DGUV Information 208-002 - Sitz-Kassenarbeitsplätze BGHW-Kompakt M 86 (DGUV Info...

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Abschnitt 2, Kassenbox
Abschnitt 2
Sitz-Kassenarbeitsplätze BGHW-Kompakt M 86 (DGUV Information 208-002)
Titel: Sitz-Kassenarbeitsplätze BGHW-Kompakt M 86 (DGUV Information 208-002)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2 – Kassenbox

Platzbedarf

Die Größe der Kassenbox ist so zu wählen, dass die Arbeitsabläufe ungehindert ausgeführt werden können und ein optimaler Kundenkontakt hergestellt werden kann.

Die erforderlichen Stuhlbewegungen, der ungehinderte Ein- und Ausstieg sowie ein Wechsel der Körperhaltung während der Arbeit müssen möglich sein. Zum Hinsetzen wird eine Fläche von 900 640 mm2 benötigt. Kann das Stuhluntergestell unter überbaute Flächen geschoben werden, reicht eine Fläche von 800 600 mm2 aus.

Für den kombinierten Sitz-/Stehkassenarbeitsplatz muss genügend Platz vorhanden sein:

  • um stehen zu können (600 600 mm2 Mindestfläche),

  • um den unbenutzten Stuhl beiseite schieben zu können, und

  • um beim Öffnen der Geldschublade zurücktreten zu können.

Bild 2: Platzbedarf in der Kassenbox (Maße in mm)

Der ungenutzte Stuhl darf beim Kassieren im Stehen den Arbeitsablauf nicht behindern und den Zugang nicht einengen.

Der Zugang zur Kassenbox soll mindestens 0,60 m breit sein.

Tandem-Kassentisch

Ein Abstand von 900 mm sollte für den Abstand von Kassierpersonal im Tandem-Kassentisch eingehalten werden, um Zwangshaltung zu vermeiden. Ein ungehinderter Ausstieg muss für beide Personen möglich sein.

Abgrenzung zum Kunden

Das Kassenpersonal soll gegen Anstoßen, z.B. Anfahren durch Einkaufswagen, geschützt sein. Dies kann durch eine bis in Arbeitsplattenhöhe geschlossene Kassenbox erfolgen. Zum Gang offene Kassentische bieten keinen Schutz. Zusätzliche psychische Belastungen können entstehen, wenn Kunden in die Kassenbox treten oder greifen können. Durch eine Tür wird der Anreiz zu unerlaubten Griffen in die Ladenkasse gesenkt.

Fußboden

Der Fußboden in der Kassenbox/im Kassenstand muss eine ausreichende Wärmeisolierung aufweisen bzw. durch eine geeignete Fußbodenheizung erwärmt werden können. Liegt der Fußboden der Kassenbox/im Kassenstand mehr als 28 cm über dem Fußbodenniveau der Umgebung, ist ein Aufstieg erforderlich.

Der Fußboden muss frei von Stolperstellen sein. Die Einstiegsöffnung muss bis zum Fußboden reichen (kein Bordbrett o. ä.). Fußbodenleisten im Bereich der Zugangsöffnung, die als Sicherung gegen unbeabsichtigtes Herausrollen des Arbeitsstuhles aus der Kassenbox dienen, sollten aufgrund der Stolpergefahr nicht höher als 30 mm und zur Innenseite abgeschrägt sein.

Gestaltung der Oberflächen und Kanten

Die Oberflächen der verwendeten Materialien sollen so beschaffen sein, dass Reflexblendung durch einfallendes Licht vermieden wird. Reflexionen werden verhindert durch das ausgewählte Material (strukturierte Oberfläche, matte Oberfläche) und den gewählten Aufstellungsort.

Scharfe Kanten, die beim unbeabsichtigten Anstoßen zu Verletzungen führen können, sind zu vermeiden.

Elektrische Einrichtungen

Elektrische Leitungen müssen fest verlegt und gegen Beschädigungen geschützt sein. Sie dürfen keine Stolperstellen bilden. Von Herstellerseite kann vorgesehen sein, dass Leitungen unterhalb des Kassentischfußbodens im Zuge der Montage verlegt werden. In diesen Fällen ist auf die Einhaltung der Montageanweisung des Herstellers insbesondere auch beim Umsetzen der Kassentische zu achten.

Kassentische müssen Einrichtungen haben, mit denen sie allpolig vom elektrischen Netz getrennt werden können. Diese Einrichtungen müssen gegen unbefugtes oder irrtümliches Einschalten gesichert werden können. Den Anforderungen genügen z.B. Hauptschalter nach DIN EN 60204. Es können auch Steckverbindungen verwendet werden, soweit sie für das In- und Außerbetriebsetzen geeignet sind.

Bei einer aus mehreren Kassentischen bestehenden Anlage genügt es, wenn an einer Stelle die gesamte Anlage vom Netz getrennt werden kann.

Bei Kassentischen mit Förderband muss eine Notbefehlseinrichtung vom Bedienungsplatz leicht, schnell und gefahrlos erreichbar sein.

Die Notbefehlseinrichtung, ausgeführt z.B. als Druckknopf oder Drehgriff, muss auffällig rot gekennzeichnet sein, damit sie gut sichtbar ist.

Die Fläche unter der Einrichtung muss mit der Kontrastfarbe Gelb so gekennzeichnet sein, dass sich der Stellknopf deutlich abhebt (Bild 3).

Bild 3: Notbefehlseinrichtung

Als Notbefehlseinrichtung kann auch der Hauptschalter verwendet werden, wenn er hinsichtlich seiner räumlichen Anordnung und der Kennzeichnung den beschriebenen Anforderungen genügt.

Höhe der Arbeitsfläche

- bei Sitzkassenarbeitsplätzen

Die Arbeitsfläche soll in Höhe der Ellenbogen liegen. Bei nicht höhenverstellbaren Kassentischen sind dies etwa 750 mm. Arbeitsflächenhöhen (W) in einem Bereich von 726 mm bis 815 mm können toleriert werden.

Für Einbauten unter der Arbeitsfläche über dem Beinraum (A) stehen maximal 100 mm zur Verfügung (Bild 4).

Bild 4: Höhe der Arbeitsfläche im Sitzen

- bei Sitz-/Stehkassenarbeitsplätzen

Die Arbeit soll wechselnd im Sitzen oder Stehen möglich sein. Die Arbeitsflächenhöhe wird von der Ellenbogenhöhe im Stehen abgeleitet.

Nicht höhenverstellbare Arbeitsflächen sollen eine Höhe (W) von 960 mm haben. Arbeitshöhen zwischen 950 mm und 1.060 mm können toleriert werden, wenn hierdurch eine günstigere Arbeitshaltung eingenommen werden kann (Bild 5).

Bild 5: Höhe der Arbeitsfläche im Stehen

Höhenverstellbare Arbeitsflächen sollen zwischen 1.225 mm und 960 mm einstellbar sein. Werden hauptsächlich größere oder schwerere Objekte gehandhabt, ist die Arbeitsflächenhöhe je nach Artikelgröße zu verringern. Üblicherweise erfolgen Absenkungen zwischen 100 mm und 300 mm.

Arbeitsbereiche und Armreichweiten im Sitzen

Besonders häufige Tätigkeiten (Frequenz > 10/min) sind im bevorzugten Arbeitsbereich auszuführen. Der bevorzugte Arbeitsbereich hat

  • eine Tiefe (C1) von 170 mm bei Arbeiten ohne Armunterstützung und von 290 mm bei Arbeiten mit Armunterstützung ab Arbeitsplattenvorderkante sowie

  • eine Breite (B1) von 710 mm.

Die seitliche Begrenzung ist bestimmt durch einen Winkel zwischen den Armen von 60 (Bild 6).

Andere Tätigkeiten (Frequenz < 10/min) können im maximalen Arbeitsbereich ausgeführt werden. Der maximale Arbeitsbereich hat

Bild 6: Arbeitsbereiche im Sitzen

  • eine Tiefe (C2) von 425 mm sowie

  • eine Breite (B2) von 1.300 mm.

Die Armreichweite kann durch Vorbeugen oder Drehen vergrößert werden. Jedoch sind Beuge- und Drehbewegungen mit einer Frequenz > 2/min zu vermeiden, da sie körperlich belastend wirken.

Arbeitsbereiche und Armreichweiten im Stehen

An Steharbeitsplätzen sind größere Arbeitsbereiche möglich als an Sitzarbeitsplätzen. An kombinierten Sitz-/Stehkassenarbeitsplätzen sind jedoch nur die kleineren Abmessungen des Arbeitsbereichs für das Sitzen heranzuziehen.

Verfügt der Kassentisch über für das Sitzen und Stehen getrennte Arbeitsflächen, sind für den Stehbereich die folgenden Werte heranzuziehen:

Besonders häufige Tätigkeiten (Frequenz > 10/min) sind im bevorzugten Arbeitsbereich auszuführen. Der bevorzugte Arbeitsbereich hat eine Tiefe (C1) von 450 mm ab Arbeitsflächenvorderkante (bei Vorbeugen bis 20).

Andere Tätigkeiten (Frequenz < 10/min) können im maximalen Arbeitsbereich ausgeführt werden. Der maximale Arbeitsbereich hat eine Tiefe (C2) von 570 mm.

Diese Werte gelten für eine Arbeitsflächenhöhe von 960 mm.

Beinraum für den Kassenarbeitsplatz

Der Beinraum muss so beschaffen sein, dass für alle erforderlichen Tätigkeiten eine optimale Arbeitshaltung möglich ist. Die Beinraumhöhe (A) ist der Abstand zwischen der Arbeitsflächenunterseite und dem Fußboden des Kassenarbeitsplatzes. Sie soll mindestens 720 mm betragen.

Bei Kassenarbeitsplätzen kann von diesem Maß abgewichen werden, wenn die Anordnung der Arbeitsmittel dies erforderlich macht, z.B. Geldlade im Greifraum. In diesem Fall kann die Beinraumhöhe (A) bis auf 650 mm reduziert werden.

Die Benutzung eines Fußschalters kann durch die geringe Beinraumhöhe unzulässig werden.

Bei einer verstellbaren Arbeitsflächenhöhe soll die Beinraumhöhe zwischen 820 mm und 495 mm einstellbar sein.

Die Beinraumbreite (B) ist von den erforderlichen Bewegungen bei der Tätigkeit und beim Betreten und Verlassen des Arbeitsplatzes abhängig. Es muss eine Beinraumbreite von mindestens 790 mm zur Verfügung stehen.

Bild 7: Arbeitsbereiche im Stehen

Bild 8: Beinraum seitenansicht

Ist zum Einnehmen der Arbeitshaltung eine Drehbewegung mit dem Arbeitsstuhl erforderlich, muss eine Beinraumbreite von mindestens 1.094 mm zur Verfügung stehen. Die Beinraumtiefe (D) im Fußbereich beträgt 882 mm. Für das Registrieren und Kassieren ist eine Beinraumtiefe von 600 mm ausreichend, sofern für die hintere Sitzhaltung die gesamte Tiefe der Kassenbox genutzt werden kann. Die Beinraumtiefe in Kniehöhe muss mindestens 547 mm ab Arbeitsplattenkante betragen (Bild 8 + 9).

Der notwendige Beinfreiraum muss auch unter der Geldlade, dem Scanner sowie der Warenzuführung und dem Warenabfluss vorhanden sein, wenn Drehbewegungen mit dem Arbeitsstuhl erforderlich sind.

Der notwendige Beinraum darf nicht zugestellt werden. Im Rahmen der Arbeitsorganisation ist festzulegen, welche Gegenstände im Kassenarbeitsplatz benötigt werden. Für diese ist ausreichend Staufläche einzuplanen. Alle anderen Gegenstände sind aus dem Beinraum zu entfernen.

Bild 9: Beinraum in Draufsicht