DGUV Information 209-073 - Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betri...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 9.14, Bogenoffsetdruck mit UV-Trocknung
Abschnitt 9.14
Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Titel: Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-073
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9.14 – Bogenoffsetdruck mit UV-Trocknung

9.14.1
Ausgangssituation

Zur Farb- bzw. Lacktrocknung im Bogenoffsetdruck können entweder physikalische Verfahren (Heißluft und oder IR-Strahlung) zum Austreiben der Lösemittel oder chemische Verfahren (UV-Licht) zur Polymerisation eingesetzt werden. Bei den lösemittelfreien UV-Farb- bzw. UV-Lacksystemen ist bei der Trocknung mit UV-Licht die Bildung von Ozon durch die energiereiche UV-Strahlung im Wellenlängenbereich kleiner 230 nm nicht auszuschließen. Des Weiteren muss mit möglichen Spaltprodukten aus den verwendeten Farben und Bedruckstoffen, z.B. Papier, gerechnet werden.

Abbildung 43: Druckmaschinenbauraum (Ausschnitt) im Bogenoffset

Eine weitere typische Gegebenheit des Offsetdrucks resultiert aus der Notwendigkeit des Waschens der Gummitücher, den eigentlichen Überträgern des Druckbildes auf den Bedruckstoff. Hierzu werden Lösemittel eingesetzt, die in Verbindung mit der heißen Oberfläche der UV-Lampen (800 bis 900 C) eine Explosionsgefahr erzeugen können.

9.14.2
Kriterien für lüftungstechnische Maßnahmen

Ozon ist ein Reizgas, das schon in niedrigen Konzentrationen auf Augen, Nase, Rachenraum und Lunge einwirkt. Auf Grund der hohen Maschinenlaufgeschwindigkeiten (bis zu 14.000 Bogen pro Stunde) und der damit verbundenen Luftströmung kann das gebildete Ozon über die gesamte Maschinenlänge ungehindert in den Drucksaal austreten.

Spaltprodukte aus den Bedruckstoffen und den Fotoinitiatoren riechen zum Teil sehr intensiv. Diese Geruchsstoffe können über den Bogenlauf bis hin zur Bogenentnahme transportiert werden, dem eigentlichen Arbeitsplatz des Druckers, wo sie dann, in Abhängigkeit von der Menge, eine hohe Belästigung verursachen. Empfehlenswert wäre deshalb eine gute Be- und Entlüftung des gesamten

Drucksaals. Weiterhin sollten die Druckerzeugnisse bei Geruchsbelästigung möglichst umgehend aus dem Drucksaal transportiert oder abgesaugt werden, da die Geruchsstoffe noch dem Papier anhaften.

Hinsichtlich der Atemluftbelastung im Drucksaal sind die Emissionen aus den zur Anwendung kommenden Waschmitteln weniger kritisch. Auf Grund der relativ hohen Flammpunkte (Fp > 55 C) verdampfen diese nur sehr langsam und in geringer Menge.

9.14.3
Getroffene Maßnahmen

Um die Exposition gegenüber Ozon zu begrenzen, werden UV-Aggregate heute üblicherweise mit stationären Luftabsaugungen ausgestattet, die das Ozon nach außen abführen und so aus dem Drucksaal entfernen. Dadurch wird gewährleistet, dass die neben der UV-Strahlung erzeugte Wärme und das gebildete Ozon nicht in den Arbeitsraum gelangen können. Dabei ist darauf zu achten, dass die Maschinenverkleidung vollständig angebracht ist, denn nur so sind eine wirksame Schadstofferfassung und damit eine ausreichende Absaugung gewährleistet.

Die effiziente Ozonabsaugung am Ort der Entstehung garantiert, dass der AGW-Wert nicht überschritten wird.

Abbildung 44: Absaugung diffuser Emissionen aus dem Druckmaschinenbauraum

Die kontinuierliche Luftzufuhr und die damit einhergehende Luftverwirbelung durch den Papiertransport in der Druckmaschine sorgen in aller Regel dafür, dass eine Diffusion von Lösemittelemissionen in gefahrbringender Konzentration zum UV-Trockner nicht stattfindet. Die Absaugung der UV-Trockner und der damit verbundene zusätzliche permanente Luftaustausch tun ein Übriges, um eine Gefährdung (Explosionsgefahr) durch den Eintrag von Lösemittel in den Trocknerbereich zu verhindern. Eventuell auftretende Spaltprodukte aus den Farben und dem Bedruckstoff können, falls erforderlich, durch eine zusätzliche optional erhältliche Geruchsabsaugung im Bereich der Bogenentnahme entfernt werden (siehe Abbildung 45).

Abbildung 45: Bogenoffsetmaschine im Drucksaal: Alle abgesaugten Emissionsbestandteile werden mittels Abluftleitungen über Dach abgeführt, wodurch ein Eintrag in den Arbeitsbereich ausgeschlossen wird.

Zusätzlich müssen nachfolgend beschriebene Maßnahmen beim Waschvorgang des Gummituchs ergriffen werden:

  1. 1.

    Das Trocknersystem muss ausgeschaltet sein.

  2. 2.

    Abkühlvorgang des Trocknersystems (2 min).

  3. 3.

    Absaugung der lösemittelhaltigen Luft während des Waschzyklus (2 min).

  4. 4.

    Absaugung der eventuell noch lösemittelhaltigen Luft nach dem Waschzyklus (2 min).

  5. 5.

    Wiederinbetriebnahme des Trockners.

Fortschrittliche UV-Trocknersysteme können auf Grund des Sicherheitskonzepts von Trockner- und Druckmaschinenhersteller eine erhebliche Verkürzung dieser Waschzeiten im UV-Bogenoffsetdruck realisieren. Dabei kann die maximal theoretische Lösemittel-Konzentration im Trockner rechnerisch ermittelt werden. Unter der Annahme, dass sämtliches eingebrachtes Waschmittel in den Trocknerbereich gelangt, lässt sich mit der abgesaugten Luftmenge, der Waschmittelmenge und Molmasse sowie der Betrachtung als ideales Gas die maximale Konzentration ermitteln. Ist die Luftmenge ausreichend groß, so werden je nach Typ des Waschmittels (Flammpunkt > 55 C) maximale Konzentrationen von weniger 1 % der UEG erreicht.

Auf Grund der Vielfalt an unterschiedlichen Druckmaschinen/-konstruktionen und UV-Trocknersystemen muss im Einzelfall geprüft werden, welche der folgenden Kriterien dabei zum Tragen kommen:

  • Unterdruckregelung des Abluftsystems,

  • Unterdrucküberwachung am UV-Trockner,

  • kontinuierlicher Luftaustausch im Maschinenraum, um das Überschreiten der unteren Explosionsgrenze zu verhindern,

  • konstruktive Optimierung von UV-Trockner und Druckmaschine zur Verhinderung von Totvolumina, in denen eine Anreicherung mit Lösemitteln erfolgen kann,

  • Konzentrationsmessungen zur Überprüfung und Abnahme.

Die vorstehend aufgeführten Kriterien stellen eine mögliche Lösung für diese Systeme dar; es handelt sich hierbei jedoch nicht um verbindliche Anforderungen.