DGUV Information 213-001 - Arbeiten in engen Räumen (bisher: BGI 534)

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Abschnitt 3.1, 3.1 Welche Gefährdungen können beim Arbeiten ...
Abschnitt 3.1
Arbeiten in engen Räumen (bisher: BGI 534)
Titel: Arbeiten in engen Räumen (bisher: BGI 534)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-001
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1 – 3.1 Welche Gefährdungen können beim Arbeiten in engen Räumen auftreten?

Gefährdungen in engen Räumen entstehen durch

  • Stoffe; den Stoffen sind Zubereitungen gleichgestellt (bei Zubereitungen unbekannter Zusammensetzung sind zunächst die Inhaltsstoffe zu ermitteln),

  • Einrichtungen,

  • räumliche Enge und

  • große Höhen, z.B. in Silos oder Schächten.

Die Stoffe können

  • Behälterinhalt sein, z.B. Schüttgut,

  • als Arbeits- oder Hilfsstoffe verwendet werden, z.B. Reinigungsmittel, Anstrichstoffe, Isolierstoffe, Klebstoffe,

  • als Rückstände vorhanden sein, z.B. im Bodensatz oder an Wandungen haftend,

  • durch Arbeitsverfahren entstehen, z.B. durch Schweißen, Schleifen, Verarbeiten von Anstrichstoffen,

  • bei biologischen Vorgängen auftreten, z.B. bei Gärung, Fäulnis,

  • durch chemische Reaktionen ausgelöst werden, z.B. bei Verwendung von Kältemitteln durch Oxydation oder beim Vermischen von Abwässern und

  • durch unverschlossene bzw. undichte Öffnungen eindringen.

Gefährdungen durch Einrichtungen entstehen durch

  • bewegliche Teile oder Einbauten, wie Misch-, Zerkleinerungs-, Förder- oder Lüftungseinrichtungen,

  • aufgeheizte oder gekühlte Behälterteile und Einbauten,

  • sich schließende oder öffnende Armaturen in Leitungen oder Kanälen, z.B. Schieber, Klappen, Explosionsunterdrückungsanlagen,

  • betriebsmäßig unter elektrischer Spannung stehende Einrichtungen, z.B. Widerstands- und Hochfrequenzheizungen,

  • elektrische Betriebsmittel, wie Handleuchten, Elektrowerkzeuge, Elektroschweißgeräte,

  • Strahlung, z.B. durch Messeinrichtungen, sowie

  • Reinigungsgeräte, z.B. Flüssigkeitsstrahler.

Am häufigsten werden Unfälle und Erkrankungen verursacht durch

  • Gase, Dämpfe, Nebel oder Staubwolken, die Brände, Verpuffungen oder Explosionen auslösen,

  • Gase, Dämpfe, Nebel oder Stäube, die in gesundheitsgefährlichen Konzentrationen auftreten; hierzu zählen auch die nitrosen Gase, die aus dem Sauerstoff und dem Stickstoff der Umgebungsluft beim Umgang mit großer Flamme, z.B. bei Anwärmarbeiten, entstehen,

  • undichte Sauerstoffschläuche beim Schweißen; ein erhöhter Sauerstoffanteil ist lebensgefährlich, weil sich sowohl die Verbrennungstemperatur als auch die Verbrennungsgeschwindigkeit erhöht - ferner verringert sich die Zündtemperatur,

  • Sauerstoffmangel, der beim Inertisieren, durch chemische Reaktionen oder durch ungeeignete und unzulängliche Lüftung entsteht und zur Erstickung führt,

  • giftige, gesundheitsschädliche, ätzende oder reizende Stoffe, die berührt, durch die Haut aufgenommen oder eingeatmet werden,

  • heiße Stoffe, Erwärmen mit der Flamme, versehentliches Aufheizen des Raumes,

  • Schüttgut oder andere Behälterinhalte, in denen man versinken kann,

  • Heiz- oder Kühleinrichtungen,

  • Reinigungsgeräte sowie bewegliche Teile oder Einbauten, z.B. Misch-, Zerkleinerungs-, Förder- oder Lüftungseinrichtungen, die irrtümlich oder versehentlich in Gang gesetzt werden,

  • betriebsmäßig unter Spannung stehende elektrische Anlagen, z.B. Heizeinrichtungen,

  • betriebsmäßig unter Spannung stehende Teile, z.B. defekte Schweißleitungen, eingespannte Stabelektrode,

  • zu hohe Berührungsspannung bei Verwendung von elektrischen Handleuchten, Elektrowerkzeugen, Elektroschweißgeräten oder anderen elektrischen Betriebsmitteln,

  • ionisierende Strahlen und Laserstrahlen, die beispielsweise vom Behälterinhalt, von Füllstandsmessgeräten, von Einrichtungen zur biologischen Bestrahlung des Füllgutes oder von Einrichtungen zur Werkstoffprüfung ausgehen,

  • sich schließende oder öffnende Armaturen,

  • begrenzte Bewegungsfreiheit, die z.B. bei schweißtechnischen Arbeiten zu Verbrennungen führt,

  • Glätte auf Leitern, Gerüsten, Einbauten, die Ausgleiten und Abstürze zur Folge haben,

  • fehlenden Verbau bzw. mangelhafte Abböschung von Gräben, die Verschüttungen herbeiführen und

  • Zwangshaltungen, die insbesondere durch die Raumenge bedingt sind.

Bild 3-3 gibt einen Überblick über mögliche Gefährdungen, die beim Arbeiten in engen Räumen auftreten können.

Diese Übersicht kann als Arbeitshilfe für die Gefährdungsbeurteilung genutzt werden.

Bild 3-3:
Mögliche Gefährdungen beim Arbeiten in engen Räumen

Mögliche Gefährdungen beim Arbeiten in engen Räumen durch
organisatorische Mängel
  • keine Aufsicht

  • mangelhafte Unterweisung

  • kein Sicherungsposten

  • kein Erlaubnisschein

  • unzureichende Koordination, Absprachen

  • keine geeigneten Rettungsgeräte bereitgehalten


erhöhte körperliche Belastungen
  • erschwerte Zugangsmöglichkeiten

  • Arbeiten unter beengten räumlichen Verhältnissen

  • Benutzung von Atemschutz

  • erschwerte Transportarbeiten von Hand


eingebrachte Gefahrstoffe
  • vorhandene Gefahrstoffe

  • Eindringen von Gefahrstoffen

  • Einbringen von Gefahrstoffen (z.B. durch Arbeitsverfahren)


Gefahrstoffe, die bei bestimmten Verfahren entstehen
  • Schweißen, Brennen usw.

  • Kunststoffe beschleifen


biologische Gefahrstoffe
  • Verunreinigungen (Anbackungen, Krusten, Rückstände)

  • Tätigkeiten (z.B. im Abwasserbereich)


psychische Belastungen
  • räumliche Enge

  • große Höhen

  • Sichtbehinderung

  • Einzelarbeit


Sauerstoffmangel
  • Eindringen von Stickgasen

  • Verbrauch des Sauerstoffs

  • Inertisierung mit Stickgasen


Sauerstoffüberschuss
  • Eindringen von Sauerstoff

  • Undichtigkeiten von Sauerstoffschläuchen


Brände und Explosionen
  • Vorhandensein brennbarer Stoffe

  • Auftreten eines explosiblen Gemisches


elektrischer Strom
  • defekte/ungeeignete Betriebsmittel

  • Betriebsmittel, die im Behälter installiert sind

  • benutzte Arbeitsmittel (Schweißspannungen beim Lichtbogenverfahren)


Gefahrstellen an Einrichtungen
  • anlaufende Rührwerke

  • sich bewegende Teile, die durch gespeicherte Energie (z.B. Hydraulik) oder System mit Lage- oder Bewegungsenergie zu Gefährdungen führen


Lärm
  • Umgebungslärm

  • selbst erzeugter Lärm


heiße oder kalte Medien
  • Heizschlangen usw.

  • Kühleinrichtungen/Kälteanlagen

  • Eindringen kalter/heißer Medien


Absturz
  • Arbeiten auf einem hoch gelegenen Arbeitsplatz

  • Absturz vom Behälter, Tankdecke


unzureichende Rettungsmaßnahmen
  • Nichtbereithalten von PSA zum Retten

  • nicht bestimmungsgemäßes Benutzen der PSA zum Retten

  • Einschränkung der Rettungsmöglichkeiten durch räumliche Enge oder schwer erreichbare Arbeitsbereiche


Sonstige Gefährdungen
Flüssigkeiten
  • plötzliches Eindringen von Flüssigkeiten

  • nasse, glatte Böden