DGUV Information 209-005 - Handwerker (bisher: BGI 547)

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Abschnitt 7.8, 7.8 Exzenterpressen, hydraulische Pressen
Abschnitt 7.8
Handwerker (bisher: BGI 547)
Titel: Handwerker (bisher: BGI 547)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-005
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 7.8 – 7.8 Exzenterpressen, hydraulische Pressen

In Handwerksbetrieben werden am häufigsten Exzenter- und hydraulische Pressen betrieben. Viele Unfälle bei Pressenarbeiten sind darauf zurückzuführen, dass keine Vorkehrungen zum Schutz der Hände getroffen waren.

Die BG-Regel "Betreiben von Arbeitsmitteln" (BGR 500) nennt unter Kapitel 2.3 "Pressen der Metallbe- und -verarbeitung" Möglichkeiten für derartige Handschutzvorkehrungen.

Für Handwerksbetriebe kommen insbesondere die nachstehend näher erläuterten vier Möglichkeiten in Betracht:

  1. 1.

    Pressenwerkzeuge, die aufgrund ihrer Konstruktion oder durch zusätzlich angebaute Verdeckungen ein Hineingreifen in die Gefahrstellen ausschließen.

    Die Zuführung der Werkstücke ist durch entsprechend ausgebildete Öffnungen oder Schlitze, aber auch durch Zuführeinrichtungen möglich.

    Es ist jedoch immer darauf zu achten, dass die Öffnungen so klein bemessen sind, dass die Gefahrstellen nicht mit den Fingern erreicht werden können (Bild 7-13).

    Bild 7-13: Sicheres Werkzeug

  2. 2.

    Feste Verdeckungen, die an der Presse angebracht sind und ebenfalls einen Eingriff in die Gefahrstellen verhindern (Bild 7-14).

    Verdeckungen oder Teile derselben, die sich ohne Werkzeuge entfernen oder öffnen lassen, müssen so mit der Pressensteuerung verbunden sein, dass bei abgenommenem oder geöffnetem Teil der Verdeckung keine Gefahr bringende Schließbewegung (Stößelhub) eingeleitet werden kann. Erfolgt das Öffnen oder Abnehmen während eines Stößelhubes, so muss der Hub rechtzeitig unterbrochen werden.

    Bild 7-14: Feste Verdeckung

  3. 3.

    Zweihandschaltungen zum Einrücken der Presse.

    Hierbei sind jedoch folgende wichtige Einschränkungen zu beachten:

    1. a)

      An Exzenterpressen mit formschlüssigen Kupplungen, z.B. Drehkeilkupplungen, dürfen Zweihandschaltungen nicht verwendet werden.

    2. b)

      An Exzenterpressen mit kraftschlüssigen Kupplungen, z.B. Reibungskupplungen, dürfen Zweihandschaltungen nur dann verwendet werden, wenn der Hersteller ausdrücklich bestätigt, dass die Presse nach der neuen Vorschrift gebaut und ein Durchlauf so weit als möglich verhindert ist.

      Eine entsprechende Anfrage an den Hersteller ist also erforderlich.

    3. c)

      Die Exzenter- und hydraulischen Pressen müssen mit einer Nachlaufüberwachung ausgerüstet sein.

    4. d)

      An Exzenterpressen müssen zusätzlich zur Zweihandschaltung Hilfswerkzeuge zum Eingreifen in das Werkzeug, sofern Gewicht oder räumliche Ausdehnung der Werkstücke dieses zulassen, oder Durchlaufsicherungen verwendet werden (Bild 7-15).

    Bild 7-15: Vakuumheber und Magnetheber für Einlegearbeiten an Exzenterpressen

  4. 4.

    Bewegliche Verdeckungen.

    Die bewegliche Verdeckung umschließt den Gefahrenbereich der Presse vollständig (Bild 7-16).

    Das Beschicken des Werkzeuges erfolgt durch eine Öffnung, die durch einen beweglichen Teil verschlossen werden kann. Ein Pressenhub kann nur eingeleitet werden, wenn die Verdeckung geschlossen und verriegelt ist. Andererseits kann die Verdeckung nur geöffnet werden, wenn die Presse zum Stillstand gekommen ist.

    Wegen der hohen Anforderungen an diese Schutzvorrichtung ist von einem Selbstbau abzusehen.

Bild 7-16: Bewegliche Verdeckung: Der gesamte Korb fährt nach oben

Das Einrichten der Werkzeuge und Einstellen darf nur durch besonders beauftragte und unterwiesene Personen erfolgen.

Nach dem Einrichten muss eine andere, schriftlich beauftragte, Person feststellen, dass die erforderlichen Schutzvorkehrungen getroffen und wirksam sind. Erst dann darf an der Presse gearbeitet werden.

Damit Pressen betriebssicher bleiben, müssen sie mindestens einmal im Jahr durch eine befähigte Person in allen wichtigen Teilen sicherheitstechnisch geprüft werden; über die Prüfung ist Buch zu führen.

Nähere Ausführungen über Handschutzvorkehrungen an Pressen siehe BG-Information "Presseneinrichter" (BGI 551).

Gesenkbiegepressen

Gesenkbiegepressen – oft noch als Abkantpressen bezeichnet – sind für Biegearbeiten von feinen, mittleren und groben Blechen besonders geeignet und werden in der Regel als hydraulische Pressen und nur in Einzelfällen als Exzenterpressen ausgeführt.

Zur Vornahme von Biegearbeiten mit Hilfe von Gesenkbiegepressen muss der Einrichter unter Berücksichtigung aller Gefahrstellen (Bild 7-17)

  • geeignete Handschutzeinrichtungen oder Ersatzmaßnahmen einstellen, damit die Hände der Bedienpersonen während der Schließbewegung des Werkzeuges geschützt sind,

  • Werkzeuge und Bearbeitungsfolge so festlegen, dass bei der Schwenkbewegung des Werkstückschenkels keine Gefahrstellen zwischen Gesenkbiegepressen und Werkstück entstehen,

  • vorhandene Einrichtungen zum Führen der Werkstücke, z.B. Biegehilfen, anbringen.

Das Halten der Werkstücke vor dem Biegevorgang ist nicht erforderlich, wenn geeignete Werkstückauflagen und -anschläge vorhanden sind und zweckentsprechend verwendet werden.

Bild 7-17: Gefahrstellen beim Gesenkbiegen

Als Handschutzeinrichtungen werden insbesondere verwendet

  • berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen und

  • Zweihandschaltungen.

Werden Zweihandschaltungen eingesetzt und sind z.B. wegen der Abmessungen der Werkstücke mehrere Personen gleichzeitig an der Gesenkbiegepresse tätig, müssen so viele Zweihandschaltungen wie an der Presse Tätige vorhanden sein und benutzt werden.

Müssen Werkstücke von Hand geführt werden, z.B. wenn der Schenkel des Werkstückes so weit aus dem Biegewerkzeug herausragt, dass beim Biegen Beschädigungen des Werkstückes durch Einknicken oder Maßungenauigkeiten durch starke Schwingungen des Werkstückes entstehen können, so kommen als Sicherheitsmaßnahmen in Betracht:

  • distanzierende, berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen,

  • Kombinationsschaltungen,

  • Hubbegrenzung und

  • ortsbindende Befehlseinrichtungen.

Können in Einzelfällen die vorgenannten Schutzeinrichtungen aus fertigungstechnischen Gründen nicht eingesetzt werden, sind nach vorheriger Abstimmung mit der Berufsgenossenschaft Ersatzmaßnahmen vorzusehen, z.B. Verringerung der Schließgeschwindigkeit auf maximal 10 mm pro Sekunde.