DGUV Information 206-002 - Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundh...

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Abschnitt 2.4, Unterschiedliche Belastungsreaktionen
Abschnitt 2.4
Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Titel: Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.4 – Unterschiedliche Belastungsreaktionen

Nach einem Arbeitsunfall mit Todesfolge sitzt ein Mitarbeiter - er war Augenzeuge und hat dem Ersthelfer assistiert - mit seinen Kollegen im Aufenthaltsraum, trinkt in aller Ruhe eine Tasse Kaffee und raucht seine Zigarette. Seine Kollegen fragen ihn, wie er nur so gelassen und gleichgültig sein kann. Darauf antwortet der Mitarbeiter: "Ich habe schon etliche Unfälle erlebt und schon einige Kollegen, Nachbarn und Freunde zu Grabe getragen. Ich habe Paul gemocht, und seine Familie tut mir Leid. Aber er ist nicht der Erste und wird auch nicht der Letzte sein."

Es wird allgemein vermutet, dass Menschen, die das Unglück direkt miterlebt, vielleicht sogar Schwerverletzte oder tödlich Verunglückte gesehen haben, stärker psychisch belastet sein müssen als andere. Zeigen sie heftige Reaktionen, kann dies jeder sofort nachvollziehen.

Umso mehr verwundert es, wenn gerade diese Betroffenen wenig bestürzt sind, abgeklärt reagieren und auch nach dem Unfall sich locker geben.

Welcher Art und welchen Grades die Symptome psychischer Belastung sind, hängt jedoch nicht nur von der direkten Nähe zum Unfallgeschehen ab. Folgende Faktoren spielen dabei außerdem eine entscheidende Rolle:

  • die Beziehung (Freundschaft/Verwandtschaftsverhältnis) zu dem Verletzten oder Verstorbenen,

  • die Erkenntnis, dass es einen selbst auch hätte treffen können,

  • die Sorge, in der Verantwortung versagt zu haben,

  • Schuldgefühle,

  • es ist das erste Mal, dass ein solch tragisches Ereignis miterlebt wird (Vorerfahrung),

  • es sind die Gefahren am Arbeitsplatz bewusst/nicht bewusst.

Das heißt, dass - unabhängig von Nähe und Distanz zum Unfallort - bei allen Betroffenen mit unterschiedlichsten Verhaltensweisen in unterschiedlichster Ausprägung als Akuter Belastungsreaktion gerechnet werden muss.