DGUV Information 209-073 - Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betri...

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Abschnitt 7, Zweistufige Checkliste für die Errichtung und Ä...
Abschnitt 7
Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Titel: Arbeitsplatzlüftung Entscheidungshilfen für die betriebliche Praxis (bisher: BGI 5121)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-073
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 7 – Zweistufige Checkliste für die Errichtung und Änderung einer lufttechnischen Anlage

Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, eine lufttechnische Anlage zu planen, ist mit technischen und rechtlichen Anforderungen einerseits und einer nahezu unüberschaubaren Vielfalt an Angeboten möglicher lufttechnischer Anlagen konfrontiert.

Diese Checkliste soll helfen, eine Bestandsaufnahme durchzuführen, die Anforderungen an die lufttechnische Anlage zu formulieren und eingehende Angebote hinsichtlich ihrer Eignung zu vergleichen. So soll vermieden werden, entscheidende Fehler bei Planung und Ausführung zu machen.

Die Checkliste ist in zwei Stufen aufgebaut:

Zunächst wird der Ist-Zustand erhoben. Dabei werden z.B. Fragen zur Raumsituation, der Motivation zur Installation einer lufttechnischen Anlage erhoben.

Im zweiten Schritt werden Randbedingungen formuliert, um möglichst gute Hilfestellungen zur Formulierung der konkreten Anforderungen, die an die Anlage zu stellen sind, zu geben. Hierbei kann es hilfreich sein, sich Unterstützung von der zuständigen Sicherheitsfachkraft oder Ihrer Berufsgenossenschaft einzuholen.

Die Checkliste ist eine Hilfestellung. Sie kann deshalb weder Anspruch auf Vollständigkeit erheben, noch kann sie sachverständigen Rat, der in Zweifelsfällen immer eingeholt werden sollte, ersetzen.

Hinweis: Am Ende dieser BG-Information befindet sich eine Kopiervorlage der Checkliste.

Erste Stufe: Ist-Aufnahme

Nr. Hinweise, PraxistippsHandlungsbedarf (was)Terminverantwortlich
1.1Größe des betroffenen Raumes/HallenbereichesPraxistipp: Je größer der betroffene Hallenbereich ist, desto aufwändiger und teurer wird die lufttechnische Anlage.   
1.2Lage zur Hauptwindrichtung
Besonderheiten der Lage
Hinweis: Die Windrichtung hat Einfluss auf eine natürliche Lüftung. Bei der Lage sind besondere geographische Gegebenheiten, z.B. Muldenlagen, die Nachbarbebauungen und unter anderem stark befahrene Straßen und -kreuzungen von Interesse.   
1.3Anzahl und Lage von Türen, Toren, FensternHinweis: geöffnete Türen/Tore in Windrichtung oder gegenüber beeinflussen die lufttechnische Anlage erheblich.   
1.4typische (Luft-)TemperaturHinweis: Besondere Raumtemperaturen können zu besonderen Anforderungen der lufttechnischen Anlage führen. Im Bereich von 10 bis 40 C gibt es in der Regel keine besonderen Anforderungen.   
1.5Luftfeuchte und deren BesonderheitenHinweis: Treten durch die Arbeiten besonders hohe oder besonders niedrige Luftfeuchten auf?   
1.6Luftgeschwindigkeit/ ZugluftHinweis: Zur Belüftung ist eine gewisse Luftgeschwindigkeit notwendig. Ist diese zu hoch oder auf bestimmte Körperpartien konzentriert, kann es zu Zugerscheinungen kommen.   
1.7Thermikströmungen durch WärmeHinweis: Alle warmen Oberflächen erzeugen Thermikströmungen. Dies kann schon an Oberflächen mit 30 C Oberflächentemperatur auftreten und verstärkt sich, je größer und heißer die Oberfläche ist.   
1.8Vorhandene lufttechnische Anlage(n)Hinweis: Sofern eine lufttechnische Anlage vorhanden ist, können gegebenenfalls Bauelemente weiterverwendet werden. Auch sind weitere Parameter für die Erweiterung der Anlage von Interesse, wie Luftleistungen, Zuluftmenge, Abluftmenge, Luftführung oder dergleichen.   
1.9Grund für die Errichtung/ Erweiterung einer lufttechnischen AnlageHinweis: Es gibt verschiedene Gründe, z.B. ein Gefahrstoffproblem, die Erhöhung der Produktqualität oder den Schutz von Produktionsanlagen.   
1.10Technische/betriebliche MöglichkeitenHinweis: Es geht hier um den Investitionsrahmen und die laufenden Kosten (Betrieb, Wartung, Instandhaltung), die eine lufttechnische Anlage erzeugt. Diese sind vom Planer möglichst exakt abzuschätzen.   
1.11Liste der freigesetzten Stoffe und deren EigenschaftenHinweis: Handelt es sich um partikelförmige Stoffe (Stäube, Rauche, Aerosole) oder Gase? Sind diese Stoffe Gefahrstoffe, und gibt es eventuelle Brand- und Explosions-Gefahren? Sind die Stoffe luftgetragen (Rauche, Gase) oder werden sie von einem Thermikstrom transportiert?   
1.12Quellen für diese StoffeHinweis: Es gibt verschiedene Quellen, unter anderem Maschinen, Arbeitsverfahren, diffuse Quellen.   
1.13Bereits eingesetzte Maßnahmen zur Vermeidung/ Verminderung der StoffeHinweis: Maßnahmen, die bereits eingesetzt werden, reichen nicht aus. Daher ist zu überlegen, an welchen Punkten weitere Maßnahmen sinnvoll sind.   
1.14Weitere Möglichkeiten der Vermeidung/VerminderungHinweis: Die beste Möglichkeit zur Vermeidung ist der Ersatz der Stoffe oder eine Änderung im Arbeitsverfahren. Sofern dies nicht möglich ist oder ausreicht, können mit Hilfe von direkter Erfassung oder Kapselung von Maschinen ebenfalls Verbesserungen erzielt werden.   

Randbedingungen für die Erweiterung bzw. die Errichtung einer lufttechnischen Anlage bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen

Zweite Stufe: Randbedingungen

Nr. Hinweise, PraxistippsHandlungsbedarf (was)Terminverantwortlich
2.1Direkte Erfassung der Stoffe oder RaumlüftungHinweis: Direkte Erfassung ist in der Regel effektiver, da die Stoffe an der Entstehungsstelle erfasst und abgeführt werden. Dies bedeutet meist auch geringere Investitionen und Betriebskosten.   
2.2Erfassungseinrichtungen bei direkter ErfassungHinweis: Wo möglich sind geschlossene Erfassungseinrichtungen (Kapselung) einzusetzen. Falls nicht möglich halboffene oder offene Erfassungseinrichtungen.   
2.3Notwendiger AbsaugvolumenstromHinweis: Der Absaugvolumenstrom ist anhand der Erfassungselemente und der Ausbreitung der Stoffe vom Planer festzulegen.   
2.4Reinigung der abgesaugten Luft, AbluftführungHinweis: Die Reinigung der abgesaugten Luft kann zentral oder dezentral (Gruppen-, Einzelabscheider) erfolgen. Die gereinigte Luft kann in den Raum zurückgeführt (Reinluftrückführung) oder aus der Halle fortgeführt werden. Bei der Reinluftrückführung sind bei krebserzeugenden Stoffen die Technischen Regeln für Gefahrstoffe "Luftrückführung beim Umgang mit krebserzeugenden Gefahrstoffen (TRGS 560) zu beachten. Bei der Fortführung ist die TA Luft immer zu beachten.   
2.5AufstellortHinweis: Die Aufstellung kann außen, in einem separaten Raum oder in der Halle erfolgen.   
2.6Maximale Konzentration in der ReinluftPraxistipp: Die Leistungsfähigkeit ist vom Hersteller schriftlich zu bestätigen.   
2.7AbscheidertypHinweis: Je nach Stoff und Menge können verschiedene Abscheider eingesetzt werden. So gibt es Partikelabscheider (Filternder Abscheider, Nass-, Elektroabscheider) und Gasabscheider. Auch das Abreinigungssystem und der Staubaustrag sind von Interesse. Hier kann eine sachverständige Hilfestellung, z.B. ihrer Berufsgenossenschaft, bei der Auswahl weiterhelfen.
Praxistipp: Referenzen einholen, und gegebenenfalls besichtigen
   
2.8LuftleitungenHinweis: Je nach Stoff sind die Bauart, die verwendeten Werkstoffe, die Druckverluste sowie die strömungsgünstige Verlegung und Wartungsöffnungen zu berücksichtigen.   
2.9Druckverluste im System, VentilatorenHinweis: Es sind vom Planer die Gesamtdruckdifferenz von Leitungen und Abscheider zu ermitteln. Danach sind geeignete Ventilatoren auszuwählen: Niederdruck- (Axial)-, Mitteldruck- (Radial)-ventilator oder Hochvakuumerzeuger, je nach Anforderung.   
2.10Volumenstrom beim tatsächlichen AnlagendruckverlustHinweis: Es sind der Leistungsbedarf bzw. die Motorleistung zu ermitteln. Wie hoch ist der Schallpegel und welcher Wartungsbedarf liegt vor bei Einsatz eines Direkt- oder Riemenantriebes?
Praxistipp: Diese Daten können der Ventilatorkennlinie von Fachleuten entnommen werden. Hierzu kann Ihre Berufsgenossenschaft Hilfestellung geben.
   
2.11Raumlüftung zum Ersatz der abgesaugten Luft oder zusätzlich erforderlichHinweis: Sofern Luft abgesaugt wird, muss frische Luft nachströmen. Soll dies durch Fenster- und Türenlüftung erfolgen, ist dies zu jeder Zeit zu gewährleisten, auch bei Regen oder im Winter.   
2.12LuftführungHinweis: Es gibt zwei Prinzipien der Raumlüftung, die als Mischlüftung und Schichtenströmung bezeichnet werden. Beide werden im Abschnitt 4 dieser BG-Information kurz beschrieben.   
2.13WärmerückgewinnungHinweis: Aus Gründen der Energieeinsparung ist die Wärmerückgewinnung zu prüfen. Weitere Informationen siehe Abschnitt 5.5 und Anhang 4.   
2.14Technische DokumentationHinweis: Zur Dokumentation gehören Betriebsanleitung (mit bestimmungsgemäßer Verwendung), Wartungsanleitung (mit Wartungsplan) und Sicherheitshinweise. Auch eine Konformitätserklärung (CE) sowie die Schulung für Wartung und Betrieb sind hier zu nennen.   
2.15AbnahmeprüfungHinweis: Bei der Abnahme ist die Vollständigkeit zu überprüfen, es ist eine Funktionsprüfung mit Messung der Volumenströme durchzuführen. Zu einer Abnahmeprüfung gehören auch die Messung der Arbeitsplatzkonzentration sowie die Messung der Emissionswerte.   
2.16AuftragsvergabeHinweis: Vertragsbestandteil sollte sein:   
-Einhaltung der einschlägigen Anforderungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz,
-Festlegung der Sollwerte der Anlage,
-Abnahmeprüfung in Anlehnung an DIN EN 12599.