DGUV Information 201-052 - Rohrleitungsbauarbeiten (DGUV Information 201-052)

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Abschnitt 3.3, 3.3 Elektrische Gefährdungen
Abschnitt 3.3
Rohrleitungsbauarbeiten (DGUV Information 201-052)
Titel: Rohrleitungsbauarbeiten (DGUV Information 201-052)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 201-052
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.3 – 3.3 Elektrische Gefährdungen

3.3.1
Allgemeine Anforderungen für Auswahl und Betrieb von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln

Bei Auswahl und Betrieb von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln auf Rohrleitungsbaustellen sind die DGUV Vorschrift 3 "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel", die DGUV Information 203-006 "Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen" zu berücksichtigen. Bei Vorliegen erhöhter elektrischer Gefährdungen ist die DGUV Information 203-004 "Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung" zu beachten.

Es ist sicherzustellen, dass die verwendeten ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel für den rauen Rohrnetz-Baustelleneinsatz geeignet sind (z. B. Kennzeichnung mit Hammer-Symbol oder Schutzisolierungs-Symbol), mind. IP X4. Es ist sicherzustellen, dass die verwendeten ortsveränderlichen elektrischen handgeführten Elektrowerkzeuge mindestens der Klasse IP 2X entsprechen. Sollte bauartbedingt z. B. bei Schweißaggregaten IP X4 nicht möglich sein, sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zusätzliche Schutzmaßnahmen abzuleiten, die sicherstellen, dass von dem verwendeten Gerät keine erhöhte Gefahr ausgehen kann (z. B. Einhausung, Schutzabdeckung, geeignete Aufstellung). Sie müssen mit einer Netzanschlussleitung vom Typ H 07 RN-F oder gleichwertiger Bauart ausgestattet sein. Bis 4 m Leitungslänge ist als Netzanschlussleitung auch Typ H 05 RN-F oder eine mindestens gleichwertige Bauart zulässig.

Neben der regelmäßigen Überprüfung durch eine befähigte Person nach TRBS 1203 (Elektrofachkraft) ist eine arbeitstägliche Sichtprüfung aller ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel durch den Benutzer zwingend notwendig (z. B. Überprüfung der Zuleitungen, der Anschlüsse und des Gerätegehäuses auf augenscheinliche Beschädigungen).

3.3.2
Einsatz mobiler Stromerzeuger

Beim Einsatz von mobilen Stromerzeugern ist die DGUV Information 203-032 "Auswahl und Betrieb von Stromerzeugern auf Bau- und Montagebaustellen" anzuwenden. Am Einsatzort müssen die Betriebsanleitung und die Betriebsanweisung vorhanden sein.

Der Unternehmer, welcher mobile Stromerzeuger einsetzt, muss sich im Vorfeld erkundigen, welches Netzsystem (Information durch den Hersteller, Betriebsanleitung) der Stromerzeuger liefert.

Die am häufigsten anzutreffende Bauart entspricht dem Prinzip der "Schutztrennung". Hierbei ergeben sich verschiedene Möglichkeiten des sicheren Betriebes.

Ein einzelnes Betriebsmittel wird direkt am Stromerzeuger angeschlossen.

Alle Betriebsmittel werden jeweils über eine eigens zugeordnete Fehlerstrom-Schutzeinrichtung betrieben. Dabei können RCD (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung), PRCD oder PRCD-K (ortsveränderliche Fehlerstrom-Schutzeinrichtung) am ungeerdeten Stromerzeuger zur Anwendung kommen. PRCD-S (ortsveränderliche Fehlerstrom-Schutzeinrichtung mit erweiterter Schutzfunktion) können nicht verwendet werden, da diese sich am Stromerzeuger nicht einschalten lassen.

Abb. 1 ein einzelnes Betriebsmittel direkt am Stromerzeuger angeschlossen

Abb. 2 Betrieb sämtlicher Betriebsmittel über jeweils eine PRCD

3.3.3
Zusätzliche Anforderungen für Auswahl und Betrieb von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung

Liegen Arbeitsplätze und Verkehrswege in elektrisch leitfähigen Bereichen mit begrenzter Bewegungsfreiheit, z. B. in Rohrleitungen, Schächten und Rohrleitungsgräben, sind in Bezug auf elektrische Anlagen und Betriebsmittel die Anforderungen der DGUV Information 203-006 "Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung" einzuhalten.

Alle ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel sind in Abhängigkeit von der Gefährdung mit Trenntransformator (je Trenntransformator nur einen Endverbraucher anschließen) oder Schutzkleinspannung (z. B. in Rohrleitungen, in engen, nassen Schächten) zu betreiben.

Abb. 3 Beispiel für den Betrieb eines Stromerzeugers bei erhöhter elektrischer Gefährdung.

Bei einem nicht geerdeten Stromerzeuger, welcher nach dem Prinzip der Schutztrennung arbeitet, wird das erste Betriebsmittel direkt angeschlossen. Jedes weitere Betriebsmittel muss über einen separaten Trenntransformator betrieben werden. Nach einem Trenntransformator darf keine weitere Unterverteilung betrieben werden.

Diese Schaltungsvariante ist generell für alle Anwendungszwecke geeignet.

Beim Vorliegen erhöhter elektrischer Gefährdung ist beim Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel die Verwendung von RCDs nicht ausreichend.

Mobile Stromerzeuger, Trenntransformatoren und Transformatoren für Schutzkleinspannung dürfen nur außerhalb des Bereiches erhöhter elektrischer Gefährdung (z. B. außerhalb des Rohrgrabens) aufgestellt werden.

Handleuchten dürfen innerhalb des Bereiches mit begrenzter Bewegungsfreiheit ausschließlich mit Schutzkleinspannung betrieben werden. Wird die Beleuchtung außerhalb des Bereiches erhöhter elektrischer Gefährdung aufgestellt, reicht zu ihrer Absicherung ein Fehlerstromschutzschalter als Schutzmaßnahme aus.

Akku-betriebene elektrische Betriebsmittel erfüllen ebenfalls das Schutzprinzip "Schutzkleinspannung". Sie sind generell geeignet für den Einsatz in Rohrleitungen, Schächten und Rohrleitungsgräben.

3.3.4
Erdung von Stromerzeugern

Stromerzeuger, welche nach dem Prinzip der Schutztrennung arbeiten, müssen nicht geerdet werden. Sind Isolationsüberwachungsgeräte in den Stromerzeugern eingebaut, muss der Potentialausgleich der Stromerzeuger geerdet werden, damit ein erster Fehler gegen Erde sicher erkannt wird. Diese Schutzmaßnahme muss durch eine Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft errichtet werden und danach die Wirksamkeit durch die Elektrofachkraft geprüft werden.

Werden mobile Stromerzeuger in geerdeten Netzsystemen betrieben, (Fehlerstromschutzschaltung mit Erdung), ist die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme durch eine Elektrofachkraft nachzuweisen.

3.3.5
Unvorhergesehene Spannungen an elektrisch leitfähigen Rohrleitungen

3.3.5.1
Vor dem Trennen oder Verbinden von Leitungen aus Metall, dem Ein- oder Ausbauen von Leitungsteilen, Armaturen, Zählern, Druckregelgeräten und ähnlichen Geräten solcher Leitungen sowie vor dem Ziehen und Setzen von Steckscheiben ist zum Schutz gegen

  • gefährliche Berührungsspannung

und

  • zündfähigen Funkenüberschlag bei brennbaren Gasen

eine metallene, elektrisch leitende Überbrückung der Trennstelle herzustellen, wenn nicht eine anderweitig elektrisch leitende Überbrückung besteht.

Dies wird z. B. erreicht, wenn zur Überbrückung flexible isolierte Kupferseile nach DIN 46 440 "Umflochtene Rundseile aus Kupfer" verwendet werden, die bei einer Länge bis 10 m einen Querschnitt von 25 mm2 und bei einer Länge bis 20 m einen Querschnitt von 50 mm2 aufweisen.

Bei Leitungen der Gasinstallation und bei Hausanschlussleitungen ist zur Überbrückung ein hochflexibles isoliertes Kupferseil nach DIN 46 440 mit einem Querschnitt von mindestens 16 mm2 bis zu einer Länge von 3 m zu verwenden. Der Übergangswiderstand zwischen Gasleitung und Überbrückungskabel ist so gering wie möglich zu halten.

Ein geringer Übergangswiderstand wird z. B. erreicht, wenn die Kontaktflächen metallisch blank sind und großflächig aufeinander gepresst werden; siehe hierzu auch DVGW-Arbeitsblatt GW 309 "Elektrische Überbrückung bei Rohrtrennungen". Haftmagnete sind ungeeignet, weil sie keine gesicherte Verbindung gewährleisten.


Siehe auch Abschnitt 3.8 des Kapitels 2.31 "Arbeiten an Gasleitungen" der DGUV Regel 100-500 und 100-501 "Betreiben von Arbeitsmitteln".