DGUV Information 208-026 - Sicherheit von kraftbetätigten Karusselltüren (bisher...

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Abschnitt 5, Beispiele von unzureichender Absicherung
Abschnitt 5
Sicherheit von kraftbetätigten Karusselltüren (bisher: BGI 5043)
Titel: Sicherheit von kraftbetätigten Karusselltüren (bisher: BGI 5043)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 208-026
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5 – Beispiele von unzureichender Absicherung

Im Rahmen des berufsgenossenschaftlichen Projekts "Sicherheit an kraftbetätigten Karusselltüren" wurden in Betrieb befindliche Karusselltüren untersucht. Dabei wurden vielfältige Mängel an den Türen festgestellt. Einige prägnante Beispiele werden nachfolgend dargestellt.

Abbildung 5: Absicherung der Schließkante mittels Lichtschranke im Boden

Bei dem Abstandsmaß von mehr als 50 mm zwischen Lichtschranke und Schließkante ist ein Hintergreifen der Schutzeinrichtung möglich.

Abbildung 6: Manipulation von Schutzeinrichtungen

Unwirksame Schaltleiste durch angeschweißtes U-Eisen, das die Schaltleiste im Bodenbereich überdeckt. Ein Fuß würde gequetscht, die Schaltleiste würde keine Reaktion auslösen.

Abbildung 7: Eingerissene Schaltleiste

Durch Beschädigung kann Schmutz und Feuchtigkeit eindringen, was die sichere Funktion der Schaltleiste beeinträchtigt.

Abbildungen 8 und 9: Schaltleiste ohne Wirkung

Durch den vorstehenden Rahmen des Nachtverschlusses (dicker Pfeil) wird die dahinter liegende Schaltleiste (schmaler Pfeil) unwirksam gemacht. Die Hauptschließkante des beweglichen Türflügels würde eine Person oder ein Körperteil gegen den Rahmen des Nachtverschlusses drücken, ohne dass die Schaltleiste berührt und ausgelöst werden kann.

Abbildung 10: Defekte Schaltleistenbefestigung

Die lose Befestigung der Schaltleiste lässt ein präzises Schalten nicht zu. Ein Überfahren und Einziehen von Körperteilen unter den Türflügel ist möglich.

Abbildung 11:

Zu hoch angebrachte und zu kurze Absicherung der Nebenschließkante durch einen nicht ausreichend wirksamen Lichttaster (Wirkbereich nur ca. 50 cm)

Innen gehende oder gestürzte Personen werden von der Schutzeinrichtung nicht erkannt

Abbildung 12: Mögliche Manipulation von Schutzeinrichtungen

Der Schaltkasten am Türflügel ermöglicht, dass Schutzeinrichtungen abgeschaltet werden können. Diese gefährliche Manipulationsmöglichkeit taucht dort auf, wo der Personendurchsatz zu Lasten der Sicherheit erhöht werden soll.

Abbildung 13:

Falsche Ausführung eines "Not-Auf"-Tasters In einer Notsituation muss schnell gehandelt werden. Für Überlegungen, welche Reaktionen mit dem Schalter verbunden sind, ist keine Zeit und fehlt die nötige Ruhe.

Daher muss die Funktion des Schalters durch Form und Aussehen eindeutig sein (siehe Sicherheitscheck, Abschnitt 6.6). Ein tödlicher Unfall, bei dem "Not-Auf" mit "Not-Aus" verwechselt wurde, hat sich bereits ereignet.

Abbildung 14:

Lichttaster ohne Hintergrundauswertung, keine Detektion bis zum Boden, sehr großer Totbereich (Kinder werden nicht erkannt) Weitere mögliche Defizite sind:

  • Rückzug des Tastbereiches

  • Totbereich verändert sich durch Farbe, Form und Oberflächenbeschaffenheit des zu erkennenden Objektes

  • leicht manipulierbar.

Eine weitere Problematik, die jedoch nicht mechanischer Natur ist, wurde während der Vor-Ort-Untersuchungen deutlich. Sie betrifft die jährlich durchgeführten Sachkundigenprüfungen durch befähigte Personen, die häufig aus Dienstleistungsbetrieben stammen und nicht den tiefen Einblick in die Türsysteme haben wie der Hersteller. Fast alle der in den oben beschriebenen Mängelbeispielen gezeigten Karusselltüren wurden regelmäßig geprüft, die Mängel jedoch nicht erkannt und beanstandet. Es ist deshalb nützlich, in wiederkehrenden Zeitabständen den Hersteller der Karusselltür anzusprechen und eine Überprüfung durch ihn zu veranlassen. Wichtig sind dabei auch generelle Fragen wie zum Beispiel:

  • Entspricht die Karusselltür noch dem Stand der sicherheitstechnischen Zulassung zur Zeit des Inverkehrbringens oder wurden Umbauten vorgenommen?

  • Sind, seitdem dieser Typ Karusselltür auf dem Markt ist, Mängel bekannt geworden, die beachtet werden müssen?

  • Entsprechen die Prüfkriterien, anhand derer die Karusselltür regelmäßig geprüft wird, noch dem Stand der Technik?

  • Wurden durch nachträgliche Anbauten, z.B. Nachtverschlusstüren (siehe Abbildung 8), Schutzeinrichtungen eventuell unwirksam gemacht?

  • Können Schutzeinrichtungen abgeschaltet werden?

  • Sind die elektrischen Einbauten noch vor Witterungseinflüssen geschützt?

Besonders gefährlich können sich Vitrinen in den Türflügeln auswirken, wenn sie z.B. mit vollen Getränkekästen oder Sand zur Dekoration gefüllt sind und durch ihr hohes Gewicht im Notfall den Bremsweg der Karusselltür verlängern. Spielzeug in den Vitrinen lenkt die Aufmerksamkeit von Kindern ab. Auf die besondere Gefährdung von Kindern sollte deutlich hingewiesen werden (siehe Abbildungen 15 und 16).

Abbildungen 15 und 16:

Kennzeichnungsbeispiele zum Hinweis auf die besondere Gefährdung von Kindern