DGUV Information 206-002 - Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundh...

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Abschnitt 3.2, Einbindung der "Psychosozialen Notfallhilfe" ...
Abschnitt 3.2
Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Titel: Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.2 – Einbindung der "Psychosozialen Notfallhilfe" in den Notfallplan

Im Rahmen der Prävention kann die Geschäftsführung eines Betriebes einige Maßnahmen ergreifen, die im Falle eines Unfalls die psychosoziale Begleitung unverletzt Betroffener sicherstellt. Bestehende Notfallpläne können um diese Maßnahmen ergänzt werden.18

So können analog zu den Ersthelfern für die medizinische Erste Hilfe auch Ersthelfer für die psychische Erste Hilfe ausgebildet und eingesetzt werden. Für diese Personen setzt sich mehr und mehr die Bezeichnung "Psychosoziale Notfallhelfer"(PSNH) durch.

Ihre Aufgabe ist es,

  • die Einsatzleitung zu bitten, die Rufbereitschaft der Notfallseelsorge/Notfallbegleitung/Krisenintervention (psychosoziale Fachkräfte) zu alarmieren (siehe dazu ausführlich ab Seite 49),

  • alle vom Unfall Betroffenen ausfindig zu machen und zu versammeln,

  • über die bisherigen Erkenntnisse zum Unfall zu informieren (gemeinsam mit Geschäftsführung bzw. Führungskräften),

  • für Getränke (bei längerem Verbleib auch für Essen) zu sorgen.

Geschulte Psychosoziale Notfallhelfer können außerdem

  • erste Informationen zu Belastungsreaktionen geben,

  • erste Gespräche mit den Betroffenen führen,

  • die Mitarbeiter der Notfallseelsorge/Notfallbegleitung/Krisenintervention unterstützen.

Neben der Schulung und dem Vorhalten von Psychosozialen Notfallhelfern kann konzeptionell entschieden werden, wer

  • im Falle eines tragischen Ereignisses die Entscheidungen - z.B. über die Gewährung von Sonderurlaub - trifft und

  • die Polizei zu den Angehörigen begleitet.

Der Vorteil solcher grundsätzlichen Überlegungen ist, dass

  • die Rollen im Ernstfall klar sind,

  • schneller gehandelt werden kann,

  • Missverständnisse aufgrund von Kompetenzüberschneidung und auch -überschreitung vermieden werden und

  • Stressfaktoren ausgeschlossen werden, die durch die Suche nach geeigneten Personen bzw. Menschen mit Entscheidungskompetenz entstehen würden.

Zuletzt können die Antworten auf folgende, ganz praktische Fragen in ein Notfallkonzept aufgenommen werden:

Wenn sich in Halle Z ein tragischer Unfall ereignet,

  • wie viele Personen werden vermutlich betroffen sein?

  • wo ist ein geeigneter Raum/eine geeignete Stelle, um die unverletzten Betroffenen zu versammeln?

Im Kapitel "Kleine Einführung in die Psychotraumatologie" wurde bereits beschrieben, dass psychische Belastungen zu Symptomen führen, die zwar im Normalfall stetig abnehmen, sich aber dennoch eine Zeit lang zeigen können.

Nehmen die Symptome nicht ab, ist professionelle Hilfe durch Therapeuten dringend angeraten.

Da Betroffene die eigenen Belastungsreaktionen oft nicht bewusst wahrnehmen, sie verharmlosen oder sich nicht trauen, darüber zu reden, ist es notwendig, dass andere Betriebsangehörige ihr Verhalten am Arbeitsplatz in der Zeit nach dem tragischen Ereignis im Auge behalten. Dafür scheinen die direkten Vorgesetzten (Meister, Abteilungsleiter usw.) aufgrund der Nähe zu den Mitarbeitern die geeigneten Personen zu sein. Sollen sie aber die Aufgabe übernehmen, ist eine entsprechende Schulung19 anzuraten. So können sie den betroffenen Mitarbeiter auf seinen seelischen Gesundheitszustand ansprechen oder für ihn als Ansprechpartner bereitstehen. Der direkte Vorgesetzte kann den Mitarbeiter motivieren, weitere Hilfen in Anspruch zu nehmen und ihm dazu Wege aufzeigen.

18

Vorschlag für einen Alarmierungsplan und Notfallplan siehe Anhang

19

Siehe dazu Kapitel "Notfallseelsorge, Notfallbegleitung und Krisenintervention"(ab Seite 49)