DGUV Information 215-441 - Büroraumplanung Hilfen für das systematische Planen u...

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Abschnitt 3.2, 3.2 Anordnung der Arbeitsplätze im Raum
Abschnitt 3.2
Büroraumplanung Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros (DGUV Information 215-441)
Titel: Büroraumplanung Hilfen für das systematische Planen und Gestalten von Büros (DGUV Information 215-441)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-441
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.2 – 3.2 Anordnung der Arbeitsplätze im Raum

Die Arbeitsplätze sollen so angeordnet werden, dass die Beschäftigten ausreichende Bewegungsfreiheit haben und bei ihren Bewegungsabläufen nicht behindert werden. Außerdem müssen sie die Möbel ungehindert öffnen und nutzen können, ohne dass sie sich dabei verletzen. Dafür sind die notwendigen Flächenmaße und Flächenüberlagerungen zu beachten. Darüber hinaus sind ausreichend breite Verkehrswege notwendig.

Flächenbedarf am Arbeitsplatz

  • Stellfläche

  • Bewegungsfläche am Arbeitsplatz

  • Benutzerfläche am persönlich zugewiesenen Arbeitsplatz im Bürobereich

  • Benutzerflächen an Besucher- und Besprechungsplätzen, Schränken usw. im Bürobereich

  • Funktionsfläche

  • Verkehrs-/Fluchtwegefläche

Zusätzlich beachten:

  • Überlagerungsmöglichkeiten der Flächen

  • Spezielle Anforderungen hinsichtlich Barrierefreiheit

Die Festlegungen für die notwendigen Flächen an Arbeitsplätzen im Allgemeinen enthalten die Technischen Regeln für Arbeitsstätten

ASR A1.2 "Raumabmessungen und Bewegungsflächen"

ASR A1.8 "Verkehrswege"

ASR A2.3 "Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan"

ASR V3a.2 "Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten".

In dieser DGUV Information werden außerdem weitergehende Anforderungen an Flächen für die Aufstellung und Benutzung von Möbeln im Bürobereich aufgeführt.

Stellflächen sind die Projektionsflächen der Arbeitsmittel und Ausstattungsgegenstände auf dem Boden, unabhängig davon, ob diese den Boden berühren oder nicht.

Dies können z. B. sein: Büromöbel, Büromaschinen, Computer, Leuchten, Pflanzenkübel (Abb. 5 u. 6). Stellflächen an einem Arbeitsplatz dürfen sich überlagern - z. B. Tisch und Untertischcontainer, Computer, Stehleuchte. Die erforderliche Beinraumfreiheit muss gewährleistet bleiben (Abb. 3)

Abb. 5 Stellfläche eines Arbeitstisches und eines Containers

Abb. 6 Stellfläche einer Stehleuchte und eines Schrankes

Bewegungsflächen nach ASR A1.2 sind zusammenhängende unverstellte Bodenflächen am Arbeitsplatz, die mindestens erforderlich sind, um den Beschäftigten bei Ihrer Tätigkeit wechselnde Arbeitshaltungen sowie Ausgleichsbewegungen zu ermöglichen.

Ausreichende Bewegungsflächen sind notwendig, um die natürlichen Bewegungsabläufe des Menschen zu ermöglichen und wechselnde Körperhaltungen (dynamisches Sitzen und Stehen) zu fördern (Abb. 7).

Bei regelmäßig genutzten Arbeitsplätzen muss die Bewegungsfläche mindestens 1,50 m2 betragen.

Darüber hinaus sind folgende Mindestmaße vorzusehen:

Tiefe: 1.000 mm

Breite: 1.000 mm

Die Anforderungen gelten gleichermaßen für Arbeitsplätze, an denen im Sitzen und an denen im Stehen - z. B. Counterarbeitsplätze - gearbeitet wird. Bei Arbeitsplätzen mit stehender nicht aufrechter Körperhaltung ist für die Bewegungsfläche eine Mindesttiefe von 1.200 mm vorzusehen. Rollstuhlfahrende benötigen am Arbeitstisch eine Bewegungsfläche von 1.500 1.500 mm. Bei hinreichender Unterfahrbarkeit des Arbeitstisches kann die Tiefe der Bewegungsfläche auf bis zu 1.200 mm verringert werden.

Bewegungsflächen an Arbeitsplätzen dürfen nicht verstellt und überlagert werden (Ausnahmen siehe Benutzerflächen).

Abb. 7 Bewegungsflächen an Arbeitstischen

Benutzerflächen im Bürobereich sind unverstellte Bodenflächen an Arbeits- und Besprechungsplätzen oder einzelnen Möbeln, die zu einer funktions- und sachgerechten Ausübung der jeweiligen Tätigkeit für den Benutzer mindestens erforderlich sind.

Die Breite der Benutzerfläche erstreckt sich i.d.R. über die gesamte Breite des Möbels, das für eine Nutzung vorgesehen ist.

Mindesttiefe der Benutzerfläche:

  • 1.000 mm an Arbeitsplätzen, die regelmäßig über einen längeren Zeitraum genutzt werden (Abb. 8)

  • 800 mm an Besprechungsplätzen

  • 600 mm an Besprechungsplätzen, sofern die Benutzerfläche rückseitig frei zugänglich ist und eine Bein- und Fußraumtiefe von 800 mm eingehalten wird (Abb. 9)

  • 800 mm an Schränken oder Regalen (Abb. 10)

  • Auszugtiefe zuzüglich einem Sicherheitsabstand von mindestens 500 mm für stehende Tätigkeiten an Möbeln mit Auszügen (Abb. 11)

Abb. 8 Benutzerfläche am Arbeitstisch mit Container

Abb. 9 Benutzerflächen an Besprechungsplätzen

Benutzerflächen dürfen grundsätzlich nicht verstellt und überlagert werden. Eine Ausnahme stellt z. B. der selbstgenutzte Büroarbeitsstuhl dar. Zudem dürfen Benutzerflächen nicht von Bewegungs- oder Benutzerflächen anderer Arbeitsplätze oder Verkehrswegeflächen überlagert werden (Abb.13). In die Benutzerflächen von Arbeits- und Besprechungsplätzen dürfen keine Funktionsflächen von z. B. allgemein genutzten Schränken ragen. Jedoch können die Benutzerflächen durch Benutzer- und Funktionsflächen von nur an diesem Arbeitsplatz genutzten Schränken überlagert werden (Abb. 12).

Rollstuhlfahrende benötigen am Arbeitstisch eine Bewegungsfläche von 1.500 1.500 mm. Bei hinreichender Unterfahrbarkeit des Arbeitstisches kann die Tiefe der Bewegungsfläche auf bis zu 1.200 mm verringert werden.

Abb. 10 Benutzerfläche an Schränken und Regalen

Abb. 11 Ermittlung der Benutzerfläche an einem Schrank mit Auszügen

Abb. 12 Zulässige Überlagerung von Bewegungs-/Benutzerflächen und Funktionsfläche

Abb. 13 Unzulässige Überlagerung von Bewegungs-/Benutzerflächen

Funktionsflächen sind Bodenflächen, die durch bewegliche Teile von Arbeitsmitteln, Einbauten und Einrichtungen wie z. B. Büromöbeln überdeckt werden.

Funktionsflächen mehrerer Möbel dürfen sich grundsätzlich nicht überlagern.

Werden Möbel oder andere Arbeitsmittel nur an einem Arbeitsplatz genutzt, dürfen sich deren Funktionsflächen überlagern. Dies gilt auch für Möbel/Arbeitsmittel, die mehreren Personen zugeordnet sind, sofern diese nicht gleichzeitig und nur gelegentlich genutzt werden. Ein Beispiel hierfür sind die Funktionsflächen von über Eck aufgestellten Flügeltürenschränken.

Quetsch- und Scherstellen sind grundsätzlich zu vermeiden.

Abb. 14 Funktionsfläche eines Flügeltürenschrankes

Abb. 15 Funktionsfläche eines Registraturschrankes

Verkehrswegeflächen in Bürobereichen sind im Allgemeinen Bodenflächen, die für den Fußgängerverkehr bestimmt sind.

Fluchtwegeflächen sind nach ASR A2.3 Bodenflächen, die zur Flucht aus einem möglichen Gefährdungsbereich und i.d.R. zugleich der Rettung von Personen dienen.

In Bürobereichen müssen ausreichend breite Verkehrswege nach ASR A1.8 vorhanden sein, damit die Beschäftigten und auch andere Personen ungehindert zum Beispiel zu ihren Arbeitsplätzen, zu Schränken oder zum Bedienbereich an den Fenstern gelangen können. Sie müssen auch als Fluchtwege geeignet sein. Ihre Breite richtet sich nach der Zahl der Benutzer und muss die Mindestmaße in der Tabelle 1 aufweisen.

Außerdem müssen Gänge zu persönlich genutzten Arbeitsplätzen mindestens 600 mm, Wartungsgänge und Gänge zu gelegentlich genutzten Betriebseinrichtungen - zum Beispiel zum Öffnen der Fenster, zum Betätigen der Heizkörperventile - mindestens 500 mm breit sein (Abb. 16). Auf Gänge zu gelegentlich genutzten Betriebseinrichtungen kann verzichtet werden, wenn alle Bedienelemente - zum Beispiel Heizkörperventil, Fenstergriff, Bedienelement der Sonnenschutzvorrichtung - frei zugänglich sind und entsprechende Maßnahmen zum Reinigen der Fenster getroffen sind.

Mindestbreite von Verkehrs- bzw. Fluchtwegen
- in Abhängigkeit der Benutzeranzahl -
BenutzeranzahlLichte BreiteMögliche Einschränkungen der lichten Breite
bis 5875 mmDie lichte Breite darf jedoch an keiner Stelle weniger als 800 mm betragen.
bis 201.000 mmEine Unterschreitung der Mindestbreite der Flure von maximal 150 mm an Türen kann vernachlässigt werden.
bis 2001.200 mm
bis 3001.800 mm
bis 4002.400 mm
Tabelle 1

In der ASRV3a.2 werden Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung von Verkehrswegen gestellt. Zum Beispiel müssen die lichte Breite von Verkehrswegen mindestens 1.000 mm und von Türen mindestens 900 mm aufweisen.

Verkehrs- und Fluchtwege dürfen nicht verstellt werden oder sich mit Bewegungs-, Benutzer- oder Funktionsflächen überlagern. Eine Ausnahme stellt zum Beispiel die Funktionsfläche eines Containers dar. Diese darf sich mit den Bewegungs- und Benutzerflächen oder mit Gängen zu einem von der selben Person genutzten Arbeitsplatz überlagern. Voraussetzung ist, dass sich die Auszüge im Gefahrfall schnell und leicht schließen lassen oder eine Zugangsbreite von mindestens 600 mm verbleibt. Verkehrswegeflächen können die Benutzerflächen der von allen Beschäftigten im Raum genutzten Schränke überlagern, wenn diese nur gelegentlich genutzt werden. Deren Funktionsflächen dürfen nicht in den Verkehrsweg ragen (Abb. 18 und 19).

Abb. 16 Verbindungsgang zum persönlich zugewiesenen Arbeitsplatz und Bediengang

Abb. 17 Verkehrs-, Funktions- und Benutzerflächen bei häufig genutzten Schränken

Abb. 18 Verkehrs-, Funktions- und Benutzerflächen bei gelegentlich genutzten Schränken

Abb. 19 Verkehrs- und Benutzerflächen bei gelegentlich genutzten Möbeln ohne Funktionsfläche z. B. Regale

Für die Planung und Einrichtung von Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen gibt die ASR A1.2 "Raumabmessungen und Bewegungsflächen" Richtwerte vor. In Büroräumen ist für diese Arbeitsplätze eine Grundfläche von 8 m2 bis 10 m2 vorzusehen. Für Arbeitsplätze in Großraumbüros ist angesichts des höheren Verkehrsflächenbedarfs und ggf. größerer Störwirkungen von einer Grundfläche von 12 m2 bis 15 m2 auszugehen. Außerdem sind die besonderen Anforderungen von Beschäftigten mit Behinderungen zu berücksichtigen, aus denen sich ein größerer Flächenbedarf ergeben kann.

Für Besprechungsbereiche kann ein zusätzlicher Flächenbedarf notwendig sein.

Unabhängig von den oben genannten Richtwerten dürfen als Arbeitsräume nur Räume genutzt werden, deren Grundflächen mindestens 8 m2 für einen Arbeitsplatz, zuzüglich mindestens 6 m2 für jeden weiteren Arbeitsplatz betragen.

Darüber hinaus sind die Mindestanforderungen der ASR A1.2 zu Raumhöhen und Luftraum zu berücksichtigen.

Raumhöhe

Die erforderliche lichte Höhe von Räumen ist abhängig von: den Bewegungsfreiräumen für die Beschäftigten, der Nutzung der Arbeitsräume, den technischen Anforderungen, z. B. Platzbedarf für Lüftung und Beleuchtung, und den Erfordernissen hinsichtlich des Wohlbefindens der Beschäftigten.

Außerdem steht die Höhe in Abhängigkeit von deren Grundfläche. Sie muss mindestens die nachstehenden Anforderungen erfüllen:

  • bei bis zu 50 m2 mindestens 2,50 m

  • bei mehr als 50 m2 mindestens 2,75 m

  • bei mehr als 100 m2 mindestens 3,00 m

  • bei mehr als 2.000 m2 mindestens 3,25 m

Wenn auf Basis einer Gefährdungsbeurteilung keine gesundheitlichen Bedenken bestehen, können die genannten Maße um 0,25 m reduziert werden. Jedoch darf eine Höhe von 2,50 m nicht unterschritten werden, es sei denn das Landesbaurecht sieht andere Maße vor (siehe ASR A1.2).

Sollen Büros durch den Rückbau von Wänden z. B. zu Gruppen- oder Großraumbüros gewandelt werden, ist die der neuen Grundfläche zugeordnete Raumhöhe zu berücksichtigen. Büros sind so einzurichten, dass der freie Mindestluftraum durch das Volumen von Einbauten für jeden ständig anwesenden Beschäftigten nicht verringert wird.

Der Luftraum muss mindestens betragen:

  • 12 m3 bei überwiegend sitzender Tätigkeit

  • 15 m3 bei überwiegend nichtsitzender Tätigkeit

  • 10 m3 für jede zusätzliche Person die sich nicht nur vorübergehend aufhält (dies gilt nicht für Schulungs- und Besprechungsräume)

Anordnung der Arbeitsplätze

Die Anordnung der Arbeitsplätze im Raum beeinflusst die Möglichkeiten zur Konzentration, Kommunikation und Zusammenarbeit. Die Gestaltungsvarianten in einem Raum hängen stark von den Voraussetzungen des jeweiligen Raumes ab. Allgemein sollten bei der Planung der Anordnung der einzelnen Arbeitsplätze folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Die Arbeitsplätze im Raum entsprechend den Arbeitsaufgaben und Arbeitsabläufen zueinander anordnen

  • Arbeitsplätze sollten eine Sichtverbindung nach außen und ausreichend Tageslicht haben

  • Arbeitsplätze möglichst entlang der Fensterfront anordnen, weniger in der Raumtiefe

  • Arbeitsplätze mit Blickrichtung parallel zur Fensterfront anordnen. Blendungen und Spiegelungen auf dem Bildschirm durch Tageslicht werden dadurch gering gehalten

  • Arbeitsplätze für die Kommunikation untereinander in Blockaufstellung, nicht mit Blick zur Wand anordnen

  • Arbeitsplätze so einrichten, dass man möglichst störungsfrei sprechen oder telefonieren kann - gegebenenfalls zum Beispiel Stellwände mit schallabsorbierenden Eigenschaften einsetzen

  • Bei der Anordnung der Arbeitsplätze auch berücksichtigen, dass die Beschäftigten eine angemessene Privatsphäre wahren können. Arbeitsplätze mit "Türen im Rücken" und an häufig frequentierten Verkehrswegen sollten vermieden werden

  • Barrierefreie Arbeitsgestaltung berücksichtigen - zum Beispiel für Rollstuhlfahrende am Arbeitsplatz mehr Fläche einplanen, Schränke entsprechend anordnen, Arbeitstische und gegebenenfalls andere Möbel unterfahrbar einplanen, Greifraum in der Höhe für Bedienelemente an Möbeln, Sonnenschutz und Fenster berücksichtigen. Bei Sehbehinderungen auf visuell kontrastreiche Gestaltung achten

  • Bei der Anordnung der Arbeitsplätze sind auch ästhetische Kriterien zu berücksichtigen