DGUV Information 206-002 - Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundh...

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Abschnitt 1.5, Die Berufsgenossenschaft
Abschnitt 1.5
Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Titel: Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.5 – Die Berufsgenossenschaft

• Die Untersuchung von Unfällen ist eine der Aufgaben der Präventionsabteilungen der gesetzlichen Unfallversicherungen. Ziel der Unfalluntersuchung ist es, die Unfallursachen möglichst vollständig zu ermitteln, um Maßnahmen festzulegen, damit sich dieser oder ein ähnlicher Unfall nicht wiederholt.

Im Zusammenhang mit schweren oder tödlichen Arbeitsunfällen hat die gesetzliche Unfallversicherung ein Interesse an einer Sachverhaltsaufklärung. Dies ist in erster Linie im Hinblick auf Präventionsmaßnahmen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz erforderlich.

• Ereignet sich ein tödlicher oder schwerer Unfall, wird dieser direkt vom Unternehmen an die Berufsgenossenschaft gemeldet. Noch am selben Tag kommt die zuständige Aufsichtsperson in den Betrieb und ermittelt den Unfallhergang und die Unfallursachen. Dazu befragt die Berufsgenossenschaft Vorgesetzte, Kollegen und Zeugen.

• Grundsätzlich hat der Betrieb die ausdrückliche Verpflichtung, die Berufsgenossenschaft bei der Durchführung der Unfalluntersuchung zu unterstützen.

Diese generelle Mitwirkungspflicht wird jedoch durch § 19 Abs. 3 Siebtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII) eingeschränkt. Danach kann der Unternehmer gegenüber der Aufsichtsperson die Auskunft bei solchen Fragen verweigern, deren Beantwortung ihn selbst oder einen Angehörigen der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aussetzen würde. Das Recht zur Verweigerung von Auskünften dient dem Selbstschutz und bedeutet nicht, dass die betreffenden Personen generell schweigen dürfen, z.B. um andere Personen zu schonen.

Bei den Ermittlungen, insbesondere zur Unfallsituation und zum Unfallhergang, können durchaus Tatbestände festgestellt werden, die Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat (fahrlässige Körperverletzung) geben.

Dem Unternehmer oder auch dem Betriebsangehörigen droht in diesen Fällen die Einleitung eines Straf- oder Ordnungswidrigkeiten-Verfahrens.

Obwohl die Berufsgenossenschaft in erster Linie ermittelt, um ggf. mit dem Betrieb Maßnahmen zur Vermeidung solcher Unfälle entwickeln zu können, ist das Verhältnis zwischen den vom Unfall betroffenen Personen und den Aufsichtspersonen eher angespannt. Zu groß ist die Angst Unfallbeteiligter, etwas Falsches zu sagen, was später anderen oder auch ihnen selbst schaden könnte. Zu groß sind die Befürchtungen der Unternehmer, dass Versäumnisse festgestellt werden - denn niemand ist perfekt - und kostspielige Maßnahmen nach sich ziehen.

Befragungen können, wenn sie noch am Unfalltag erfolgen, bis zu diesem Zeitpunkt noch "gefasste" Personen nervös und sogar aggressiv reagieren lassen. Sie haben ihre Gefühle bisher in sich verschlossen gehalten. Das erzeugt einen seelischen Druck, der irgendwann - oft wie bei einem Ventil mit großer Wucht - entweichen muss. Eine Frage oder eine Formulierung der Aufsichtsperson kann dafür der Auslöser sein.

Auf der anderen Seite sind die Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft auch den Bildern des schrecklichen Unfalls ausgesetzt. Der Anblick der Unfallsituation, der psychisch belasteten Menschen, eventuell sogar der Verstorbenen, geht auch an Ermittlern nicht spurlos vorüber.

Nicht jeder ist im Umgang mit Menschen geschult, die unter seelischen Verletzungen leiden. Auch diese Tatsache kann zu weiterem Stress führen.

Mit der Polizei, dem StAfA und der Berufsgenossenschaft sind gleich drei Institutionen mit der Ermittlung des Unfallhergangs und der Unfallursache betraut.

Sind diese Institutionen nicht zur gleichen Zeit im Unternehmen anwesend, und untersuchen den Unfallhergang einschließlich der Befragung der Zeugen nacheinander, kann dies zu Unmut bei den befragten Betroffenen führen. Sie können nicht verstehen, dass sie ihre Aussage so oft wiederholen müssen und dass sich Polizei, Berufsgenossenschaft und StAfA nicht austauschen können.

Für Unternehmer und Mitarbeiter in Betrieben:

Versuchen Sie zu verstehen, dass die Untersuchungen der Berufsgenossenschaften ihren Versicherten dienen sollen, und dass diese für Sie stattfinden und nicht gegen Sie.

Für Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaft bzw. Beamte des StAfA:

Bedenken Sie, dass Ihr Gesprächspartner eine seelische Krise durchlebt. Bedenken Sie, dass Ihre Fragen bereits von anderen gestellt wurden. Bitten Sie um Verständnis für Ihre Arbeit und erklären Sie genau, was und warum Sie es machen.