DGUV Information 214-030 - Gesundheitsschutz, Hygiene und arbeitsmedizinische Vo...

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Abschnitt 1.2, Welche Mikroorganismen sind in Abfallbehandlu...
Abschnitt 1.2
Gesundheitsschutz, Hygiene und arbeitsmedizinische Vorsorge in Abfallbehandlungsanlagen - unter besonderer Berücksichtigung biologischer Arbeitsstoffe - (bisher: BGI 5093)
Titel: Gesundheitsschutz, Hygiene und arbeitsmedizinische Vorsorge in Abfallbehandlungsanlagen - unter besonderer Berücksichtigung biologischer Arbeitsstoffe - (bisher: BGI 5093)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 214-030
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.2 – Welche Mikroorganismen sind in Abfallbehandlungsanlagen zu erwarten?

Es ist bekannt, dass in Abfallbehandlungsanlagen eine Vielzahl von Mikroorganismen sowohl luftgetragen als auch am Material anhaftend vorkommen kann. Konzentration und das Artenspektrum sind auch davon abhängig, aus welchen Quellen das Sortiermaterial stammt und welche Lagerdauer das Material vorher hatte. Auch jahreszeitliche Einflüsse wirken sich aus. Im Sommer ist die Konzentration höher als im Winter; in der Regel bedingt Material aus Stadtkreisen eine größere Konzentration und ein anderes Artenspektrum als jenes aus Landkreisen. Eine Lagerdauer von mehreren Tagen in der Anlage führt ebenfalls zu einer signifikanten Erhöhung der Mikroorganismenzahl. Daher ist die über den Tagesdurchsatz hinaus gehende Lagerung von Abfällen gemäß TRBA 214 in der Regel unzulässig.

Neben einer meist aus Saprophyten (Pilzen) bestehenden Grundbelastung treten im Ausgangsmaterial auch einige bakterielle oder virale Krankheitserreger für Mensch und Tier auf.

Im Kanon der obligat und fakultativ pathogenen Bakterien kommen vor:

  • Citrobacter,

  • Clostridien (Tetanus!),

  • Enterobacter,

  • Escherichia coli,

  • Klebsiellen,

  • Salmonellen,

  • Staphylokokken,

  • Streptokokken,

  • Yersinien.

Weitaus bedeutsamer tragen jedoch luftgetragene Schimmelpilze zur Gefährdung in Abfallbehandlungsanlagen bei. Hierbei sind erstrangig zu nennen

  • Penicillium-Arten,

  • Aspergillus-Arten (z.B. asper gillus niger und aspergillus fumigatus),

aber auch Arten aus den Gattungen

  • Mucor und

  • Alternaria.

Schimmelpilz-Kolonien auf einem Nährboden.

Es sind bereits über 10.000.000 koloniebildende Einheiten Gesamtschimmelpilze pro m3 (KBE/m3) Luft an Arbeitsplätzen gemessen worden. Die mittlere Konzentration (Median) beträgt derzeit 100.000 KBE/m3 in der Sortierkabine von Kompostwerken und Wertstoffsortieranlagen. In Anlagen mit fortschrittlicher Lüftungstechnik und einer sehr guten Hygiene am Arbeitsplatz kann die Konzentration auf etwa 5.000 bis 30.000 KBE/m3 reduziert werden. Wird ein Wert von 50.000 KBE/m3 überschritten, so ist nach TRBA 214 davon auszugehen, dass die Schutzmaßnahmen nicht ausgeschöpft sind, und entsprechende Maßnahmen sind umzusetzen. Auf den Technischen Kontrollwert wird im Abschnitt 1.6 "Grenzwerte" näher eingegangen. Bei der Betrachtung von Arbeitsplätzen im Anlieferungsbereich der Halle ist in der Regel mit Konzentrationen um 1.000.000 KBE/m3 zu rechnen. Zum Vergleich: Durchschnittliche Außenluft enthält in der Regel 500-1.000 KBE/m3.

Anlagenfließbild einer Wertstoffsortieranlage

(rot: besonders hohe Emissionen biologischer Arbeitsstoffe)

Über das Auftreten von Viren ist weniger bekannt. Ihr Vorkommen, vor allem das von Hepatitis- oder HI-Viren, ist jedoch in der jeweiligen Gefährdungsbeurteilung insbesondere dann zu berücksichtigen, wenn bekannt ist, dass sich im zu behandelnden Abfall Fäkalien, z.B. durch Windeln, oder Spritzen aus Arztpraxen und Kliniken sowie aus von Drogensüchtigen frequentierten Parks befinden können.

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