DGUV Regel 108-001 - Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/...

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Abschnitt 5.2, 5.2 Gemeinsame Bestimmungen
Abschnitt 5.2
Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/GUV-R 141)
Titel: Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/GUV-R 141)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 108-001
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.2 – 5.2 Gemeinsame Bestimmungen

5.2.1
Betriebsanweisung

Der Unternehmer hat unter Berücksichtigung der bei Raubüberfällen auftretenden Gefahren für Leben und Gesundheit, der betrieblichen Gegebenheiten und der von ihm getroffenen Maßnahmen eine Betriebsanweisung aufzustellen, die die Verhaltensweisen der Versicherten regelt. Dabei hat er den Grundsatz zu beachten, dass der Schutz von Leben und Gesundheit der Versicherten Vorrang vor dem Schutz materieller Werte hat.

Die Betriebsanweisung dient als Grundlage für die Unterweisung und muss für die Unterwiesenen jederzeit einsehbar sein; Muster siehe Anhang 2.

Bei der Erstellung der Betriebsanweisung kann es hilfreich sein, die Versicherten zu beteiligen, um deren Erfahrungen mit ein fließen zu lassen. Sie sollten aufgefordert werden dem Verantwortlichen, gefährliche Situationen unverzüglich zu melden, um die getroffenen Maßnahmen verbessern zu können.

5.2.2
Unterweisung

Der Unternehmer hat die Versicherten, die Umgang mit Zahlungsmitteln haben, über die dabei auftretenden Gefahren sowie über die Maßnahmen zur Gefahrenabwendung vor der Aufnahme der Beschäftigung und danach in angemessenen Zeitabständen, mindestens jedoch einmal jährlich, zu unterweisen.

Die Unterweisung erfolgt mündlich unter Berücksichtigung der Betriebsanweisung; Muster siehe Anhang 2. Die Durchführung der Unterweisung muss schriftlich dokumentiert werden;

Muster siehe Anhang 3. Zur Unterweisung stehen Medien der Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution zur Verfügung; Angaben siehe Anhang 5.

5.2.3
Geldbearbeitung

5.2.3.1
Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass der Geldbestand in den Kassen abgeschöpft wird, um den Anreiz zu einem Raubüberfall zu senken.

Es empfiehlt sich, einen Höchstbetrag für den Kassenbestand festzulegen und darüber hinausgehende Geldbeträge in sicheren Behältnissen aufzubewahren; siehe auch Anhang 1.

Der Unternehmer erhält Auskunft durch die Sachversicherungen und Beratungsstellen der Kriminalpolizei übergeprüfte Wertbehältnisse, die es erlauben, Geldbeträge über Nacht im Geschäft zu behalten. Hierbei sind bestehende Vereinbarungen im Vertrag mit der Sachversicherung über die Verwahrung von Zahlungsmitteln zu beachten. Es werden Wertbehältnisse nach DIN EN 1143-1 empfohlen.

5.2.3.2
Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass Geldbearbeitungen, die nicht an der Registrierkasse durchgeführt werden, in einem Raum vorgenommen werden, der für die Dauer dieser Arbeiten nicht unbefugt betreten werden kann und gegen Einblick von außen abgeschirmt wird.

5.2.3.3
Der Unternehmer hat dafürzu sorgen, dass Schlüssel von Behältnissen mit Zeitverschlusssystemen, die eine Änderung von eingestellten Sperrzeiten ermöglichen, unbefugtem Zugriff entzogen sind.

5.2.4
Geldtransporte

5.2.4.1
Der Unternehmer darf für den Geldtransport nur Personen einsetzen, die mindestens 18 Jahre alt, zuverlässig, geeignet und über Gefahren und Schutzmaßnahmen bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe unterwiesen sind.

Es empfiehlt sich, den Geldtransport - auch innerhalb der Verkaufsstelle - von Mitarbeitern in unregelmäßig wechselnder Reihenfolge durchführen zu lassen. Die Versicherungsbedingungen einzelner Sachversicherungen schließen den Geldtransport durch Personen über 65 Jahre aus. Siehe auch § 24 UVV "Wach- und Sicherungsdienste" (BGV/GUV-V C7) und § 36 UVV "Kassen" (BGV/GUV-V C9).

5.2.4.2
Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass Geldtransporte außerhalb der Verkaufsstelle von mindestens zwei Personen durchgeführt werden, von denen eine Person die Sicherung übernimmt.

Die Sicherung besteht bereits in der Begleitung des Geldboten. Der Geldtransport sollte zu unregelmäßigen Zeiten während des Tages durchgeführt werden. Erfolgt er nach Geschäftsschluss, sollte der Geldbote mit den übrigen Mitarbeitern das Geschäft verlassen und den Transport soweit wie möglich in deren Schutz durchführen. Ihm sollten nicht zusätzlich bei Geschäftsschluss anfallende Arbeiten, z. B. Fortbringen der Post, übertragen werden.

Es empfiehlt sich, Geldtransporte durch Fachunternehmen durchführen zu lassen.

5.2.4.3
Abweichungen von Abschnitt 5.2.4.2 sind zulässig, wenn das Geld unauffällig von einer Person in bürgerlicher Kleidung getragen wird.

Als bürgerliche Kleidung sind alle Kleidungsstücke anzusehen, die keine Dienstkleidung sind und keine Hinweise auf die Firmenzugehörigkeit geben. Geldbomben sind niemals sichtbar, sondern in Taschen und Behältnissen zu tragen, die allgemein üblich sind und keinen Rückschluss auf den Inhalt zulassen.

5.2.4.4
Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass für den Geldtransport außerhalb der Verkaufsstelle unterschiedliche Zeiten und möglichst wechselnde Wege gewählt werden.

Die Geldboten sollen dunkle und unübersichtliche Wege und Plätze meiden und sich während des Transportes nicht in Gespräche mit fremden Personen einlassen. Der Transport sollte vor Einbruch der Dunkelheit beendet sein. Es wird empfohlen, ein möglichst nahe gelegenes Geldinstitut zu wählen, um den Transportweg kurz zu halten.

5.2.4.5
Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass in Verkaufsstellen, in denen nur ein Versicherter anwesend ist, dieser den Geldtransport nicht während der Dunkelheit und nicht nach Geschäftsschluss durchführt. Dies gilt nicht, wenn nur der Unternehmer in der Verkaufsstelle anwesend ist.

Dies wird z. B. erreicht, wenn

  • der Geldtransport durch eine Fachfirma durchgeführt wird,

  • das Geld über Nacht in der Verkaufsstelle in einem von den Sachversicherern zugelassenen Behältnis verbleibt (siehe Anhang 1) und das Geld tagsüber, z. B. bei Personalwechsel, von der abgelösten Person zum Geldinstitut gebracht wird,

  • der Versicherte durch eine Person abgeholt wird, die ihn begleitet.

5.2.5
Überfallmeldeanlage

Der Unternehmer hat den Empfänger eines durch eine Überfallmeldeanlage ausgelösten Alarms schriftlich zu verpflichten, bestimmte Maßnahmen im Alarmfall durchzuführen.

Es empfiehlt sich, mindestens einmal jährlich zu prüfen, ob die im Alarmfall vorgesehenen Maßnahmen noch geeignet sind und durchgeführt werden.

5.2.6
Offene Videoüberwachung

Bei einem erhöhten Überfallrisiko empfehlen wir den Einsatz einer Videoüberwachung mit Aufzeichnung.

  • Auf die Videoüberwachung ist durch Piktogramm hinzuweisen.

  • Bei der Installation der Anlage sind vor der Umsetzung die Arbeitnehmervertretungen mit einzubeziehen.

  • Das Videoaufzeichnungsgerät ist vor einfachem Zugriff zu schützen.

  • Nach einem Überfall ist die Videoaufzeichnung vor dem Überschreiben zu schützen.

Die offene Videoüberwachung schreckt Kriminelle von der Verwirklichung möglicher Straftaten ab, weil dadurch ein erhöhtes Risiko für den Räuber besteht, überführt und bestraft zu werden. Damit werden die Mitarbeiter geschützt.

5.2.7
Befolgung von Weisungen des Unternehmers

Die Versicherten sind verpflichtet, gemäß der Unterweisung und den Anweisungen des Unternehmers für ihre Sicherheit zu sorgen und die nach diesen Regeln beschafften Einrichtungen bestimmungsgemäß zu nutzen.

Siehe auch §§ 15 bis 17 UVV"Grundsätze der Prävention" (BGV/GUV-V A1).

5.2.8
Beseitigung und Meldung von Mängeln

Stellt ein Versicherter fest, dass eine Einrichtung sicherheitstechnisch nicht einwandfrei ist, hat er diesen Mangel unverzüglich zu beseitigen. Gehört dies nicht zu seiner Arbeitsaufgabe oder verfügt er nicht über die Sachkunde, hat er den Mangel dem Vorgesetzten unverzüglich zu melden.

Siehe auch § 16 Abs. 2 UVV "Grundsätze der Prävention" (BGV/GUV-V A1).

5.2.9
Alarm- und Kameraauslösung

Die Versicherten haben Überfallmeldeanlagen, optische Raumüberwachungsanlagen oder akustische Fernüberwachungsanlagen bei Überfällen unverzüglich auszulösen, sofern dadurch keine zusätzliche Gefährdung zu erwarten ist.

Eine zusätzliche Gefährdung durch die Alarmauslösung ist insbesondere dann zu erwarten, wenn die Auslösung nicht unauffällig erfolgen kann oder sich nicht in eine vom Täter geforderte Handlung unbemerkt einfügen lässt, siehe auch § 27 UVV "Kassen" (BGV/GUV-V C9), oder der Täter sich bei Ankunft der Polizei noch in der Verkaufsstelle befindet.

5.2.10
Ändern der Sperrzeiten von Zeitverschlussbehältnissen

Versicherte dürfen eingestellte Sperrzeiten von Zeitverschlussbehältnissen nicht unbefugt ändern.

5.2.11
Waffen

Der Unternehmer darf den Versicherten keine Waffen aushändigen und muss die Versicherten anweisen, keine Waffen zu benutzen. Die Versicherten dürfen keine Waffen benutzen. Dies gilt auch für waffenähnliche Gegenstände.