DGUV Information 209-073 - Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betri...

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Abschnitt 9.17, Labor-Abzüge
Abschnitt 9.17
Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Titel: Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-073
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9.17 – Labor-Abzüge

9.17.1
Ausgangssituation

Im Laborbereich wird typischerweise mit Gefahrstoffen in Mengen umgegangen, die um Größenordnungen kleiner sind als bei einer technischen Produktion oder Fertigung. Hinzu kommt, dass häufig eine Flexibilität gefordert ist, die den Umgang mit Gefahrstoffen in konstruktiv geschlossenen ("technisch dichten") Systemen unwirtschaftlich macht.

Die Gefährdungsbeurteilung ergibt, inwieweit bei den eingesetzten Apparaturen und Verfahren (siehe Abbildung 51) Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten, z.B. lüftungstechnischer Art, erforderlich sind.

Abbildung 51: Destillation

Als Beispiel für einen labortypischen Umgang mit Lösemitteln wird die Destillation von Essigsäureethylester gewählt. Ein Ansatz in einem 2-Liter-Kolben wird destilliert, indem der Dampf in einem absteigenden Westkühler kondensiert und in einer Vorlage aufgefangen wird. Bei dieser scheinbar geschlossenen Anordnung zeigt eine fünfminütige Messung, dass in Atemhöhe vor der Apparatur ein Wert von 10,6 mg/m3 erreicht wird.

9.17.2
Kriterien für lufttechnische Maßnahmen

Falls es um den Schutz vor gefährlichen Gasen, Dämpfen, Aerosolen oder Stäuben geht, werden - speziell im Labor - mit Erfolg Abzüge eingesetzt. Dabei sollen drei wesentliche Gefährdungen vermieden werden:

  • Gase, Dämpfe oder Schwebstoffe sollen daran gehindert werden, in gefährlicher Konzentration oder Menge aus dem Abzug in den Laborraum zu gelangen.

  • Im Abzugsinneren soll die Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre verhindert werden.

  • Verletzungen von Personen oder Beschädigung von Einrichtungen durch verspritzende gefährliche Stoffe oder umherfliegende Splitter sollen verhindert werden.

Geeignete Abzüge sind in der Regel solche Produkte, die den Anforderungen der DIN EN 14 175 (08.2003) und dem Kriterienpapier des Fachausschusses Chemie, bzw. der DIN 12 924 Teile 2 bis 4 (11.2005; 04.1993; 01.1994) genügen, insbesondere bezüglich der Bauweise und der Typprüfung der Sicherheitsfunktionen. Um Gefährdungen durch Gefahrstoffaustritte sowie durch mechanische Einwirkungen (Verpuffungen, Explosionen) auf die Umgebung (den Laborraum und die Personen) möglichst zu minimieren, werden Bauformen eingesetzt, die im Betriebszustand meistens, bis auf die Luftzutrittsöffnung, weitestgehend geschlossen sind.

9.17.3
Getroffene Maßnahmen

Die vorstehend beschriebene Destillation wird mit gleichem Aufbau in einem Laborabzug durchgeführt (Abbildung 52), die Messung zeigt, dass hierbei die Lösemittelkonzentration im Atembereich unter der analytischen Bestimmungsgrenze liegt, also bei dieser Arbeitsweise eine dauerhaft sichere Einhaltung der Luftgrenzwerte erreicht werden kann.

Dabei muss beachtet werden, dass das Arbeiten im Abzug nicht als automatisch wirksame Methode angesehen werden kann, um sich beim Umgang mit gefährlichen Stoffen zu schützen.

Abbildung 52: Laborabzug

Wichtig ist die fachkundige Einbindung in die Gebäudeinfrastruktur, insbesondere die Lüftungstechnik. Die richtige Anordnung des Abzugs im Laborraum gehört ebenfalls wesentlich dazu:

Luftströmungen und Bewegungen vor dem Abzug können die Strömungsverhältnisse im Abzug (Abbildung 53) stören und zu einem Schadstoffaustritt durch die Arbeitsöffnung in den Atembereich des Bedieners führen.

Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn sich der Abzug neben der Eingangstür oder am Hauptverkehrsweg des Labors befindet.

Ebenso entscheidend für die Schutzwirkung ist der richtige Einsatz durch den Benutzer, z.B.:

  • Arbeitsverfahren und Versuchsaufbau sind so zu wählen, dass sie ein Arbeiten mit geschlossenem Frontschieber ermöglichen (Bedienung von außen, gegebenenfalls Eingriff durch geteilte Schieber),

  • ein Hineinbeugen in den Abzug, rasche Bewegungen vor dem Abzug und Öffnen des Frontschiebers sind zu vermeiden.

Auch Einbauten im Abzug führen zu Abweichungen von den idealen Strömungsbedingungen und stören die gewünschte Funktion, ebenso wie zu geringe Zuluftströme (falsch dimensionierte oder nicht richtig eingestellte technische Zuluft) oder mangelnde Abluftvolumenkapazität, z.B. bei falscher Dimensionierung bzw. Steuerung des Volumenstroms bei wechselndem Betrieb mehrerer Abzüge an einer Lüftungsanlage.

Abbildung 53: Rauchsimulation im Abzug

9.17.4
Weiterführende Literatur

Technische Regeln für Gefahrstoffe "Laboratorien" (TRGS 526) (07.2001),

Richtlinien für Laboratorien (BGR 120),

BG-Information "Gefährdungsbeurteilung im Labor" (BGI 850-1) in Vorbereitung,

BG-Information "Laborabzüge" (BGI 850-2) in Vorbereitung,

Kriterienpapier des Fachausschusses Chemie, Download von der Homepage der BG Chemie

(http://www.bg-chemie.de/files/81/Spuergas-Hoechstwerte Abzuege_Gr.pdf).