlage" (G-Vorlage) zwischen Druckminderer und Schlauch oder eine "Einzelflaschensicherung" dicht vor dem Brenner. Für andere Brenngase und für Sauerstoff ist eine Absicherung von Einzelflaschenanlagen nicht zur Pflicht gemacht; sie wird jedoch empfohlen.

9.1.6
Gas- und Sauerstoffschläuche

Gas- und Sauerstoffschläuche müssen mit Bandklemmen (Bild 9-4) oder Schlauchschellen an den Schlauchtüllen gesichert werden, damit sie nicht von den Tüllen herunterrutschen können. Draht ist als Befestigungsmaterial ungeeignet, weil der Draht die Schläuche beschädigt.

Bild 9-4: Bandklemmen

An hervorstehenden Drahtenden kann man sich außerdem verletzen. Werden die Schläuche in der Werkstatt oder auf der Baustelle ausgelegt, ist darauf zu achten, dass sie nicht durch scharfe Kanten oder heiße Gegenstände beschädigt werden.

Beim Schweißen sollen die Schläuche auch nicht zwischen den Beinen hindurch oder über dem Körper geführt werden. Bei undichten Schläuchen wird dann Brenngas oder Sauerstoff unter die Kleidung geblasen.

Schläuche dürfen nicht an Flaschen und Druckminderern aufgehängt werden, weil dann Fett an die Druckminderer geraten kann. Die Schläuche lassen sich gut über einer ausgedienten Pkw-Felge aufbewahren. Damit wird gleichzeitig vermieden, dass der heiße Brenner die Gasflaschen örtlich erwärmt.

9.1.7
Schweißbrenner

Schweißbrenner sind Präzisionsinstrumente. Sie müssen daher schonend behandelt werden. Wenn ein Brenner beim Schweißen mehrfach abknallt oder zurückschlägt, so ist das Brennermundstück überhitzt oder verstopft. Die Düse darin darf nur mit einer besonderen Düsen-Nadel gesäubert werden.

Am Abknallen kann auch eine ungenügend angezogene Überwurfmutter am Schweißeinsatz schuld sein (Bild 9-5).

Bild 9-5: Überwurfmutter des Brennereinsatzes nur mit dem dazugehörigen Werkzeug anziehen

Wird der Brenner gezündet, ist diese Reihenfolge einzuhalten:

  1. 1.

    Sauerstoffventil öffnen,

  2. 2.

    Brenngasventil öffnen,

  3. 3.

    ausströmendes Gemisch anzünden!

Zum Abstellen ist in umgekehrter Reihenfolge zu verfahren.

Angeschlossene Brenner dürfen niemals in Schubladen oder geschlossenen Kisten abgelegt werden.

Bei undichten oder ungenügend geschlossenen Ventilen am Brennergriffstück kann sich in dem Behälter ein explosibles Gemisch aus Gas und Luft bilden.

Schon manche Werkbank ist auf diese Weise zerstört und mancher Schweißer dabei getötet oder verletzt worden (Bild 9-6).

Bei längeren Schweißpausen, z.B. Mahlzeiten oder Schichtwechsel, sind auch die Ventile der Gasflaschen zu schließen, damit nicht unbemerkt Brenngas oder Sauerstoff ausströmen kann.

Brenner stets aus engen Räumen entfernen.

Bild 9-6: Durch Acetylen-Explosion zerstörte Werkbank

9.1.8
Gefahr durch Sauerstoff

Auf keinen Fall darf zur Luftverbesserung Sauerstoff verwendet werden, denn das ist eine tödliche Gefahr (Bild 9-7).

Die gefährliche Wirkung der Sauerstoffbelüftung besteht darin, dass sich neben der Luft auch die Kleidung mit Sauerstoff anreichert.

Auch schwer entflammbare Arbeitskleidung kann durch den kleinsten Funken Feuer fangen und heftig brennen.

Bild 9-7: Gefahr durch Sauerstoff

9.1.9
Arbeitskleidung des Gasschweißers

Die Arbeitskleidung des Gasschweißers darf nicht mit Öl, Fett, Lack oder Farbe verschmutzt sein. Zweckmäßig ist es, einen schwer entflammbaren Arbeitsanzug zu tragen, wie er für Arbeiten in engen Räumen vorgeschrieben ist.

Bild 9-8: Gasschweißen und Brennschneiden nur mit persönlichen Schutzausrüstungen

Eine Lederschürze ist besonders für den Brennschneider zu empfehlen.

Er sollte sich außerdem durch Gamaschen und Lederstücke an den Hosenbeinen vor Schmelzperlen schützen.