DGUV Regel 114-006 - Richtlinien für Liegeplätze in Führerhäusern und Ruheräumen...

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Abschnitt 4.3, 4.3 Besondere Bestimmungen für Liegeplätze in...
Abschnitt 4.3
Richtlinien für Liegeplätze in Führerhäusern und Ruheräumen von Fahrzeugen sowie Dachschlafkabinen (bisher: BGR 136)
Titel: Richtlinien für Liegeplätze in Führerhäusern und Ruheräumen von Fahrzeugen sowie Dachschlafkabinen (bisher: BGR 136)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 114-006
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4.3 – 4.3 Besondere Bestimmungen für Liegeplätze in Dachschlafkabinen

4.3.1
Allgemeines

4.3.1.1

Dachschlafkabinen, ausgenommen Pullman-Kabinen, sind nur auf geeigneten Führerhäusern zulässig.

Für die verkehrsrechtliche Zulassung ist ein Führerhaus dann geeignet, wenn eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des LKW-Herstellers vorliegt. Diese Bescheinigung ist erforderlich, weil sich der Aufbau der Dachschlafkabine auf die Konstruktion des Führerhauses auswirken kann, insbesondere auf

  • die Führerhauslagerung und -federung,

  • die Kipphydraulik und die Sicherheitsstütze bei kippbaren Führerhäusern,

  • das Verformungsverhalten des Führerhauses wegen des Dachausschnittes,

  • die zulässige Vorderachslast.

Die Dachlast des Führerhauses setzt sich zusammen aus dem Gewicht der komplett ausgestatteten Dachschlafkabine und dem Personengewicht.

4.3.1.2

Dachschlafkabinen sind nicht zulässig auf Fahrzeugen, bei denen die Auspuffleitung am Führerhaus nach oben geführt wird.

4.3.1.3

Kippbare Führerhäuser mit Dachschlafkabinen müssen leicht und gefahrlos gekippt werden können.

4.3.1.4

Dachschlafkabinen müssen sicher am Führerhaus befestigt sein.

4.3.1.5

Liegeplätze in Dachschlafkabinen müssen wie folgt bemessen sein:

 mindestens (mm)empfohlen (mm)
Breite des Liegeplatzes≥ 600≥ 700
Länge des Liegeplatzes≥ 1900≥ 2000
Lichte Innenhöhe der Dachschlafkabine≥ 850≥ 900

Bei in Fahrtrichtung vor der Durchstiegsöffnung angeordneter Liegefläche ist eine Einschränkung der lichten Höhe (gemessen ohne Matratze) über der Liegefläche im vorderen Bereich bis auf ein Maß von mindestens 650 mm zulässig.

4.3.1.6

Dachschlafkabinen müssen vom Führerhausinnenraum über eine Durchstiegsöffnung von mindestens 500 x 450 mm zu erreichen und zu verlassen sein. Anzustreben sind Durchstiegsöffnungen von mindestens 0,3 m2 Größe, wobei bei rechteckiger Gestaltung keine der Seitenlängen das Maß von 450 mm unterschreiten darf.

4.3.1.7

Durch Klappen oder Deckel schließbare Durchstiegsöffnungen müssen sowohl von innen als auch von außen leicht und einfach geöffnet werden können. Dies gilt auch, wenn der Liegeplatz benutzt wird.

Ein Verschließen oder Verriegeln von Klappen und Deckeln darf nicht möglich sein.

Dies wird erreicht, wenn Klappen und Deckel im Notfall nach unten geöffnet werden können. Ein unbeabsichtigtes Öffnen nach unten muss jedoch verhindert sein.

4.3.1.8

Durchstiegsöffnungen müssen so angeordnet oder gestaltet sein, dass das Herabfallen von Gegenständen auf Fahrzeugführer und Beifahrer möglichst vermieden ist.

4.3.1.9

Unterhalb von Durchstiegsöffnungen muss ein Aufstieg vorhanden sein, über den die Dachschlafkabinen sicher erreicht und verlassen werden können.

Dies wird erreicht, wenn

  • das Auf- und Absteigen möglich ist, ohne dass das volle Körpergewicht mit den Armen abgestützt werden muss,

  • unterhalb von Durchstiegsöffnungen (in deren Vertikalprojektion) eine im Wesentlichen horizontale, bequem erreichbare Standfläche (Zugangsstandfläche) von mindestens 300 x 250 mm vorhanden ist,

  • bei einem Abstand von mehr als 800 mm zwischen Standfläche und Liegefläche geeignete Auftritte mit mindestens 150 mm Fußraumtiefe vorhanden sind, deren Abstände

    • zur Standfläche und untereinander höchstens 500 mm,

    • zur Liegefläche höchstens 800 mm

      betragen

      und

  • dem Aufstieg ausreichende Haltemöglichkeiten zugeordnet sind.

4.3.1.10

Klappbare und schwenkbare Auftritte zu Dachschlafkabinen müssen gegen unbeabsichtigte Bewegungen gesichert sein oder werden können. Die Aufstiege dürfen nicht ohne Zuhilfenahme von Werkzeug entfernt werden können.

4.3.1.11

Bei der Anordnung und Gestaltung der Aufstiege zu Dachschlafkabinen müssen scharfe Kanten, Ecken und Profile vermieden sein.

4.3.1.12

Bei Dachschlafkabinen muss unabhängig von der Durchstiegsöffnung vom Führerhausinnenraum ein Notausstieg vorhanden sein, der an einer der beiden Dachschlafkabinenseiten angeordnet ist.

4.3.1.13

Notausstiege müssen eine Öffnung von mindestens 0,2 m2 Größe aufweisen, wobei keine der Seitenlängen das Maß von 350 mm unterschreiten darf.

Bei quadratischem Querschnitt ergibt sich eine Öffnung von 450 x 450 mm, unter Einbeziehung des Mindestseitenmaßes von 350 mm ergibt sich eine Öffnung von 570 x 350 mm.

4.3.1.14

Notausstiege müssen von innen leicht zu erkennen und zu öffnen sein.

Dies schließt ein, dass

  • Notausstiege gekennzeichnet sind, sofern sie als solche nicht eindeutig erkennbar sind

    und

  • die Öffnungsweise des Notausstieges gekennzeichnet ist, sofern diese nicht eindeutig erkennbar ist.

4.3.1.15

Dachschlafkabinen müssen mit einer Belüftungseinrichtung mit ausreichendem Luftwechsel und einer nicht verschließbaren Entlüftung ausgerüstet sein.

4.3.1.16

Dachschlafkabinen, deren Durchstiegsöffnungen zum Führerhausinnenraum schließbar sind, müssen mit einer Sicherheitslüftung ausgerüstet sein, die die erforderliche Mindestzufuhr von Frischluft gewährleistet, auch wenn die sonstigen vorhandenen Lüftungsmöglichkeiten nicht geöffnet sind. Der Querschnitt der Sicherheitslüftung muss so bemessen sein, dass der CO2-Wert von 1 Vol.-Prozent nicht überschritten wird.

Siehe auch DIN 7941 "Caravan; Begriffe, Maße, Anforderungen und Prüfung".

4.3.1.17

Dachschlafkabinen müssen ausreichend isoliert sein. Schwitzwasserbildung sollte möglichst vermieden sein.

4.3.1.18

Heizung und Lüftung müssen zugfrei einsetzbar sein, die Luftströme für Heizung und Belüftung müssen von der Dachschlafkabine aus regelbar sein.

4.3.1.19

Dachschlafkabinen müssen ausreichend mit Ablageflächen oder anderen Staumöglichkeiten ausgerüstet sein, damit Behinderungen durch auf der Liegefläche abgelegte Gegenstände vermieden werden.

4.3.1.20

An Dachschlafkabinen, ausgenommen Pullman-Kabinen, die nicht den zusätzlichen Bestimmungen nach Abschnitt 4.3.2 entsprechen, muss an der Durchstiegsöffnung zur Dachschlafkabine ein Schild mit der Aufschrift

"Der Aufenthalt in der Dachschlafkabine ist während der Fahrt verboten"

deutlich erkennbar und dauerhaft angebracht sein.

Zum Verbotszeichen (Verbot des Aufenthalts in Dachschlafkabinen während der Fahrt) siehe auch Anhang 1 und DIN 70006-1 "Sicherheits- und Hinweiszeichen für Fahrzeuge; Teil 1: Sicherheits- und Hinweiszeichen für Nutzkraftwagen".

4.3.1.21

In Dachschlafkabinen muss auf das Rauchverbot durch das Verbotszeichen "Rauchen verboten" deutlich erkennbar und dauerhaft hingewiesen werden. Das Verbotszeichen muss der BG-Vorschrift "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz" (BGV A8, bisherige VBG 125) entsprechen.

4.3.2
Zusätzliche Bestimmungen für Dachschlafkabinen, die für den Aufenthalt während der Fahrt geeignet sind

4.3.2.1

Dachschlafkabinen müssen so gebaut und am Führerhaus befestigt sein, dass die Gefahr der Verletzung für einen in der Kabine befindlichen Versicherten bei einem Unfall weitgehend ausgeschlossen ist. Dachschlafkabinen müssen auch dann einen ausreichenden Überlebensraum bieten, wenn das Fahrzeug unfallbedingt umstürzt.

Dies wird erreicht, wenn in Anlehnung an die in Anhang 3Anlage 2 ECE-Regelung Nummer 29 "Einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Fahrzeuge hinsichtlich des Schutzes der Insassen des Fahrerhauses von Nutzfahrzeugen" dargestellte Prüfpuppe, für die hier in abgewandelter Form eine liegende Position angenommen werden muss, ein ausreichender Überlebensraum vorhanden ist. Dabei ist für Dachschlafkabinen, ausgenommen Pullman-Kabinen, von einer statischen Prüfbelastung der Dachschlafkabine in Höhe der zulässigen Vorderachslast auszugehen. Die Prüflast braucht jedoch nicht mehr als 6000 kg zu betragen. Eine führerhausunabhängige Prüfung ist möglich.

4.3.2.2

Die vordere Begrenzungswand des Innenraumes von Dachschlafkabinen darf keine Glasflächen enthalten.

Zur Gestaltung des Innenraumes siehe Abschnitt 4.1.5.

4.3.2.3

Die Außen- und Innenausbaumaterialien von Dachschlafkabinen dürfen bei unfallbedingter äußerer Krafteinwirkung nicht splittern oder scharfkantig brechen.

Zur Splittersicherheit von Werkstoffen siehe auch Nummer 29 "Sicherheitsglas" der "Technischen Anforderungen an Fahrzeugteile bei der Bauartprüfung nach 22 a StVZO".

4.3.2.4

Durchstiegsöffnungen im Fahrzeuginnenraum dürfen nicht oberhalb des Sitzes des Fahrzeugführers angeordnet sein.

4.3.2.5

Liegeplätze in Dachschlafkabinen müssen mit Sicherungen gegen Herausfallen ausgerüstet sein, wenn die Durchstiegsöffnung nicht so angeordnet oder gestaltet ist, dass ein Absturz ausgeschlossen werden kann.

Bezüglich der Wirksamkeit und Handhabungsmöglichkeiten der Sicherungen siehe Abschnitt 4.2.3.

4.3.2.6

Bei Dachschlafkabinen muss unabhängig von der Durchstiegsöffnung im Führerhausinnenraum zusätzlich zu dem Notausstieg nach Abschnitt 4.3.1.12 ein zweiter Notausstieg vorhanden sein. Die Lage der Notausstiege muss so angeordnet sein, dass entweder

  • je ein Ausstieg zur rechten und zur linken Seite

    oder

  • ein Ausstieg in der Dachfläche und ein zweiter zur linken Seite

vorhanden ist.

4.3.2.7

Für Dachschlafkabinen, die für den Aufenthalt während der Fahrt geeignet sind, ist ein Aufenthaltverbotsschild nach Abschnitt 4.3.1.20 nicht erforderlich.