DGUV Information 209-004 - Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher...

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Abschnitt 6, 6 Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen
Abschnitt 6
Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Titel: Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-004
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6 – 6 Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen

Grundsätzlich sind die Beschäftigten durch Maßnahmen zu schützen, wenn sie Tätigkeiten ausüben, bei denen sie gesundheitsschädlichen Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben in gefährlichen Konzentrationen ausgesetzt sind.

Technische Schutzmaßnahmen können in nachstehender Rangfolge gegliedert werden:

  • Einsatz von geschlossenen Anlagen und Apparaturen.

  • Räumliche Trennung zwischen Arbeitsvorgang und Beschäftigten.

  • Betreiben von Anlagen oder Apparaturen unter Unterdruck.

  • Absaugen der entstehenden Schadstoffe an der Entstehungs- oder Austrittsstelle.

  • Schaffung einer Raumlüftung zur Schadstoffverminderung in der Arbeitsbereichsatmosphäre.

  • Bereitstellung geeigneter Hilfseinrichtungen, z.B. Einfüllvorrichtungen.

Durch organisatorische Maßnahmen wird die Verwendung von Gefahrstoffen so gestaltet, dass unter den festgelegten Bedingungen für die Beschäftigten eine gesundheitliche Einwirkung nicht besteht.

Einige beispielhafte Maßnahmen sind:

  • Austausch eines Stoffes mit gefährlichen Eigenschaften, wenn das Produktionsziel auch durch weniger gefährliche Stoffe erreicht werden kann.

  • Einführen eines weniger gefährlichen Arbeitsverfahrens.

  • Durchführung Schadstoff freisetzender Arbeitsvorgänge, die nur in größeren zeitlichen Abständen erforderlich sind, außerhalb der allgemeinen Arbeitszeit.

  • Zahl der Beschäftigten, die mit Gefahrstoffen umgehen, möglichst klein halten.

  • Schwerpunktmäßige Zusammenfassung von Schadstoff freisetzenden Arbeitsvorgängen.

Neben technischen und organisatorischen Maßnahmen sind hygienische Maßnahmen am Arbeitsplatz erforderlich:

  • Lebens- und Genussmittel dürfen nicht mit Gefahrstoffen in Kontakt kommen.

  • Beim Umgang mit sehr giftigen, giftigen, krebserzeugenden, fruchtschädigenden und erbgutverändernden Gefahrstoffen ist Essen, Trinken und Rauchen verboten. Es sind deshalb besondere Bereiche hierfür einzurichten. Darüber hinaus sind für die Beschäftigten Waschräume mit Duschen sowie Räume mit getrennten Aufbewahrungsmöglichkeiten für Straßen- und Arbeitskleidung zur Verfügung zu stellen.

Der Arbeitgeber hat außerdem Arbeits- und Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen und instand zu halten.

Beim Umgang mit hautverschmutzenden und hautaggressiven Gefahrstoffen ist für Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege ein auf den jeweiligen Stoff abgestimmter Hautschutzplan aufzustellen und durchzuführen.

Der Arbeitgeber hat Betriebsanweisungen zu erstellen, wenn die Beschäftigten Umgang mit Gefahrstoffen haben (§ 20 GefStoffV).

Die Betriebsanweisungen (nach TRGS 555) müssen folgende Punkte enthalten:

  • Arbeitsbereich, Arbeitsplatz, Tätigkeit,

  • Gefahrstoffbezeichnung,

  • Gefahren für Mensch und Umwelt,

  • Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln und hygienische Maßnahmen,

  • Verhalten im Gefahrfall,

  • Erste Hilfe,

  • sachgerechte Entsorgung.

Bild 6-1: Durch eine Betriebsanweisung wird auf die Gefahren beim Umgang mit Gefahrstoffen hingewiesen

Die Betriebsanweisung ist in verständlicher Form und Sprache der Beschäftigten abzufassen. In dem Arbeitsbereich bzw. der Arbeitsstätte ist die Betriebsanweisung auszuhängen.

Beschäftigte, die Umgang mit Gefahrstoffen haben, sind anhand der Betriebsanweisung über die auftretenden Gefahren sowie über die Schutzmaßnahmen zu unterweisen.

Die Unterweisung muss vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens einmal jährlich mündlich und arbeitsplatzbezogen erfolgen.

Derjenige, der unterwiesen wurde, muss dies durch Unterschrift bestätigen, wobei Inhalt und Zeitpunkt schriftlich festzuhalten sind.

Betriebsanleitungen, Bedienungsanleitungen und Gebrauchsanweisungen des Herstellers oder Lieferanten von technischen Einrichtungen (Geräte, Maschinen, Anlagen) gelten nicht als Betriebsanweisung. Dies gilt auch für Sicherheitsdatenblätter.

Bei vielen Arbeitsvorgängen ist ein offener Umgang mit Gefahrstoffen, auch unter Berücksichtigung der geforderten technischen Schutzmaßnahmen, nicht zu vermeiden. Zur Verminderung der Gesundheitsgefahr sind dann persönliche Schutzausrüstungen unter Berücksichtigung der Auslöseschwelle anzuwenden.

Atemschutzgeräte sollen vor dem Einatmen gesundheitsschädlicher Gase, Dämpfe und Stäube schützen. Atemgeräte werden unterschieden in Filtergeräte und Isoliergeräte. Die Auswahl und der Einsatz von Atemschutzgeräten muss unter Berücksichtigung der Arbeitsplatzverhältnisse und der dort zu erwartenden Schadstoffe und deren Konzentrationen getroffen werden.

Das ständige Tragen von Atemschutzgeräten ist nur dann als Schutzmaßnahme zugelassen, wenn technische Schutzmaßnahmen ausgeschöpft und nicht ausreichend wirksam sind. Dabei sind Tragezeitbegrenzungen zu berücksichtigen und arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen erforderlich (siehe auch § 19 Abs. 5 GefStoffV).

Neben dem Atemschutz kann beim Umgang mit Gefahrstoffen weiterer persönlicher Schutz, wie Augenschutz, Schutzhandschuhe und sonstige Schutzausrüstungen, erforderlich sein.

Bild 6-2: Absaugung beim Tauchen von Kernen in einer Gießerei

Bild 6-3: Einsatz eines Druckluft-Schlauch-Atemschutzgerätes beim Auftragen von Unterbodenschutz

Hinweise auf die Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen sind für jeden Arbeitsplatz oder Arbeitsbereich in die Betriebsanweisung aufzunehmen und von den Beschäftigten genau zu beachten.

Die TRGS 500 "Schutzmaßnahmen: Mindeststandards" beschreibt Schutzmaßnahmen für den Umgang mit Arbeitsstoffen, die unabhängig von der Ermittlung, ob es sich um Gefahrstoffe handelt, anzuwenden sind. Diese Maßnahmen sollen einen Mindestschutz des Arbeitnehmers vor stoffbedingten Gesundheits- und Sicherheitsgefahren sicherstellen.

Die Anwendung der Mindeststandards schützt vor:

  • hautreizenden Einwirkungen durch Lösemittel, rauhe Oberflächen, Splitter, grobe Fasern, Hitze, Kälte oder Feuchtarbeit,

  • Augenreizungen,

  • Beeinträchtigung der Selbstreinigungskraft der Lunge durch Stäube,

  • Hautverfärbungen und Geruchsbelästigungen durch Arbeitsstoffe.