DGUV Information 201-052 - Rohrleitungsbauarbeiten (DGUV Information 201-052)

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Abschnitt 3.7, 3.7 Weitere physikalische Gefährdungen
Abschnitt 3.7
Rohrleitungsbauarbeiten (DGUV Information 201-052)
Titel: Rohrleitungsbauarbeiten (DGUV Information 201-052)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 201-052
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.7 – 3.7 Weitere physikalische Gefährdungen

3.7.1
Lärm

Werden Versicherte in Lärmbereichen beschäftigt, ist grundsätzlich die Gefahr einer Gehörschädigung gegeben. Während bei Tages-Lärmexpositionspegeln von 80 dB(A) bis 84 dB(A) Gehörschäden nur bei lang andauernder Lärmbelastung auftreten können, nimmt bei Tages-Lärmexpositionspegel von 85 dB(A) und mehr die Schädigungsgefahr deutlich zu.

3.7.1.1
Der Unternehmer hat ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) bzw. Spitzenschalldruckpegel 135 dB(C) geeignete Gehörschutzmittel zur Verfügung zu stellen. Eine Tragepflicht für die Versicherten besteht ab 85 dB(A) bzw. Spitzenschalldruckpegel 137 dB(C).

Mit Lärmpegeln oberhalb der Schädigungsgrenze ist bei folgenden Arbeiten zu rechnen:

  • Abbrucharbeiten mit Abbau- und Bohrhämmern sowie Baggern mit Meißeleinrichtungen,

  • Arbeiten mit oder in unmittelbarer Nähe von durch Verbrennungsmotor angetriebenen Maschinen älterer Bauart,

  • Verbauarbeiten im Kanalbau, z. B. Ein- und Ausbau der Spreizen und Spindeln durch Hammerschläge,

  • Rammarbeiten, z. B. mit Schlagrammen,

  • Arbeiten an und mit Bodenverdichtungsgeräten, z. B. Explosionsstampfern, Rüttelplatten, Vibrationswalzen,

  • Arbeiten mit Bodendurchschlagsraketen,

  • Strahlarbeiten,

  • Schweißarbeiten mit Elektroden.

3.7.1.2
Der Lärmschutz basiert im Wesentlichen auf folgenden Maßnahmen:

  • Technische Lärmminderung,

  • Organisatorische Maßnahmen,

  • Bereitstellung und Benutzung von persönlichem Schallschutz,

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge.


Siehe auch Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, DGUV Regel 112-194 "Benutzung von Gehörschützern" und DGUV Information 212-024 "Gehörschutz".

3.7.2
Vibration

3.7.2.1
Für Arbeitsplätze, bei denen Vibrationen (Hand-Arm-Vibrationen sowie Ganzkörper-Vibrationen) auftreten können, ist unter anderem die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnungzu berücksichtigen. Danach ist der Arbeitgeber insbesondere verpflichtet, eine Bewertung und erforderlichenfalls Messung der Vibrationen vorzunehmen, sofern Arbeitnehmer diesen ausgesetzt sind.

3.7.2.2
Anhand der Bewertung sind technische oder organisatorische Maßnahmen zur Minimierung der Exposition gegenüber Vibrationen durchzuführen.

3.7.3
Nichtionisierende Strahlung

3.7.3.1
Ultra-Violett-Strahlung tritt z. B. beim Lichtbogen-Schweißen, bei intensiver Sonnenstrahlung, oder bei der Kunststoffhärtung, z. B. beim Einbau von Schlauchliner-Schläuchen aus lichthärtendem Polyesterharz, auf. Sie ist gefährlich für die Haut und die Augen. Bei der Einwirkung dieser Strahlung auf die Augen kann es langfristig zum Augenkatarakt (Star) oder kurzfristig zu Horn- oder Bindehautentzündungen ("Verblitzen") kommen.

3.7.3.2
Infra-Rot-Strahlung tritt z. B. bei Schweißvorgängen auf. Sie kann Schädigungen der Netzhaut und Linse verursachen. Langwellige IR-Strahlung kann zum grauen Star (Feuerstar) führen.

3.7.3.3
Bei Laserstrahlung, z. B. Kanallaser, kann die hohe Intensität des Strahles, verbunden mit der großen Reichweite, das Auge bleibend schädigen.

Lasereinrichtungen werden, je nach Gefährdungspotential, in verschiedene Klassen eingeteilt.

3.7.3.4
Der Blick in Quellen nichtionisierender Strahlung ist zu vermeiden; andernfalls sind in Abhängigkeit von der jeweiligen Tätigkeit geeignete Schutzfilter auszuwählen und zu benutzen.


siehe auch
Strahlenschutzverordnung,
DGUV Regel 112-192 und 112-992 "Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz" und
DIN EN 60825-1/VDE 0837 Teil 1 "Sicherheit von Laser-Einrichtungen; Teil 1: Klassifizierung von Anlagen, Anforderungen und Benutzer-Richtlinien".

3.7.4
Ionisierende Strahlung

3.7.4.1
Beim zerstörungsfreien Prüfen von Schweißnähten an Rohrleitungen mit Röntgen- oder Gammastrahlen sind unter anderem die Röntgenverordnung, die Strahlenschutzverordnung und das einschlägige Normenwerk zu beachten. Diese Prüfungen dürfen nur von hierfür befähigten und damit beauftragen Versicherten durchgeführt werden. Während der Prüfung ist der Gefahrenbereich zu kennzeichnen.

3.8
Physische Belastungen/Arbeitsschwere

3.8.1
Physische Belastungen können bei Rohrleitungsbauarbeiten insbesondere entstehen durch

  • das Heben und Tragen von Lasten, z. B. Rohre, Schachtbauteile, Schachtabdeckungen, Armaturen, Arbeitsmittel, Lastaufnahmemittel,

  • das Arbeiten in (deutlicher) Rumpfvorbeugehaltung, z. B. bei der Montage von Rohren, Schächten oder Armaturen,

  • körperliche Zwangshaltung, bedingt durch die Arbeitsumgebung, z. B. in Gräben, Schächten oder Rohrleitungen.

3.8.2
Soweit wie möglich muss die physische Belastung der Versicherten durch die Auswahl geeigneter Arbeitsverfahren und den Einsatz technischer Arbeitsmittel vermieden werden.

Abb. 4 Schachtdeckelhebelgerät

Bei der Montage von Schachtfertigteilen aus Beton kann beispielsweise der Einsatz der bis zu 30 kg schweren Schachtringgehänge entfallen, wenn mit Transportankern ausgestattete Fertigteile verwendet werden. Hier wiegen die entsprechenden Lastaufnahmemittel in der Regel nicht mehr als 5 kg.

Für das Abheben von Schachtdeckeln hat der Unternehmer geeignete Schachtdeckelhebegeräte zur Verfügung zu stellen.

In Rohrleitungen mit geringen Querschnittsabmessungen kann die physische Belastung der Versicherten durch den Einsatz ferngesteuerter Roboter - beispielsweise zum Herstellen von Hausanschlüssen oder zur Behebung lokaler Schäden - vermieden werden.

3.8.3
In Baugruben und Gräben lässt sich eine körperliche Zwangshaltung durch ausreichend bemessenen Arbeitsraum vermeiden, bzw. reduzieren. Die Mindestgrabenbreite nach DIN 4124 "Baugruben und Gräben; Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten" und DIN EN 1610 "Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen" sind in jedem Falle einzuhalten.

3.8.4
Arbeiten, die über das Verlegen und Prüfen der Rohre hinausgehen, z. B. Schweiß- oder Schneidarbeiten, erfordern - abweichend von DIN 4124 und EN 1610 - eine größere Grabenbreite im Bereich der Arbeitsstelle.

So darf z. B. nach DVGW-Arbeitsblatt GW 350 "Schweißverbindungen an Rohrleitungen aus Stahl in der Gas- und Wasserversorgung; Herstellung, Prüfung und Bewertung" der Abstand vom Rohr zur Grabenwand 0,60 m und zur Grabensohle 0,40 m nicht unterschreiten. Die Länge der Kopflöcher an der Arbeitsstelle soll mindestens 1,50 m betragen.

3.8.5
Werden Versicherte in Rohrleitungen oder Schächten eingesetzt, sind die Mindestlichtmaße nach Abschnitt 5.2 zu beachten.