DGUV Information 209-073 - Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betri...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 9.12, Entstaubung von Baustoffmischanlagen
Abschnitt 9.12
Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Titel: Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-073
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9.12 – Entstaubung von Baustoffmischanlagen

9.12.1
Ausgangssituation

Es werden z.B. in der Baustoffindustrie oder in Bergwerken Mischanlagen betrieben, in denen staubförmig angelieferte Stoffe untereinander vermischt oder mit Wasser zu einem pumpfähigen Gemisch angerührt werden. Dabei wird das Schüttgut üblicherweise aus einem Silo in die unterhalb des Silos befindliche Mischanlage ausgetragen und dort gemischt.

Beim Eintrag des Schüttgutes vom Silo in die Mischanlage wird staubhaltige Verdrängungsluft freigesetzt. Zur Abführung dieser Verdrängungsluft wird häufig am Abluftstutzen des Mischers ein einfacher Filterbeutel, z.B. aus Baumwolle befestigt, der als "Entlüftungsfilter" dienen soll (siehe Abbildung 39). Diese verbreitete Technik hat im Betrieb weit reichende Nachteile.

Abbildung 39: Anlage mit Filterbeutel

Probleme:

  • Der Überdruck im Mischbehälter steigt kontinuierlich an und führt zu Staubaustritt aus der Beobachtungsöffnung und aus Undichtigkeiten der Anlage.

  • Es kommt zu Staubemissionen aus dem Filtermedium selbst, da es weder abgereinigt noch überwacht werden kann. Feinstaub wird durch das Filtermedium nicht zurückgehalten.

  • Zusätzlich ist der Beschäftigte beim häufig erforderlichen Aus- und Einbau des Filterbeutels exponiert.

Messergebnisse

In so entlüfteten Mischanlagen für Baustoffe wurden personenbezogene Konzentrationen von einatembaren Staub (E-Staub) bis zu 40 mg/m3 (Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) = 10 mg/m3) gemessen. Ferner wurden Überschreitungen der bis Ende 2004 geltenden Luftgrenzwerte für einzelne Gefahrstoffe (Quarzfeinstaub, Schwermetalle) festgestellt.

9.12.2
Kriterien für lufttechnische Maßnahmen

Ein geeignetes Entstaubungssystem für Mischanlagen sollte die im Mischbehälter anfallende Verdrängungsluft durch direkte Absaugung am Mischbehälter erfassen. Ein geringfügiger Unterdruck im Mischer kann Undichtigkeiten ausgleichen. Durch richtige Wahl des Filtermediums, des Abreinigungssystems und richtige Dimensionierung sollte das Filter auch bei nasser Luft in Verbindung mit hygroskopischen Stäuben abreinigbar bleiben. Die gereinigte Luft sollte ins Freie abgeführt werden.

9.12.3
Getroffene Maßnahmen

Es wurde eine aktive Trockenentstaubung durch Aufbau eines filternden Abscheiders mit Ventilator an Stelle des Filterbeutels eingesetzt. Im Mischbehälter wird ein geringfügiger Unterdruck erzeugt, die staubhaltige Verdrängungsluft strömt in das Filtergehäuse, der Staub wird an den Filterelementen abgeschieden und die Reinluft über Dach ins Freie geführt. Die Filterelemente mit PTFE-Membrane werden durch ventilgesteuerte Druckluftimpulse vollautomatisch abgereinigt. Das Filter ist Platz sparend in den Stahlbau oberhalb der Mischanlage integriert und der Austrag des abgeschiedenen Staubes erfolgt direkt zurück in den Mischer. Um bei Nassmischern ein Anbacken des Staubes zu vermeiden, wird trockene Raumluft mit angesaugt oder gegebenenfalls eine Isolierung oder Beheizung des Filtergehäuses vorgesehen.

Abbildung 40: Filternder Abscheider mit Ventilator an Stelle des Filterbeutels

Technische Daten (Beispiel)

Volumenstrom: 600 m3/h

Filter: Taschen-Jetfilter

Filterfläche: 6 m2

Filtermedium: Polyester-Nadelfilz mit PTFE-Membrane

Abreinigung: Druckluft 5 bar

Vorteile:

erhebliche Expositionsminderung; wartungsfreier und vollautomatischer Betrieb;

kürzere Reinigungszeit;

weniger Verschleiß;

Kontrollmessungen nach TRGS 402 können entfallen.

Messergebnis: Die E-Staubkonzentration im Arbeitsbereich verminderte sich auf 0,2 mg/m3.