DGUV Information 206-002 - Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundh...

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Abschnitt 3.5, Kollegen/Kolleginnen aus anderen Abteilungen ...
Abschnitt 3.5
Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Titel: Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.5 – Kollegen/Kolleginnen aus anderen Abteilungen nach Abschluss der Rettungs- und Ermittlungsmaßnahmen

Eine andere Gruppe sekundär Betroffenener sind Mitarbeiter, die in einem zeitlichen Abstand zum Unfallgeschehen an die Unglücksstelle kommen.

Dies können Arbeitskollegen und -kolleginnen aus anderen Hallen bzw. von Arbeitsplätzen sein, die an oder in der Nähe der Unfallstelle des Verstorbenen oder Verletzten in Ruhe gedenken möchten. Sie haben gerüchteweise und andeutungsweise von dem Unfall erfahren. Jetzt kommen sie, um sich davon zu überzeugen, dass dieses schreckliche Unglück wirklich passiert ist.

Inwieweit bei dieser Personengruppe psychische Belastungen auftreten und sie somit körperliche und seelische Reaktionen zeigen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

  • Welcher Bekanntheitsgrad bestand zu dem Verunfallten?

  • Hat die betroffene Person bereits selbst Erfahrungen mit dem (Unfall-) Tod gemacht?

  • Wie wird mit dem Thema "Tod" im eigenen sozialen Umfeld umgegangen? Ist es ein Tabuthema?

  • Welche religiöse Einstellung hat die betroffene Person zu Tod und Leben?

Außerdem sind auch die persönliche Reife und die Charaktereigenschaften ausschlaggebend dafür, ob und wie ein Ereignis psychische Belastungen entstehen lässt.

Diese Betriebsangehörigen, die in einem zeitlichen Abstand an die Unfallstelle kommen, können zunächst nicht glauben, dass der Kollege nicht mehr lebt. Sie brauchen diese Nähe zur Unglücksstelle, um den Verlust wahrzunehmen und ihren Trauerprozess beginnen zu lassen.

So verschieden die Gründe für die Betroffenheit sind, so verschieden sind auch die Reaktionen. Die einen "reden sich den Kummer von der Seele", die anderen schweigen, sind andächtig, fast regungslos und fühlen sich durch die Redenden in ihrer Trauer gestört. Wieder andere lassen ihren Gefühlen freien Lauf: sie weinen, klagen laut, treten oder schlagen gegen irgendwelche Gegenstände.

Folgende Maßnahmen sind von denen, die die psychosoziale Begleitung übernehmen, durchzuführen:

  • Knapp, aber wahrheitsgetreu und mit gesicherten Tatsachen über den Unfall informieren.

  • Redende von den Schweigenden ein wenig trennen und ihnen zuhören.

  • Den Schweigenden beistehen (bei ihnen stehen).

  • Auf Fragen (War es wirklich B. C.? Wann ist das passiert? Wer hat es seiner Frau gesagt? usw.) antworten.

  • Auf religiöse Bedürfnisse reagieren (siehe ab Seite 49).