DGUV Information 206-002 - Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundh...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 2.2, Das Trauma - Definitionen
Abschnitt 2.2
Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Titel: Wenn die Seele streikt Vermeidung psychischer Gesundheitsschäden nach schweren Arbeitsunfällen (bisher: BGI 5046)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-002
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.2 – Das Trauma - Definitionen

Auch wenn mehrere Menschen von einem "Trauma" reden, meinen sie möglicherweise dennoch nicht das Gleiche.

"Trauma ist das subjektiv unfassbare Geschehen, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und unser Selbst- und Weltverständnis dauerhaft erschüttern kann."8

Das Trauma wird hier als ein Geschehen bezeichnet: Der Unfallhergang an sich, die Rettungs- und Ermittlungsmaßnahmen, das Überbringen einer schlimmen Nachricht.

In diesem Sinne wird nicht selten auch von "traumatischen Ereignissen" oder von "traumatischen Erlebnissen" gesprochen.

Nun wirkt aber die gleiche Situation auf jeden Menschen auf unterschiedliche Weise. Ob ein Ereignis als belastend erlebt wird und wie stark sich die Belastung in den Reaktionen der betroffenen Personen bemerkbar macht, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Unterschiedliche Lebenserfahrungen, Gewohnheiten, eine gute oder schlechte körperliche Verfassung u.Ä. können Gründe dafür sein, dass eine Person auf ein schlimmes Ereignis weniger belastet reagiert als eine Person, die bisher nur das "Normale" erlebt hat und auch nur mit dem "Normalen" rechnet. Von einem Trauma als von einem Geschehen zu reden, scheint deshalb weniger sinnvoll zu sein, da nicht jeder mit dem Erlebnis das Gleiche verbindet.

"Unter einem Trauma versteht man eine durch Vernachlässigung oder äußere Gewalteinflüsse verursachte psychische Erschütterung, die sich negativ auf die weitere Entwicklung auswirkt..."9

Diese Definition beschreibt das Trauma als psychische Erschütterung, als Verletzung der Seele.

Ein Blick auf den Ursprung des Wortes "Trauma" unterstützt diesen Ansatz. Aus dem Altgriechischen übersetzt, heißt "Trauma" schlicht und einfach "Wunde". So spricht die Medizin von einem Polytrauma, wenn mehrere Verletzungen vorliegen.

Es ist also nicht entscheidend, was passiert ist. Die Einstufung eines Ereignisses als schlimm oder weniger schlimm ist ganz individuell und rein subjektiv. Es ist entscheidend, welche und wie starke Spuren ein Vorfall in der Seele eines Menschen hinterlässt.

8

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen