DGUV Information 209-003 - Metallbau-Montagearbeiten (bisher: BGI 544)

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Abschnitt 4.7, 4.7 Gerüste
Abschnitt 4.7
Metallbau-Montagearbeiten (bisher: BGI 544)
Titel: Metallbau-Montagearbeiten (bisher: BGI 544)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-003
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4.7 – 4.7 Gerüste

Arbeitsgerüste (DIN EN 12811-1) bieten einen sicheren Aufstieg und Zugang. Schutzgerüste (DIN 4420-1) fangen Personen und Materialien sicher auf. Gerüste sind temporäre Baukonstruktionen (Bild 4-7).

Bild 4-7: Benennung von Gerüstbauteilen

4.7.1 Erstellen von Gerüsten

Der Gerüstersteller hat zu sorgen für

  • den sicheren Auf-, Um- und Abbau der Gerüste sowie den Transport und die sichere Lagerung der Gerüstteile,

  • die Erstellung einer Gerüstausführung, die den anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Gerüstbauarbeiten müssen von fachlich geeigneten Vorgesetzten (befähigte Personen) geleitet und beaufsichtigt werden. Diese müssen die vorschriftsmäßige Durchführung der Gerüstbauarbeiten gewährleisten und hierfür ausreichende Kenntnisse besitzen.

Nach Fertigstellung des Gerüstes führt eine befähigte Person des Gerüsterstellers die Prüfung durch, ob das errichtete Gerüst den technischen Baubestimmungen entspricht und betriebssicher ist. Sie hält die Ergebnisse in einem Protokoll fest. Ein Beispiel für den Nachweis der letzten Prüfung kann eine am Gerüst angebrachte Kennzeichnung sein (Bild 4-8). Die Kennzeichnung ersetzt nicht das Prüfprotokoll.

Bild 4-8: Beispiel einer Kennzeichnung

4.7.2 Benutzen von Gerüsten

Jeder Unternehmer, dessen Mitarbeiter Gerüste benutzen, ist für den betriebssicheren Zustand verantwortlich. Deshalb muss vor jeder Benutzung und nach außergewöhnlichen Ereignissen das Gerüst durch eine befähigte Person (z. B. Aufsichtführender) auf augenfällige Mängel geprüft werden.

Nähere Informationen zu Prüfungen siehe BGI/GUV-I 663 "Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeits- und Schutzgerüsten" (Bild 4-9) mit Musterchecklisten im Anhang.

Augenfällige Mängel sind z. B.:

  • nicht tragfähiger Untergrund

  • fehlende Verankerungen

  • unzureichende Aufstiege

  • beschädigte oder fehlende Gerüstbeläge

  • unzureichender Seitenschutz

  • Abstand von mehr als 0,30 m zu tragfähigen Gebäudeteilen

Konstruktive Veränderungen am Gerüst dürfen nur durch den Gerüstersteller vorgenommen werden.

Bild 4-6: Bennung von Gerüstbauteilen

Der Gerüstbenutzer hat dafür zu sorgen, dass das Gerüst keine größeren Lasten erhält, als dem Plan für die Benutzung zugrunde gelegt wurden.

Arbeitsplätze auf Gerüsten dürfen nur über geeignete Zugänge betreten und verlassen werden.

Auf Gerüstbeläge abzuspringen oder etwas auf sie zu werfen, ist unzulässig.

Auf Fanggerüsten und Schutzdächern ist das Absetzen und Lagern von Materialien und Geräten unzulässig, weil dadurch die Verletzungsgefahr beim Auftreffen abstürzender Personen sich erhöht.

4.7.3 Fahrbare Gerüste (DIN 4420-3)

Fahrbare Gerüste bestehen aus Gerüstbaumaterialien von Systemgerüsten oder Stahlrohren mit Kupplungen und Fahrrollen.

Die fahrbaren Gerüste aus Systemgerüstteilen (Rahmen- oder Modulgerüste) sind in den Aufbau- und Verwendungsanleitungen der Hersteller beschrieben.

Für fahrbare Gerüste aus Stahlrohren mit Kupplungen (systemfreie Gerüstbauteile) enthält die DIN 4420-3 eine Regelausführung.

Für alle fahrbaren Gerüste in Regelausführung gilt:

  • Das Verhältnis von Standhöhe zur kleinsten Aufstandsbreite beträgt höchstens 3:1.

  • Sie dürfen auf höchstens 6,00 m2 der Belagfläche in den Lastklassen 1 bis 3 voll belastet werden, die verbleibenden Flächen nur mit max. 0,75 kN/m2.

  • Die Standhöhe ist auf max. 12,00 m begrenzt.

Beim Verfahren von fahrbaren Gerüsten dürfen sich keine Personen und/oder Materialien auf diesen befinden.

4.7.4 Fahrbare Arbeitsbühnen (DIN EN 1004)

Fahrbare Arbeitsbühnen (DIN EN 1004) bestehen überwiegend aus Aluminium-Bauteilen mit in Länge und Breite unveränderlichen Belagabmessungen (Bild 4-10).

Achtung: Die Aufbauhöhe sowie die Standsicherheit von fahrbaren Arbeitsbühnen werden entscheidend bestimmt durch die Aufstandsbreite, die ggf. notwendige Ballastierung und der Aussteifung. Entsprechende Angaben befinden sich in der Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers.

Die Aufbau- und Verwendungsanleitung muss sich auf der Baustelle befinden.

Fahrbare Arbeitsbühnen dürfen nur bis zu der vom Hersteller vorgegebenen Höhe aufgebaut werden. Grundsätzlich beträgt die Obergrenze der Belaghöhe maximal 8,00 m im Freien und 12,00 m in allseits geschlossenen Räumen.

Beim Verfahren von fahrbaren Arbeitsbühnen dürfen sich keine Personen und/oder Materialien auf der Bühne befinden.

Bild 4-10: Fahrbare Arbeitsbühne nach DIN EN 1004

4.8 Geräte

Bei Bau- und Montagearbeiten setzen sich immer mehr kraftbetriebene Geräte (z. B. hochziehbare Personenaufnahmemittel, Hubarbeitsbühnen und Mehrzweckstapler) als hochgelegene Arbeitsplätze durch. Die hohe Beweglichkeit und die große Arbeitshöhe machen sie für Baustellen unverzichtbar.

Der sichere Betrieb der Geräte hängt von den Fähigkeiten der Bediener und der technischen Zuverlässigkeit ab. Deshalb muss der Unternehmer, der diese Geräte betreiben lässt, u. a. für Folgendes sorgen:

  • Erstellung einer Betriebsanweisung auf Grundlage der Betriebsanleitung des Herstellers

  • typenspezifische Unterweisung

  • gerätespezifische Einweisung

  • gerätespezifischer Nachweis der Befähigung

  • Beauftragung der Bediener (sollte schriftlich erfolgen)

  • Bestellung von Aufsichtspersonal

  • Einweisung in die Arbeitsaufgabe

  • Durchführung von Prüfungen durch befähigte Personen:

    • nach dem Zusammenbau vor Ort

    • nach Änderungen, Schadensfällen etc.

    • regelmäßig je nach Einsatz, mindestens jedoch jährlich

    • Dokumentation der Prüfergebnisse und Aufbewahrung mindestens bis zur nächsten Prüfung (Kopie am Einsatzort)

Bild 4-11: Hochziehbares Personenaufnahmemittel bei Arbeiten an einer Fassade

4.8.1 Hochziehbare Personenaufnahmemittel (PAM)

Hochziehbare Personenaufnahmemittel (PAM) sind Arbeitskörbe und -bühnen, die mit Hebezeugen verfahren werden (Bilder 4-11 und 4-12).

Die Hebezeuge müssen für den Personentransport zugelassen sein. Jedes PAM hat ein Typenschild mit Angaben zum Hersteller und Baujahr, zur Gesamttragkraft und der zulässigen Personenzahl. Das PAM für den Kranbetrieb besitzt einen auffälligen Farbanstrich (Bild 4-12).

Die Verständigung zu Bedienpersonen außerhalb des PAM muss gewährleistet sein (u. U. Sprechfunk). Besteht die Gefahr des Aufsetzens oder Umkippens des PAM, haben Personen persönliche Schutzausrüstungen (PSA) gegen Absturz zu benutzen.

Die erste Inbetriebnahme ist der zuständigen Berufsgenossenschaft schriftlich anzuzeigen.

Weitere Informationen enthält die BG-Regel "Hochziehbare Personenaufnahmemittel" (BGR 159).

Bild 4-12: Hochziehbares Personenaufnahmemittel am Kran hängend

4.8.2 Hubarbeitsbühnen

Hubarbeitsbühnen sind sichere und ergonomische Arbeitsplätze (Bilder 4-13 und 4-14).

Achtung: Da die Geräte in mehreren Achsen gleichzeitig zu verfahren sind, erfordert dies besondere Kenntnisse und Übung der Bedienpersonen.

Neben der Unterweisung und Einweisung in die fahrbare Hubarbeitsbühne wird eine Ausbildung der Bedienpersonen in Theorie und Praxis gemäß BGG/GUV-G 966 "Ausbildung und Beauftragung der Bediener von Hubarbeitsbühnen" empfohlen.

Der Unternehmer hat über die in Pkt. 4.8 genannten Pflichten hinaus die Personen schriftlich zu beauftragen, die selbstständig Hubarbeitsbühnen bedienen.

Die Standsicherheit einer Bühne wird wesentlich beeinflusst durch:

  • die Tragfähigkeit des Bodens

  • Neigung des Geländes

  • Unebenheiten und Vertiefungen beim Verfahren

Die Tragfähigkeit der fahrbaren Hubarbeitsbühne sowie die maximale Personenzahl und das Gewicht von mitzunehmendem Werkzeug sind auf dem Typenschild angebracht. Keinesfalls darf die Bühne überlastet werden.

Bild 4-13: Einsatz von Scheren-Hubarbeitsbühnen

Der Arbeitsbereich der fahrbaren Hubarbeitsbühne ergibt sich aus dem Arbeitsdiagramm (siehe Betriebsanleitung des Herstellers) und ist durch Sicherheitseinrichtungen zwangsläufig begrenzt.

Fahrbare Hubarbeitsbühnen sind kein Kranersatz. Lasten dürfen nur in Größe des mitführbaren Werkzeuges (siehe Typenschild) und ausschließlich innerhalb des Arbeitskorbes mitgeführt werden.

Durch Verhaken der Arbeitsbühne in Bauteilen und schlagartiges Freiwerden kann die im Korb befindliche Person herausgeschleudert werden. Daher empfiehlt sich grundsätzlich die Benutzung von PSA gegen Absturz als Rückhaltesystem im Arbeitskorb (Bild 4-14). Für den Einsatz von PSA gegen Absturz und die Anschlagpunkte ist die Betriebsanleitung des Herstellers zu beachten.

Bei Mehrzweckfahrzeugen ("Teleskoplader"), die als Hubarbeitsbühne eingesetzt werden, gibt die Betriebsanleitung des Herstellers die Bedingungen für den jeweiligen Einsatzfall vor.

Da die Betriebsanleitung alle wichtigen Hinweise zum sicheren Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen enthält, muss sie sich am Einsatzort befinden.

Siehe auch BG-Information "Sicherer Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen" (BGI 720).

Bild 4-14: Benutzung von PSA gegen Absturz im Arbeitskorb einer Hubarbeitsbühne

4.8.3 Arbeitsbühnen für Gabelstapler

Mit Gabelstaplern dürfen Personen zur Durchführung von Bau- und Montagearbeiten nur mit speziellen Arbeitsbühnen angehoben werden (Bild 4-15). Die Betriebsanleitung des Gabelstaplers enthält Angaben über die Eignung zur Befestigung einer Arbeitsbühne.

Die Arbeitsbühne muss am Stapler formschlüssig, z. B. mit einem Riegel etc., befestigt sein. Das Anklemmen mit Schraubzwingen ist unzulässig. Eine vorbildliche Arbeitsbühne für Stapler zeigt Bild 4-15.

Der Fahrer darf bei hoch gefahrener Arbeitsbühne

  • den Gabelstapler nicht verfahren, außer zur Feinpositionierung und

  • den Staplersitz nicht verlassen.

Bei Mehrzweckfahrzeugen ("Teleskoplader") sind die Betriebsanleitungen der Hersteller für den jeweiligen Einsatz zu beachten.

Bild 4-15: Arbeitsbühne für Stapler