DGUV Information 206-002 - Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundh...

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Abschnitt 5.1, Bewältigungsstrategien nach Mitchell
Abschnitt 5.1
Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Titel: Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.1 – Bewältigungsstrategien nach Mitchell31

Um die Faktoren, die Belastungen auslösen können, zu vermeiden, nennt Mitchell drei Bewältigungsstrategien:

  1. 1.

    Kognitive Neubewertung

    Nach dem Erleben eines schlimmen Ereignisses kreisen die Gedanken um die negativen Eindrücke (das laute Geschrei, grausame Bilder) und Folgen ("Ohne ihn kann ich nicht leben!", "Jetzt kann ich meinen Beruf an den Nagel hängen!", "Die werden mich bestimmt entlassen.")

    Gelingt es aber, dem belastenden Ereignis auch positive Bewertungen abzugewinnen, kann die psychische Belastung abschwächt und die Belastungsreaktionen gemildert werden.

    In dem tragischen Ereignis wird dabei etwas Gutes gesehen; es wird z.B. genutzt, um eine wertvolle Lehre daraus zu ziehen. Anstatt zu klagen sind die Betroffenen froh, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist. Anstatt zu befürchten, an dieser Erfahrung zu zerbrechen, hoffen sie, daran zu reifen und gestärkt zu werden.

  2. 2.

    Erregung vermindern

    Viele Akute Belastungsreaktionen gehören zur Gruppe der Erregungszustände. Die einen empfinden die Belastung nur als innere Unruhe, die sich in erhöhtem Blutdruck, starkem Herzklopfen oder Herzrasen, schnellerer Atmung, Schwindel usw. zeigt. Bei anderen ist diese Unruhe erkennbar. Sie laufen umher, sind hektisch, sprunghaft, laut usw.

    Eine Vielzahl von Techniken kann diese Erregungszustände mindern und für Entspannung sorgen. Dazu gehören:

    • Meditation,

    • autogenes Training,

    • progressive Relaxation nach Jacobson,

    • Biofeedback,

    • Atemtechniken,

    • nach innen geschaute Bilder.

    Solche Entspannungstechniken müssen allerdings erlernt werden.32 Entsprechende Kurse werden z.B. von den Krankenkassen und Volkshochschulen angeboten.

  3. 3.

    Stressreaktionen ausdrücken

    Es ist nachgewiesen, dass das Ausdrücken und Ausleben von Belastungen diese mindert.

    Dies kann verbal geschehen, indem darüber gesprochen wird, wie das Ereignis erlebt wurde und welche Reaktionen die Betroffenen an sich selbst feststellen.

    Als weitere Methoden können Strategien der Bewegung angewandt werden. Dazu gehören z.B. Sport und Fitnesstraining.

31

Müller-Lange, Handbuch Einsatznachsorge, S. 40 f.

32

Selbstanleitungen zu verschiedenen Methoden der Entspannung bietet Angelika Wagner-Link in der Broschüre "Der Stress", herausgegeben von der Techniker Krankenkasse (TKK)