DGUV Information 209-004 - Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher...

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Abschnitt 16, 16 Künstliche Mineralfasern (KMF)
Abschnitt 16
Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Titel: Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-004
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 16 – 16 Künstliche Mineralfasern (KMF)

Mit den Herstellungs- und Verwendungsverboten für Asbest und asbesthaltige Produkte wurden die verschiedensten Fasertypen als Substitute für Asbest eingesetzt.

Bild 16-1: Klassifizierung technisch wichtiger anorganischer künstlicher Mineralfasern

Lange Zeit galten KMF als ungefährlich, bis zu Beginn der 70er Jahre Tierversuche zeigten, dass durch Einspritzen sehr dünner Glasfasern in das Brust- und Bauchfell von Ratten Tumore entstehen können. Dabei handelte es sich um die gleichen Tumore, die beim Menschen durch Asbestfasern verursacht werden können.

Als Konsequenz daraus wurden künstliche Mineralfasern mit einem Durchmesser <1 μm im Jahre 1980 als "Stoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potential (Kategorie III B der MAK-Werte-Liste)" eingestuft.

In der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS 900) "Grenzwerte" vom Februar 1993 wird erstmalig ein Grenzwert für künstliche Mineralfasern für die Beurteilung von KMF-Konzentrationen in der Luft in Arbeitsbereichen verbindlich.

Bild 16-2:
Luftgrenzwerte für anorganische Faserstäube, krebserzeugend (K 1, K 2, K 3)

BezeichnungGrenzwert F/m3
-Hochtemperatur-Glasfasern500.000
-Bestimmte Bereiche des Umgangs mit Keramikfasern, Spezialfasern, polykristallinen keramischen Fasern (stationären Altanlagen für Keramik- und Spezialglasfasern; Verwendung von Keramikfasern und poly kristallinen keramischen Fasern bei: Endbearbeitung, Einbau/Zustellung, Zusammenbau, Mischen/Formen; Tätigkeit Verpacken bei der Herstellung von Keramikfasern und polykristallinen keramischen Fasern).500.000
 zeitbefristet bis 31.12.2002
-im übrigen250.000
Überschreitungsfaktor: 4, Bemerkungen: 13
Bemerkung 13:
Die Maßnahmenfolge gemäß Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist zu beachten. Für Faserstäube, die nach den Kriterien der TRGS 905 "Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe" oder gemäß Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG als krebserzeugend Kategorie 3 (Verdacht auf krebserzeugende Wirkung) anzusehen sind, gelten die Umgangsvorschriften des fünften Abschnittes der GefStoffV.
Dagegen gelten für Faserstäube, die nach diesen Kriterien als krebserzeugend Kategorie 1 oder 2 anzusehen sind, die zusätzlich strengeren Umgangsvorschriften des sechsten Abschnittes der GefStoffV. Im Falle der künstlichen Mineralfasern (Definition: siehe TRGS 901 Nr. 41) gilt darüber hinaus der Anhang V Nr. 7 der GefStoffV.

Die analytische Bestimmung von künstlichen Mineralfasern erfolgt nach der Methode BGI 505-31. In Zweifelsfällen kann zur Quantifizierung und Identifikation das rasterelektronenmikroskopische Verfahren nach BGI 505-46 eingesetzt werden.

Auf Baustellen gilt der TRK-Wert von 250.000 F/m3 als eingehalten, wenn die Gesamtfaserzahl lichtmikroskopisch nachgewiesen unter 500.000 F/m3 beträgt. Zur Indexberechnung nach TRGS 402 und 403 ist in diesen Fällen das halbierte Messergebnis heranzuziehen.

Durch den Grenzwert werden keine Arbeitsverfahren berücksichtigt, bei denen aufgrund der ausgeübten Tätigkeit erfahrungsgemäß erhebliche Faserkonzentrationen auftreten. Dies betrifft im wesentlichen Faserspritzverfahren zur Isolierung und das Entfernen von thermisch belasteten Isolierungen.

Die Bundesregierung hat im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2000 Teil I Nr. 24 vom 31.05.2000 auf den Seiten 747 bis 749 die Verordnung zur Änderung chemikalien-rechtlicher Verordnungen vom 25.05.2000 ("KMF-Verordnung") veröffentlicht.

Diese Verordnung enthält im Wesentlichen folgende Elemente:

In der Chemikalien-Verbotsordnung wird im Anhang zu § 1 ein zusätzlicher Abschnitt 22 "Biopersistente Fasern" eingefügt. Hiermit wird die Vermarktung von künstlichen Mineralfasern verboten, die entweder in entsprechender Intraperitonealtests eine karzinogene Wirkung gezeigt haben, als WHO-Fasern nach intratrachealer Instillation eine biologische Halbwertzeit von mehr als 65 Tagen aufweisen oder einen Kanzerogenitätsindex KI von weniger als 40 haben (Artikel 1 der Verordnung).

In Anhang IV der Gefahrstoffverordnung wird eine neue Nummer 22 "Biopersistente Fasern" eingefügt, mit der die Verwendung der im vorherigen Absatz beschriebenen Fasern untersagt wird. In § 15 Absatz 1 wird klargestellt, dass dieses Verwendungsverbot kein Gebot des Entfernens beinhaltet. Der Wert für die biologische Halbwertzeit als Kriterium für das Verbot wird mit Wirkung ab 01.10.2000 von 65 Tagen auf 40 Tage abgesenkt.

Die TRGS 521 Teil 1 "Anorganische Faserstäube" enthält Schutzmaßnahmen für den Umgang mit Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen, wenn krebserzeugende (Kategorie K1 und K2) oder krebsverdächtige (Kategorie K3) anorganische Faserstäube entstehen oder freigesetzt werden können.

Des weiteren enthält dieser Teil allgemeine Grundsätze zur Arbeitshygiene. Diese sind zu beachten, wenn beim Umgang nicht eingestufte anorganische Faserstäube oder Fasern mit Durchmessern > 3 Mikrometern entstehen oder freigesetzt werden können.

Bild 16-3: Einlegen von Keramikfaserisolierungen

Im einzelnen wird geregelt:

  • Anwendungsbereich

  • Begriffsbestimmungen

  • Allgemeine Umgangsvorschriften

    • Ermittlungspflicht

    • Überwachungspflicht

    • Technische Schutzmaßnahmen

    • Organisatorische Schutzmaßnahmen

    • Persönliche Schutzausrüstung

      • Atemschutzgeräte

      • Schutzanzüge

    • Betriebsanweisung und Unterweisung

    • Lagerung, Transport und Reinigung

  • Zusätzliche Regelungen für krebserzeugende Faserstäube

    • zusätzliche Ermittlungspflichten und Schutzmaßnahmen

    • Anzeige

    • Beschäftigungsverbote und Beschränkungen sowie Verwendungsverbote für die Heimarbeit

    • Vorsorgeuntersuchungen und zusätzliche Hygienemaßnahmen

  • Arbeitshygiene

  • Weitere Regelungen und Merkblätter

Die Berufsgenossenschaft berät Sie gern bei der Auswahl und dem Einsatz von künstlichen Mineralfasern.

Bild 16-4: Panzerrolltorfertigung