DGUV Regel 108-001 - Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/...

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Anhang 1, Beispiele für Maßnahmen bei Überfallrisiko
Anhang 1
Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/GUV-R 141)

Anhangteil

Titel: Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen (bisher: BGR/GUV-R 141)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 108-001
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 1 – Beispiele für Maßnahmen bei Überfallrisiko

1
Zeitverschlussbehältnisse

Zeitverschlussbehältnisse sind aufbruchhemmend gebaute Behältnisse, in die z. B. in der Kasse als Wechselgeld nicht benötigte Geldbeträge jederzeit eingegeben, aber nicht ohne Verzögerung entnommen werden können.

Zeitverschlussbehältnisse haben folgende Eigenschaften:

Das Öffnen ist jeweils erst nach Ablauf einer Sperrzeit möglich. Sie können im Bereich der Kasse aufgestellt werden, sind mit einem Einwurfschlitz versehen und so eingebaut oder aufgestellt, dass ihre Wegnahme erschwert ist.

Die Sperrzeit ist auf mindestens drei Minuten einstellbar. Sie kann mit Hilfe z. B. von speziellen Schlüsseln oder nach Entfernen der Verkleidungen geändert werden.

An den Kundeneingängen und im Bereich der Kasse wird deutlich erkennbar auf Sicherheitsmaßnahmen hingewiesen, z. B. dass die Geldbestände gesichert aufbewahrt werden oder dass das Geschäft bewacht wird.

Hinweiszeichen können z. B. folgenden Text tragen:

Geldbestände sind zeitschlossgesichert!

Unsere Mitarbeiter können die eingestellte Zeit nicht verkürzen!

2
Geldschränke (Wertschutzschränke)

Geldschränke stehen unter Zeit- oder Doppelverschluss. Bei Doppelverschluss wird das Vier-Augen-Prinzip gewahrt.

Das Vier-Augen-Prinzip ist gewahrt, wenn mindestens zwei dem Unternehmen angehörende Personen mit Hilfe verschiedener Schlüssel oder Chiffren das Behältnis nur gemeinsam öffnen können. Der Zeitverschluss ist dem Doppelverschluss vorzuziehen.

Geldschränke sind für Unbefugte verdeckt aufgestellt. Bei Tankstellen sollten diese Geldschränke mit einem Einwurfschlitz versehen sein.

Die Polizei empfiehlt nur nach DIN EN 1143-1 geprüfte und vom VdS oder ECB-S zertifizierte Geldschränke. Die Klassifizierung richtet sich nach der Höhe der aufbewahrten Geldsumme und den Anforderungen der Versicherung.

3
Deposit (Geldabwurfbehälter)

Geldabwurfbehälter sind in unmittelbarer Nähe der Geldlade im Kassentisch zu montieren. Die Geldabwurfbehälter sind zu verschließen. Der Schlüssel ist nicht an der Kasse aufzubewahren, so dass das Kassenpersonal keinen Zugriff auf das Geld hat. Die Montage muss so erfolgen, dass der Geldabwurfbehälter nicht mit einfachen Mitteln entfernt werden kann.

4
Elektronischer Sicherheitskoffer für Geldtransporte

Der elektronische Sicherheitskoffer sieht aus wie ein Aktenkoffer und ist zum Transport des Geldes zum Geldinstitut geeignet.

Er hat folgende Eigenschaften:

Gibt der Geldbote den Koffer aus der Hand, ohne ihn zu entsichern, ertönt ein akustischer Alarm und nach einer gewissen Zeit wird das Geld durch Farbe unbrauchbar. Das eingefärbte Geld kann von Eigentümern bei der Bank eingetauscht werden.

Einige Sachversicherer gewähren Versicherungsschutz, wenn Geld über Nacht in diesem Sicherheitskoffer aufbewahrt wird.

Der Koffer kann auch an der Registrierkasse zur Aufbewahrung der Geldbeträge, die abgeschöpft werden, verwendet werden.

5
Kassenrohrpostsysteme

Zum gefahrlosen Abtransport der abgeschöpften Geldbeträge dienen Kassenrohrpostsysteme. Jede einzelne Registrierkasse ist per Rohrpostleitung direkt mit der zentralen Geldsammelstelle verbunden. Das Kassenpersonal kann jederzeit den abgeschöpften Geldbestand mit einer Rohrpostbüchse zur Hauptkasse oder unmittelbar in den Tresor schicken. Der Einsatz von Geldboten entfällt. Es ist auch möglich, auf umgekehrtem Weg die Registrierkassen mit Wechselgeld zu versorgen.

6
Wechselgeldautomaten für Banknoten

Wechselgeldautomaten für Banknoten (Banknotenautomaten) dienen dazu, größere Banknoten von Kunden wechseln zu lassen. Auf diese Weise kann der Betrag für das Wechselgeld in der Registrierkasse niedriger gehalten werden.

Wechselgeldautomaten müssen folgende Eigenschaften haben:

Gehäuse, Öffnungen und Verriegelungseinrichtungen bieten einen ausreichenden Widerstand gegen Aufbruch und Wegnahme. Sie sind mit Zeitverschlusssystem versehen, das ein Öffnen des Hauptverschlusses vor Ablauf der festgelegten Sperrzeit nicht zulässt.

An den Eingängen und im Bereich der Kasse wird deutlich erkennbar darauf hingewiesen, dass die Geldbestände gesichert aufbewahrt werden, z. B. durch Anbringen von Hinweiszeichen mit dem Text:

Geldbestände sind gesichert!

Unsere Mitarbeiter haben keinen Zugriff auf die Bestände.

Der Ver- und Entsorgungsbereich von Wechselgeldautomaten ist während der Ver- und Entsorgung für Unbefugte weder einsehbar noch zugänglich.

7
Einrichtungen für bargeldloses Zahlen

Bargeldloser Zahlungsverkehr reduziert die Kassenbestände und verringert auf diese Weise den Anreiz zu Überfällen.

Eine Verringerung der Kassenbestände wird z. B. erreicht durch

  • EC-cash

  • Kreditkarten

  • Geldwertkarten.

8
Überfallmeldeanlagen

Der Alarm einer Überfallmeldeanlage (ÜMA) wird zu einer oder mehreren ständig besetzten Notruf- oder Serviceleitstellen weitergeleitet, die während der Arbeitszeit des Personals die Einleitung hilfebringender Maßnahmen gewährleisten.

Dabei sind Alarm empfangende Stellen von den Alarm gebenden Stellen so getrennt, dass sie in den Überfall nicht unmittelbar einbezogen werden können.

Die Voraussetzungen zur direkten Alarmweiterleitung zur Polizei sind in der "Richtlinie für Überfall- und Einbruchmeldeanlagen mit Anschluss an die Polizei (ÜAG)" geregelt.

Siehe auch DIN VDE 0833-1 "Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall; Allgemeine Festlegungen", DIN VDE 0833-3

"Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall; Festlegungen für Einbruch- und Überfallmeldeanlagen".

9
Optische Raumüberwachungsanlagen

Öffentlich zugängliche Kassenbereiche, in denen Banknoten von Versicherten ausgegeben oder angenommen werden, sollten, wenn die Gefährdungsbeurteilung nach Abschnitt 3.3 es erfordert, mit einer optischen Raumüberwachungsanlage ausgerüstet sein.

Optische Raumüberwachungsanlagen müssen so installiert sein, dass wesentliche Phasen eines Überfalles optisch wiedergegeben werden können.

Diese Forderungen sind erfüllt, wenn optische Raumüberwachungsanlagen (ORÜA) den "Installationshinweisen für optische Raumüberwachungsanlagen (ORÜA)" entsprechen (siehe BGI/GUV-I 819-2).

Die Installationshinweise können beim zuständigen Unfallversicherungsträger bezogen werden. Darüber hinausgehend kann zur Identifikation des Täters eine Kopplung der ORÜA mit der gegebenenfalls im SB-Foyer vorhandenen Videokamera sinnvoll sein.

Siehe auch § 6, §§ 2, 5 und 18 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV/GUV-V A 1).

Der Hinweis auf die optische Raumüberwachung verringert den Anreiz zu Überfällen.

Rechtliche Grundsätze zur Videoüberwachung im Gewerbe sind zu beachten, siehe z. B. www.bhe.de.

Die Betätigung der Überfallmeldeanlage löst gleichzeitig die optische Raumüberwachungsanlage aus und verhindert bei Endlosaufzeichnungen die Löschung.

10
Akustische Fernüberwachung

Der Versicherte trägt einen Sender bei sich, der bei Knopfdruck ein Signal auslöst, das eine akustische Verbindung zu der Netzzentrale herstellt. Diese kann mithören und beurteilen, ob ein Überfall stattfindet und sofort geeignete Maßnahmen einleiten.

Der Hinweis auf die akustische Raumüberwachung verringert den Anreiz zu Überfällen.

Die Auslösung muss unauffällig erfolgen können, um zusätzliche Gefährdungen zu vermeiden.