DGUV Information 209-073 - Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betri...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 9.5, Spritz- und Pulverlackieren
Abschnitt 9.5
Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Titel: Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-073
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9.5 – Spritz- und Pulverlackieren

9.5.1
Ausgangssituation

Beim Spritzlackieren entstehen feine Tröpfchen, so genannte Lackaerosole, die in den Atembereich des Lackierers gelangen können. Das Einatmen führt zu einer erheblichen Gesundheitsgefährdung, da die verwendeten Lacke in der Regel Gefahrstoffe enthalten. Auch beim Pulverlackieren werden Atemwege und Lunge durch die entstehenden Pulverwolken belastet. Weiterhin ist die Haut gefährdet, wenn sich Tröpfchen oder Pulver dort niederschlagen. Es kann dann z.B. zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Je nach Zusammensetzung des Lackes ist darüber hinaus mit Brand- und Explosionsgefährdungen zu rechnen. Bei Flüssiglacken entsteht ein explosionsfähiges Gemisch durch Verdunstung des im Lack enthaltenen Lösemittels, bei Pulverlacken durch entsprechende Konzentration des brennbaren Pulvers in Luft.

Auf Grund der genannten Gefährdungen sind Spritzlackierarbeiten grundsätzlich nur in gesonderten Räumen oder Bereichen und bei Einsatz von technischen Lüftungsmaßnahmen erlaubt.

9.5.2
Kriterien für lufttechnische Maßnahmen

Aufgabe der technischen Lüftung ist es, den Anteil des Lackaerosols oder Beschichtungspulvers, der sich nicht auf dem Werkstück niederschlägt, möglichst vollständig zu erfassen und aus dem Arbeitsbereich abzuführen.

Dabei müssen die getroffenen lufttechnischen Maßnahmen den folgenden Kriterien genügen:

  • ausreichender Gesundheitsschutz, also die Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW),

  • wirksamer Explosionsschutz, also die sichere Unterschreitung der unteren Explosionsgrenze (UEG).

In Hinblick auf den Explosionsschutz hat der Betreiber zwei Möglichkeiten, die Gefährdungen zu bewerten und die entsprechenden Maßnahmen abzuleiten:

  • Festlegung nach der Höhe des Flammpunktes.

  • Festlegung der explosionsgefährdeten Bereiche und Einteilung in Zonen nach dem Konzentrationskriterium. Neuere, in Übereinstimmung mit den europäischen Normen gebaute Lackieranlagen für das Handbeschichten dürfen nach diesem Kriterium im Lackierbereich eine Lösemittelkonzentration von 25 % der UEG (entspricht Ex-Zone 2 bzw. Zone 22) nicht überschreiten.

In Hinblick auf die Gesundheitsgefährdung des Lackierers nimmt das Lackaerosol eine Sonderstellung ein. Grenzwerte sind lediglich für einzelne Komponenten des Lackes festgelegt, z.B. für Lösemittel. Für Lacke existieren wegen der Vielfalt an Rezepturen keine Grenzwerte.

Der abgesaugte Lacknebel flüssiger Beschichtungsstoffe wird über Nassabscheider oder Filter abgeschieden und muss entsorgt werden. Beim Pulverbeschichten kann der so genannte Overspray wieder verwendet werden, da während der Applikation in der Regel noch keine Vernetzung erfolgt.

In der Praxis haben sich im Wesentlichen auf Grund der großen Bandbreite unterschiedlicher Beschichtungsaufgaben drei Bauformen als besonders praktikabel erwiesen:

  • Spritzkabinen,

  • Spritzstände,

  • Spritzwände.

9.5.3
Getroffene Maßnahmen

Bei dem nachfolgenden Praxisbeispiel Stuhllackierung zeigen Gefahrstoffmessungen, dass mit dem Spritzstand die höchste Wirksamkeit der drei genannten Erfassungsarten erzielt wird.

Optimale Arbeitsbedingungen werden wie folgt erreicht:

  • Der Spritzstand ist an allen Seiten geschlossen mit Ausnahme der Ein- und Auslassöffnungen für die Werkstücke und der Abluftleitungen an den Seitenwänden.

  • Die Luftgeschwindigkeit der technischen Lüftung beträgt im Mittelwert 0,5 m/s, an keiner Stelle jedoch unter 0,4 m/s.

  • Das Werkstück ragt nicht über den Spritzstand hinaus.

  • Die offene Zugangsseite dient als Einlassöffnung für die Zuluft und als Zugang für den Lackierer.

  • Der Lackierer steht während der Tätigkeit hinter oder seitlich vom Werkstück.

  • Der Spritzstrahl wird in Richtung zur Absaugwand aufgetragen mit einer Abweichung von nicht mehr als 30 zur Mittelachse.

  • Benutzung der bereitgestellten persönlichen Schutzausrüstungen (Augenschutz, Körperschutz).

Sind diese Bedingungen vollständig eingehalten, werden in der Regel sowohl die Kriterien des Gesundheitsschutzes als auch des Explosionsschutzes erfüllt.

Abbildung 25: Spritzstand

9.5.4
Weitergehende Informationen

Unfallverhütungsvorschrift "Verarbeiten von Beschichtungsstoffen" (BGV D25),

"Explosionsschutz-Regeln (EX-RL)" (BGR 104),

BG-Regel "Schutzmaßnahmenkonzept für Spritzlackierarbeiten - Lackaerosole" (BGR 231),

BG-Information "Lackierräume und -einrichtungen für flüssige Beschichtungsstoffe - Bauliche Einrichtungen, Brand- und Explosionsschutz, Betrieb" (BGI 740),

BG-Information "Lackierer" (BGI 557),

BG-Information "Elektrostatisches Beschichten" (BGI 764),

DIN EN 12 215"Beschichtungsanlagen; Spritzkabinen für flüssige organische Beschichtungsstoffe - Sicherheitsanforderungen",
DIN EN 12 981"Beschichtungsanlagen; Spritzkabinen für organische Pulverlacke; Sicherheitsanforderungen",
VDMA 24 381"Anforderungen an Spritzkabinen und kombinierte Spritz- und Trocknungskabinen".