DGUV Information 209-004 - Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher...

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Abschnitt 9, 9 Gefahrstoffe beim Beizen
Abschnitt 9
Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Titel: Sicherheitslehrbrief Umgang mit Gefahrstoffen (bisher: BGI 546)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-004
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9 – 9 Gefahrstoffe beim Beizen

Beim Beizen sollen Zunder, Rost und andere Metallverbindungen von der Oberfläche der Werkstücke durch chemische Behandlung entfernt werden. Als Beizmittel werden überwiegend verdünnte Säuren, beispielsweise Schwefel-, Salz-, Fluss-, Phosphor-, Salpetersäure, eingesetzt. Beizpasten enthalten u.a. ebenfalls diese Säuren; beim Umgang mit ihnen ist grundsätzlich mit ähnlichen Gefährdungen zu rechnen.

Säuren sind farblose bis gelbliche Flüssigkeiten, die je nach Konzentration wasserähnlich bis ölig sind und Indikatorpapier rot färben.

Auch Laugen, u.a. natronlaugehaltige Zubereitungen, werden z.B. zum Beizen von Aluminiumoberflächen eingesetzt.

Laugen sind ebenfalls zumeist farblose, wasserklare, sich seifig anfühlende Flüssigkeiten, die Indikatorpapier blau färben.

Die o.a. Stoffe und Zubereitungen zur Herstellung von Beizbädern und Beizpasten unterliegen der Kennzeichnungspflicht nach den §§ 5 bis 14 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Produkte, die weder mit Kennzeichnung oder Gefahrensymbolen auf Verpackung oder Behälter noch mit einem Sicherheitsdatenblatt nach § 14 GefStoffV angeliefert werden, dürfen nicht mehr akzeptiert werden.

Auf folgende Gefährdungen, die von den hier eingesetzten Produkten ausgehen können, und auf entsprechende Maßnahmen muss hingewiesen werden:

Hautgefährdungen

Die ätzenden Wirkungen von Säuren und Laugen nehmen mit steigender Konzentration und Temperatur zu.

Hautschädigungen durch Laugen sind in der Regel tiefgreifender als die durch Säuren gleicher Konzentration. Nur die giftige Flusssäure, die in Edelstahlbeizen vorkommt, verursacht sehr schnell schwere und schwer heilende Verätzungen, wenn die Konzentration sieben Gewichtsprozente erreicht.

Die Benutzung einer geeigneten, dichten und haltbaren Personenschutzausrüstung (z.B. Handschuhe, Gummischürze, Gummistiefel) muss vorgeschrieben werden. Auf geeignete vorbeugende Hautschutzpräparate und deren Benutzung sollte gegebenenfalls in einem Hautschutzplan hingewiesen werden. Siehe auch BGI 658 "Hautschutz in Metallbetrieben".

Gefährdung der Augen

Besonders beim Ansetzen der Beizbäder, also meistens beim Verdünnen der Säuren mit Wasser und/oder Mischen mit anderen Säuren, kann sehr viel Lösungswärme frei werden. Diese Tatsache kann zum plötzlichen Verspritzen von Säuren führen. Um dieses zu verhindern, muss immer zuerst das Wasser und dann - langsam und unter ständigem Rühren - die Säure oder Lauge zugegeben werden.

Durch die Benutzung geeigneter Abfülleinrichtungen, wie z.B. Heber oder Dosierhähne - möglichst an fest installierten Stationen -, wird die Gefährdung minimiert.

Selbstverständlich sind beim Umgang mit Säuren und Laugen die Augen durch dicht anliegende Schutzbrillen oder durch Gesichtsvisiere, welche das Gesicht vollständig abdecken, gegen Spritzer zu schützen.

Gefährdungen durch Einatmung

Dämpfe und Aerosole (Nebel), die aufgrund von Badbewegungen oder erhöhter Temperatur freigesetzt werden, verätzen die Luftwege - in Abhängigkeit von ihrer Konzentration - mehr oder weniger schnell und tief.

Flusssäuredämpfe und "Nitrose-Gase" (Stickoxide), die bei fluss- und/oder salpetersäurehaltigen Beizen emittiert werden können, werden zusätzlich als giftig bzw. sehr giftig eingestuft. Stickoxide sind in niedriger Konzentration farblos, jedoch in höherer Konzentration braun. Außerdem können Schäden der Zähne durch Säuredämpfe oder -aerosole entstehen.

Alle Stellen, an denen diese Dämpfe, Gase und Aerosole entstehen, müssen eingehaust oder abgesaugt werden. Bei unzureichender Lüftung oder Absaugung sind - nach Ausschöpfung aller technischen und zumutbaren Möglichkeiten - zusätzliche geeignete Atemschutzgeräte (vgl. BG-Regeln "Einsatz von Atemschutzgeräten", BGR 190) zu benutzen.

Gefährdungen durch Wasserstoffentwicklung

Säuren reagieren mit vielen Metallen unter Bildung des hochentzündlichen Wasserstoffgases; Wasserstoff bildet mit dem Sauerstoff der Luft einen sehr breiten Explosionsbereich. Diese Tatsache ist bei den Schutzmaßnahmen und den Verhaltensregeln zu berücksichtigen.

Weitere Maßnahmen

Es sind arbeitsbereichs- und stoffbezogene Betriebsanweisungen nach § 20 GefStoffV zu erstellen, in denen u.a. die Gefährdungen und Maßnahmen aufgeführt sind; das ausgesuchte Personal ist regelmäßig (mindestens einmal pro Jahr) zu unterweisen.

In den betreffenden Arbeitsbereichen müssen stets einsatzbereite Notduschen vorhanden sein.

Tiefer liegende Becken sind durch Geländer gegen das Hineinfallen von Personen abzusichern.

Bild 9-1: Einsetzen von Werkstücken in ein Beizbad (Beim Verarbeiten von Säuren und Laugen wird das Benutzen der Kombination Schutzschild und Schutzbrille dringend empfohlen)