DGUV Information 209-004 - Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher...

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Abschnitt 11, 11 Gefahrstoffe bei der Beschichtung
Abschnitt 11
Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Titel: Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-004
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 11 – 11 Gefahrstoffe bei der Beschichtung

Beschichtungsstoffe, wie z.B. Klar- oder Decklacke, Anstrichstoffe, Füller und Spachtelmassen, setzen sich aus einer Vielzahl von Rohstoffen zusammen.

Zur Reduzierung der Lösemittelemissionen werden z.B. in der Neuwagenlackierung bereits seit einiger Zeit Wasserbasislacke eingesetzt; u.a. deshalb sollen diese Lacktypen auch zukünftig verstärkt im Reparaturbereich Anwendung finden.

Bei Beschichtungsstoffen handelt es sich um Zubereitungen aus folgenden Komponenten:

  • Bindemittel;

    diese filmbildenden Substanzen werden in der Praxis auch als Harze bezeichnet. Moderne und gebräuchliche Produkte enthalten als Filmbildner beispielsweise Polyester-, Epoxid-, Polyurethan- (z.B. bei 2K-Lacken), Alkyd- oder Acrylatharze (z.B. bei Wasserbasislacken) bzw. deren Mischungen und Dispersionen.

  • Pigmente;

    diese Farbstoffpartikel in Größen von 0,1 bis 2 μm sind in die Beschichtungsstoffe eingearbeitet. Sie verleihen der Beschichtung Farbton, Elastizität, Härte, Deckvermögen und Korrosionsschutz. Als Pigmente werden insbesondere folgende Stoffe verwendet: Titan-, Eisen-, Chrom-, Zinn-, Kobalt- und Antimonoxid, verschiedene organische Verbindungen sowie Metalle für Metallic-Effekt-Lacke. Chromat-, Blei- und Cadmiumverbindungen sollten keine Verwendung mehr finden.

  • Lösemittel;

    hierunter sind flüchtige, bei der Trocknung aus dem Beschichtungsstoff verdampfende Stoffe zu verstehen, die Bindemittel ohne chemische Umsetzung applizierbar machen.

    Ihr Anteil in den lösemittelhaltigen Lacken liegt zwischen 50 und 70 Prozent, bei wasserverdünnbaren Beschichtungsstoffen zwischen 5 und 20 Prozent.

    Unterschiedliche Lösemittel werden eingesetzt: beispielsweise Lackbenzin, Testbenzin, Kristallöl, Toluol, Xylole, Ethylbenzol, Styrol, Methanol, Ethanol, Propanol, Butanol, Aceton, Butanon, Ester (z.B. Butylacetat) und Etheralkohole. Ganz ohne Lösemittel kommen sog. Pulverlacke aus, die bereits häufig Anwendung finden.

  • Additive;

    sie werden in geringen Mengen zugesetzt (bis zu ca. 1 v. H.), um bestimmte Probleme, wie Schaumbildung, Aufschwimmen, Absetzen von Feststoffen, Korrosionsschutz, Beständigkeit der Anstriche, Konservierung, Dispergierbarkeit etc., zu lösen.

Nach § 14 der GefStoffV und der TRGS 220 "Sicherheitsdatenblatt für gefährliche Stoffe und Zubereitungen" hat der Lieferant gefährliche Inhaltsstoffe und deren Gefährdungen zu benennen; bei verbleibenden Ungewißheiten ist er nach § 16 Absatz 3 der GefStoffV zu befragen.

Besonders die Spritzlackierung (mittels Druckluft-, Fließbecher- oder Airless-Verfahren) stellt ein stark gesundheitsgefährdendes Verfahren dar, da hier durch die stets vorhandene Aerosolbildung und Verdunstung der Lösemittel Haut- und Schleimhautkontakte sowie Inhalation aller Inhaltsstoffe möglich sind.

Beim Streichen, Rollen oder Tauchen besteht in der Regel nur eine Gefährdung durch Lösemitteldämpfe; bei Arbeiten in engen Räumen ist jedoch auch direkter Hautkontakt zum Produkt möglich.

Gefahren durch

  • Bindemittel (Filmbildner)

    Durch Einatmen von Lack- und Farbnebeln (Aerosolen) können Reizungen der Atemwege auftreten, insbesondere bei der Verarbeitung von Phenol-, Polyester-, Epoxid- und Polyurethan-Lacken.

    Darüber hinaus zeigen die reaktiven Zweikomponenten-Lacksysteme aufgrund der Härterkomponenten wie z.B. Polyisocyanaten, Diisocyanaten, Peroxiden, Aminen oder Dicarbonsäuren häufig ausgeprägte akute Wirkungsmuster, die als reizende oder ätzende Eigenschaften vorhanden sind.

    Speziell bei 2K-Polyurethanlacken, deren Härterkomponenten Diisocyanate enthalten, besteht die Gefahr der Sensibilisierung beim Einatmen, die im Einzelfall zu einer lebensbedrohlichen Situation führen kann. Die Beschäftigten sind hierüber zu unterrichten.

    Mit Hautreaktionen toxischer und allergischer Art durch Bindemittel ist bei Hautkontakt zu Polyester-, Epoxid-, Polyurethan- und einigen Naturharzen zu rechnen; besonders sind die reaktiven 2-Komponenten-Systeme zu erwähnen, da hier häufiger starke Reizungen und Sensibilisierungen auftreten können. Epoxidharze besitzen ein hohes Sensibilisierungspotential; schon geringe oder kurzzeitige Kontakte können zu einem allergischen Kontaktekzem führen.

  • Lösemittel

    Akute Auswirkungen, wie z.B. Rauschzustände, Schwindel und Kopfschmerzen, entstehen durch Einatmung hoher Konzentrationen, die im Extremfall zum Tode führen können.

    Chronische Schäden an z.B. Leber, Nieren und Nervensystem sind bei Exposition gegenüber geringen Konzentrationen über einen längeren Zeitraum zu erwarten.

    Da einige Lösemittel (z.B. Ethylbenzol und Xylole) hautresorptiv sind, alle darüber hinaus entfettend wirken und somit die Bildung von Hauterkrankungen begünstigen, ist jeglicher Hautkontakt zu vermeiden oder auf ein Minimum zu reduzieren.

  • Pigmente und Additive

    Pigmente und Additive können durch Inhalation weitere Gesundheitsschäden hervorrufen. Hier sollte darauf geachtet werden, dass keine krebserzeugenden Stoffe zum Einsatz kommen; einschließlich solcher, aus denen krebserzeugende Metaboliten im Körper gebildet werden können (z.B. Azofarbstoffe).

  • Elektrostatische Aufladung

    Besonders beim Airless-Spritzverfahren und Pulverbeschichten können Zündfunken entstehen.

  • Gefahrstoffe,

    die bei Schleif- oder Schweißarbeiten an beschichteten Teilen entstehen.

Schutzmaßnahmen

Nach § 16 Abs. 2 GefStoffV muss der Arbeitgeber prüfen, ob nicht gefahrlosere Produkte - wie z.B. Wasserbasislacke oder Pulverlacke - eingesetzt oder emissionsärmere Verfahren verwendet werden können.

§ 19 der GefStoffV legt die Rangfolge der Schutzmaßnahmen fest. Folgende Punkte sind u.a. zu beachten:

  • Beim Verspritzen von Beschichtungsstoffen ist - trotz vorhandener technischer Absaugungen - immer geeigneter Atemschutz zu tragen; das gilt auch beim Auftragen von Wasserbasislacken, da auch hier Aerosole eingeatmet werden können. Die BG-Regeln "Einsatz von Atemschutzgeräten" (BGR 190) sind zu beachten.

  • Haut-, Schleimhaut- und Augenkontakt ist durch Tragen persönlicher Schutzausrüstungen - wie Schutzhandschuhen (siehe BG-Information "Hautschutz in Metallbetrieben", BGI 658), Armschutz und Augenschutz (Schutzbrille, besser Visier) - zu vermeiden.

  • Aufbewahrungsgefäße müssen immer gut verschlossen sein.

  • Hautschutzpläne sind aufzustellen und zu befolgen.

  • Die Beachtung und Befolgung der UVV "Bearbeiten von Beschichtungsstoffen" (BGV D25, bisherige VBG 23) ist sicherzustellen.

  • Zündgefahren (z.B. elektrostatische Aufladung, heiße Oberfläche, Funkenflug etc.) sind zu beachten und zu eleminieren.

  • Nach § 20 GefStoffV müssen Betriebsanweisungen erstellt und Unterweisungen durchgeführt werden.

  • Beim Arbeiten in engen Räumen ist die TRGS 507 "Oberflächenbehandlung in Räumen und Behältern" zu beachten.

  • Filternder Atemschutz darf nur eingesetzt werden, wenn sichergestellt ist, dass mindestens 17 V-% Sauerstoff in der Atemluft vorhanden ist (siehe auch BGR 190 "Regeln für den Einsatz von Atemschutzgeräten").

Bild 11-1: Beschichten von Werkstücken. Halbmasken jedoch nur bei Kurzzeittätigkeit verwenden