DGUV Regel 108-001 - Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/...

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Anhang 2, Muster-Betriebsanweisung "Prävention und Nachsorge...
Anhang 2
Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/GUV-R 141)

Anhangteil

Titel: Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/GUV-R 141)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 108-001
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 2 – Muster-Betriebsanweisung "Prävention und Nachsorge von Raubüberfällen"

Allgemein

Bei Raubüberfällen auf Einzelhandelsbetriebe haben Täter es insbesondere auf Geld abgesehen. Das Opfer zu verletzen ist in der Regel nicht das Ziel der Täter.

Wichtig zu wissen: Auch der Täter steht unter erheblichem Stress. Daher kann falsches oder ungeschicktes Verhalten Ihrerseits zu Gewalttaten führen: Durch Ihre richtige und geschickte Verhaltensweise können Sie das Risiko einer Körperverletzung verringern.

Diese Betriebsanweisung dient dazu, Ihr Verletzungsrisiko und gleichzeitig das von Kollegen und Kunden dadurch zu vermindern, dass Sie auf die Ausnahmesituation eines Raubüberfalles vorbereitet sind.

Vorbeugendes Verhalten

Betreten und Verlassen der Betriebsstätte

  • Betreten und verlassen Sie die Betriebsstätte nur durch den Haupt- oder Kundeneingang.

  • Betreten und verlassen Sie die Betriebsstätte vor Betriebsbeginn und nach Betriebsende möglichst nicht allein.

  • Vermeiden Sie den alleinigen Aufenthalt im Außenbereich z. B. beim Rauchen oder Müllentsorgen zu kritischen Zeiten (z. B. nach Betriebsschluss, bei Dunkelheit).

  • Überprüfen Sie vor dem Betreten und Verlassen der Betriebsstätte das Außengelände auf verdächtige Gegebenheiten, wie abgestellte Fahrzeuge (Insassen), Motorradfahrer, wartende Personen, Einbruchsspuren (Beschädigungen wie z. B. beschädigte Gitter, offene Fenster). Achten Sie auf "Kunden" innerhalb und außerhalb des Ladens mit auffälligem Verhalten ("auf der Lauer liegen"). Informieren Sie im Verdachtsfall die örtlich zuständige Polizei ......................., die Sicherheitszentrale oder den Vorgesetzten.

  • Vergewissern Sie sich, dass die Außenbeleuchtung in Betrieb ist.

Sicherheitseinrichtungen benutzen

  • Stellen Sie sicher, dass unberechtigte Personen Personal- und Lagerbereiche nicht unbemerkt betreten können. Halten Sie diese Bereiche immer geschlossen.

  • Benutzen Sie die Türspione (z. B. Kassenbüro, Lagertür).

  • Machen Sie sich mit dem Notöffnungsmechanismus zur schnellen Kassen- und Tresoröffnung vertraut.

  • Stellen Sie sicher, dass Überwachungskameras nicht durch Schilder verhangen werden.

  • Prägen Sie sich den nächsten Standort des Telefons bzw. Alarmknopfes ein und achten Sie darauf, dass dieser für Sie zugänglich ist.

Sicherer Umgang mit der Tageseinnahme

  • Sichern Sie angenommene Zahlungsmittel unverzüglich vor dem Zugriff Unbefugter, z. B. durch sofortiges Schließen der Kassenschublade, oder durch Abwurf in den Geldabwurfbehälter.

  • Verwahren Sie angenommene Zahlungsmittel einschließlich Wechselgeld nur in der Registrierkasse bzw. in Sicherheitsvorrichtungen wie Geldabwurfbehältern und Tresoren.

  • Nehmen Sie angenommene Zahlungsmittel nicht mit nach Hause.

  • Achten Sie darauf, den festgelegten Höchstbetrag von € ............... nicht zu überschreiten.

  • Bringen Sie die angenommenen Zahlungsmittel bei Überschreiten des festgelegten Höchstbetrages an den hierfür bestimmten Aufbewahrungsort oder lassen Sie diese abholen.

  • Führen Sie die Geldbearbeitung, z. B. Zählen, Bündeln, hinterverschlossenen Türen durch und verhindern Sie die Einsicht von außen.

  • Verändern Sie nicht ohne Anweisung die Programmierung der Sperrzeiten von Zeitverschlusssystemen.

  • Verwahren Sie Hilfsmittel, mit denen die Sperrzeiten verändert werden können, im Geldschrank.

Sicherer Geldtransport

  • Transportieren Sie das Geld innerhalb der Betriebsstätte und aus Nebengebäuden, z. B. aus dem Getränkemarkt, nach Möglichkeit nur zu zweit.

  • Überprüfen Sie vor der Geldübergabe an das Geldtransportunternehmen den Mitarbeiterausweis.

  • Überprüfen Sie vor dem Verlassen der Betriebsstätte das Gelände auf verdächtige Gegebenheiten, wie geparkte Fahrzeuge mit Insassen, Motorradfahrer, wartende Personen. Informieren Sie im Verdachtsfall die Polizei oder den Sicherheitsdienst.

  • Bringen Sie größere Geldbeträge zu wechselnden Zeiten schon vor Geschäftsschluss zum Geldinstitut.

  • Wählen Sie unterschiedliche Wege. Meiden Sie dunkle und unübersichtliche Wege und Plätze.

  • Tragen Sie beim Geldtransport keine Arbeitskleidung, egal ob mit oder ohne Firmenemblem. Tragen Sie Geldtransportbehälter niemals sichtbar. Verwenden Sie Taschen und Behältnisse, die allgemein üblich sind und keinen Rückschluss auf den Inhalt zulassen.

Bei Benutzung eines Pkws beachten Sie folgende Punkte:

  • Überprüfen Sie vor Fahrtbeginn kurz den Pkw außen und innen. Steigen Sie rückwärts ein. Verriegeln Sie den Pkw. Schließen Sie das Fenster und das Schiebedach.

  • Lassen Sie sich während der Fahrt nicht zum Aussteigen provozieren. Treten Sie bei verdächtigen Fahrzeugen (Verfolger) keine unüberlegte Flucht an, sondern informieren über das Mobiltelefon - wenn vorhanden - die Polizei. Leisten Sie den Anordnungen der Polizei Folge.

  • Lassen Sie sich während des Geldtransportes nicht auf Gespräche mit fremden Personen ein.

  • Beenden Sie, wenn möglich, den Geldtransport vor Einbruch der Dunkelheit.

Verhalten während eines Raubüberfalls

  • Beachten Sie, dass der Schutz von Leben und Gesundheit des Menschen Vorrang vor dem Schutz materieller Werte hat.

  • Hören Sie dem Täter genau zu und folgen Sie widerspruchslos allen Anweisungen.

  • Benutzen Sie keine Waffen, auch keine erlaubnisfreien, waffenähnlichen Gegenstände.

  • Versuchen Sie Ruhe zu bewahren. Bleiben Sie höflich.

  • Leisten Sie keine Gegenwehr: Stellen Sie sich nicht in den Weg, sperren Sie die Zu- und Ausgänge nicht ab, greifen Sie den Täter nicht an. Hilfeschreie können dazu führen, dass der Täter möglicherweise entgegen seiner ursprünglichen Absicht Gewalt anwendet.

  • Halten Sie die Hände für den Täter die ganze Zeit gut sichtbar.

  • Machen Sie keine unangekündigten und hastigen Bewegungen.

  • Weisen Sie den Täter auf für ihn unerwartete Ereignisse, die ihn stören könnten, wie z. B. das geplante Eintreffen von Lieferanten, Geldtransportern und anderen hin.

  • Kommentieren Sie Ihre Handlungen. Das beruhigt den Täter und gibt ihm die Sicherheit, dass alles nach Plan verläuft. Das können Sätze sein, wie "Hier ist leider nicht mehr Geld. Bitte überzeugen Sie sich selbst, die Kasse ist leer. Möchten Sie stattdessen Ware? Welche?" oder "Das Geld ist im Tresor. Ich werde ihn jetzt öffnen.".

  • Schlagen Sie auf keinen Fall die Kassenlade/den Tresor zu. Sie können den Täter dabei verletzen und eine gewalttätige Gegenreaktion provozieren.

  • Seien Sie ehrlich zum Täter. Leugnen Sie nicht das Vorhandensein von Schlüsseln zum Kassenbüro/Geldschrank oder das Vorhandensein von Geld. Der Täter kann durch Beobachtung oder Tippgeber die Wahrheit wissen.

  • Verlassen Sie keinesfalls einen für Sie sicheren Bereich, um einem bedrohten Mitarbeiter zu Hilfe kommen zu wollen. Dies kann zur Eskalation der Situation führen.

  • Lösen Sie Alarm nur aus, wenn dadurch keine zusätzliche Gefährdung zu erwarten ist. Eine zusätzliche Gefährdung ist dann zu erwarten, wenn der Täter noch in der Betriebsstätte ist, die Alarmauslösung nicht unauffällig erfolgen kann, der Alarm optisch oder akustisch zu bemerken ist. Es besteht die Gefahr einer Geiselnahme bei Anrücken der Polizei.

  • Prägen Sie sich das Äußere des Täters und den Tatablauf ein. Eine gute Täterbeschreibung unterstützt die Fahndung der Polizei.

Verhalten nach einem Raubüberfall

  • Bewahren Sie Ruhe und beruhigen Sie alle Betroffenen und Zeugen.

  • Leisten Sie Erste Hilfe für Verletzte und kümmern Sie sich um Betroffene. Rufen Sie ggf. einen Arzt oder Krankenwagen.

  • Fertigen Sie bitte sofort für jeden Täter ein eigenes Fahndungsblatt Nr. 1. Ein Muster ist dieser Betriebsanweisung beigefügt.

  • Alarmieren Sie die Polizei. Geben Sie der Polizei den Ort des Überfalls, die Fluchtrichtung und eine Beschreibung des Täters und warten Sie auf weitere Anweisungen der Polizei.

  • Vergewissern Sie sich, ob der vorher ausgelöste Alarm beim Sicherheitsunternehmen/bei der Polizei angekommen ist (siehe vertragliche Regelungen).

  • Benachrichtigen Sie den betrieblichen Vorgesetzten bzw. die in der Meldekette genannten Personen: Herr/Frau ................................................ Tel.: .............................................

  • Stellen Sie den Geschäftsbetrieb ein, berühren Sie nichts, und sorgen Sie dafür, dass alle Anwesenden den Tatort verlassen.

  • Veranlassen Sie Zeugen, das Eintreffen der Polizei abzuwarten, oder notieren Sie sich deren Namen und Anschrift.

  • Machen Sie sich vor dem Eintreffen der Polizei bitte in Ruhe mit Hilfe des Fahndungsblatt Nr. 2 Notizen, damit Sie nichts vergessen oder verwechseln. Ein Muster ist dieser Betriebsanweisung beigefügt.

  • Vermeiden Sie unnötige Gespräche, damit eigene Beobachtungen und die Eindrücke nicht verfälscht werden.

  • Geben Sie keine Auskünfte oder Fotoerlaubnis an die Presse. Vorschnell gegebene Informationen erhöhen das Sicherheitsrisiko der Beteiligten und erschweren die Fahndung der Polizei.

  • Halten Sie sich an den betrieblichen Erstbetreuer und stellen Sie sich bei Gesundheitsbeschwerden einem Arzt Ihres Vertrauens vor.

  • Veranlassen Sie eine sofortige Meldung an die Berufsgenossenschaft, damit den Betroffenen zeitnah eine psychologische Soforthilfe angeboten werden kann. Tel: ............................ (zum Eintrag der zutreffenden Nummer durch den Unternehmer)

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