DGUV Information 209-004 - Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher...

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Abschnitt 13, 13 Gefahrstoffe bei der Kunststoffverarbeitung
Abschnitt 13
Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Titel: Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-004
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 13 – 13 Gefahrstoffe bei der Kunststoffverarbeitung

Im Metallbereich hat die Kunststoffverarbeitung ständig zugenommen. Die Weiterverarbeitung der Kunststoffe geschieht im wesentlichen durch

  • technische Umformung, z.B. durch Extrudieren, Spritzgießen,

  • Laminierarbeiten mit UP-Harzen,

  • Lösen in geeigneten Lösemitteln und durch anschließendes Trocknen, beispielsweise für das Verarbeiten von Beschichtungsstoffen,

  • Schäumarbeiten,

  • Vernetzen mit geeigneten Reaktionspartnern in Reaktionslacken wie Polyester- und Epoxidharzen,

  • Wirbelsinterung,

  • Pulverbeschichtung.

Je nach Kunststofftyp werden unterschiedliche Reaktionspartner - Harze, Lösemittel, Füllstoffe, Härter - eingesetzt.

Bei der Verarbeitung der einzelnen Kunststoffe können unter anderem folgende Gesundheitsgefahren auftreten:

  • Entzündungen, Rötungen und Reizungen der Haut, beispielsweise durch Polyurethane, Phenolharze, Epoxidharze, Polyesterharze, insbesondere durch Peroxidhärter.

  • Allergische Reaktionen der Haut, zum Beispiel durch ungehärtetes Epoxidharz, überwiegend an den Kontaktstellen, den Händen, Unterarmen, dem Gesicht.

  • Erkrankungen der Atmungsorgane und Reizungen der Augen, insbesondere Sensibilisierung des Atemtraktes beim Umgang mit Polyurethanen, Epoxid-, Polyesterharzen. Bei Einwirkung von Isocyanaten können die Symptome unter Umständen erst nach einigen Stunden auftreten.

Besonders während der Aushärtphase (z.B. bei Laminierarbeiten) können durch Reaktionswärme leichter flüchtige Komponenten (z.B. Styrol) emittiert werden. Zur dauerhaft sicheren Einhaltung betreffender Grenzwerte ist eine effiziente Absaugung meistens unerlässlich.

Nachdem der Kunststoff ausgehärtet ist, treten Gesundheitsgefahren nicht mehr auf, da die gefährlichen Bestandteile abgebunden sind.

Wenn Kunststoffteile spanabhebend bearbeitet bzw. geschliffen werden, müssen die entstehenden Stäube angesaugt werden. An diesen Arbeitsplätzen ist der allgemeine Staubgrenzwert von 6 mg/m3 Feinstaub einzuhalten. Da in absehbarer Zeit mit einer deutlichen Absenkung dieses Grenzwertes zu rechnen ist, empfiehlt sich eine Rückfrage bei Ihrer Berufsgenossenschaft. Darüber hinaus sind insbesondere wegen der allergisierenden Wirkung der Stäube die stoffspezifischen Grenzwerte einzuhalten.

Bild 13-1: Nachbearbeitung von GFK-Teilen (glasfaserverstärkter Kunststoff)

Auf die Einhaltung der Grenzwerte für Lösemittel, die häufig zur Reinigung von Werkzeugen (z.B. Pinsel) benutzt werden, muss geachtet werden.

Im Brandfall, bei Schweißarbeiten an beschichteten Teilen, aber auch bei Temperaturen oberhalb der Verarbeitungstemperatur bilden sich Zersetzungsprodukte.

Bild 13-2:
Zersetzungsprodukte von Kunststoffen

KunststoffeGefährliche, flüchtige Zersetzungsprodukte u.a.
Polyester
(Styrolvernetzt, ungesättigt)
Styrol, niedrige Styrolpolymere,
Kohlenmonoxid
Epoxidharze und Melaminharzeabhängig vom Typ und vom Füllmaterial, Ammoniak, Amine, Formaldehyd, Kohlenmonoxid
PolyurethaneCyanate, Isocyanate, Amine, Blausäure, Ammoniak, Alkohole
PolyvinylchloridChlorgas, Chlorwasserstoff, Ruß, Phosgen, Chlorkohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid, Dioxine und Furane (PCDD/PCDF) bei Bränden
PolyacrylnitrilAcrylnitril, Ammoniak, Blausäure, Kohlenmonoxid
PhenolharzeFormaldehyd, Ameisensäure, Phenol, Kohlenmonoxid

Auch Flammschutzzusätze können zu gefährlichen Zersetzungsprodukten führen.

Die Menge und die Zusammensetzung der Zersetzungsprodukte sind abhängig von den Verfahrens- bzw. Bearbeitungsbedingungen. Bei Unklarheiten ist in jedem Fall der Produktlieferant - unter Nennung der Bedingungen - nach gefährlichen Emissionen zu befragen (§ 16 Abs. 3 GefStoffV).

Für die Verarbeitung von Kunststoffen sind Betriebsanweisungen zu erstellen und Unterweisungen durchzuführen.