DGUV Regel 114-016 - Straßenbetrieb Straßenunterhalt (bisher: BGR/GUV-R 2108)

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Abschnitt 3.3, 3.3 Gefährdungsbeurteilungen
Abschnitt 3.3
Straßenbetrieb Straßenunterhalt (bisher: BGR/GUV-R 2108)
Titel: Straßenbetrieb Straßenunterhalt (bisher: BGR/GUV-R 2108)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 114-016
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.3 – 3.3 Gefährdungsbeurteilungen

Allgemeines

Der Unternehmer hat gemäß § 5 des Arbeitsschutzgesetzes sowie § 3 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV/GUV-V A1) Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen, diese zu dokumentieren und sie an sich ändernde Bedingungen anzupassen. Die aus der Gefährdungsbeurteilung abgeleiteten Maßnahmen sind auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Bei der Beschäftigung von Jugendlichen hat der Unternehmer die Arbeitsbedingungen hinsichtlich der besonderen Gefährdungen für Jugendliche zu beurteilen.

Die Beurteilungen sind je nach Art der Tätigkeit vorzunehmen. Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen ist die repräsentative Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ausreichend.

Im Rahmen der Beurteilung sind alle vorhersehbaren Gefährdungen und Belastungen zu berücksichtigen. Beim Straßenbetrieb und -unterhalt gehören dazu unter anderem:

  • Mechanische Gefährdungen (z.B. durch sich bewegende Teile, Stolpern, Umknicken, Stürzen),

  • Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen (z.B. fließender Verkehr, Hitze, Kälte, Nässe, Nebel),

  • physische Belastungen/Arbeitsschwere (z.B. schweres Heben und Tragen, körperliche Zwangshaltung),

  • physikalische, chemische und biologische Einwirkungen (z.B. Lärm, Vibrationen, Abgase von Dieselmotoren, Tiere sowie Pflanzen mit giftiger Wirkung),

  • psychische Belastungen (z.B. Arbeiten in der Nähe des fließenden Verkehrs oder andere Umgebungsbedingungen, Überstunden, Zeitdruck, belastende Arbeitszeiten) oder

  • sonstige Gefährdung (z.B. ungeeignete persönliche Schutzausrüstung).

Hinweis:

Bei der Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen können z.B. folgende Schriften herangezogen werden:

  • Information "Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz bei der Straßenunterhaltung" (GUV-I 8756)

  • Information "Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz" (BGI/GUV-I 8700)

  • Information "Psychische Belastungen - Checklisten für den Einstieg" (GUV-I 8766)

Lärm und Vibrationen

Bei Tätigkeiten mit Lärm- und Vibrationseinwirkungen ist gemäß der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung zu prüfen, ob die folgenden Auslöse- bzw. Expositionsgrenzwerte eingehalten sind:

  • Lärmexposition:

    1.  

      oberer Auslösewert

      LEX, 8h = 85 dB(A) oder LpC, peak = 137 dB(C)

      unterer Auslösewert

      LEX, 8h = 80 dB(A) oder LpC, peak = 135 dB (C)

  • Vibrationsexpositionen:

    bei Hand-Arm-Vibrationen

    1.  

      Tages-Expositionsgrenzwert

      1.  

        A(8) = 5,0 m/s2

    2.  

      Auslösewert (Tages-Expositionswert)

      1.  

        A(8) = 2,5 m/s2

    bei Ganzkörpervibrationen

    1.  

      Tages-Expositionsgrenzwert in x-, y-Richtung:

      1.  

        A(8) = 1,15 m/s2

      Tages-Expositionsgrenzwert in z-Richtung:

      1.  

        A(8) = 0,8 m/s2

      Auslösewert in alle Richtungen

      (Tages-Expositionswert)

      1.  

        A(8) = 0,5 m/s2

Hierzu ist es erforderlich, dass Expositionswerte fachkundig ermittelt und bewertet werden. Hierbei sind insbesondere zu berücksichtigen:

  • Art, Ausmaß und Dauer der Exposition,

  • die Verfügbarkeit alternativer Arbeitsmittel und Ausrüstungen, die zu einer geringeren Exposition der Beschäftigten führen (Substitutionsprüfung),

  • Erkenntnisse aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge sowie allgemein zugängliche, veröffentlichte Informationen,

  • die zeitliche Ausdehnung der beruflichen Exposition über eine Achtstundenschicht hinaus,

  • die Verfügbarkeit und Wirksamkeit von Gehörschutzmitteln,

  • Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit von Beschäftigten, die besonders gefährdeten Gruppen angehören,

  • Herstellerangaben sowie

  • Wechselwirkungen, insbesondere zwischen Lärm und Warnsignalen und besondere Arbeitsbedingungen wie Tätigkeiten bei niedrigen Temperaturen.

Die Auslöse- und Expositionsgrenzwerte bei Lärm können erreicht oder überschritten werden z.B. bei Arbeiten

  • mit Motorsäge,

  • mit Freischneider,

  • mit Häcksler,

  • mit Fugenschneider,

  • mit Rüttelplatte,

  • mit Trennschleifer,

  • mit Aufbruchhammer oder

  • an stark befahrenen Straßen mit hohem LKW-Aufkommen.

Die Auslöse- und Expositionsgrenzwerte für Hand-Arm-Vibrationen können bei der Arbeit mit handgeführten Maschinen, wie z.B. Motorsäge oder Freischneider, erreicht oder überschritten werden.

Ein Überschreiten der Auslöse- und Expositionsgrenzwerte für Ganzkörpervibrationen kann beim Führen von Maschinen, wie z.B. Radlader, Raupenfahrzeugen, Gabelstapler, Bagger, Vibrationswalzen oder andere Bodenverdichtungsmaschinen, vorliegen.

Bei Überschreiten der Expositionsgrenzwerte sind unverzüglich Ursachen zu ermitteln und Maßnahmen zu ergreifen, um die Einhaltung der Expositionsgrenzwerte zu gewährleisten (z.B. Beschaffung eines schwingungsärmeren Arbeitsmittels, Begrenzung der Expositionszeit gegenüber Vibrationen).

Angaben zu Vibrationen und Schallpegeln können durch Messungen oder aus Prüfberichten (z.B. Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA), Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF), Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)) oder Herstellerangaben ermittelt werden. Die Expositionszeit ist entsprechend dem Arbeitsverfahren zu bestimmen.

Gefahrstoffe

Nach § 7 Gefahrstoffverordnung hat der Arbeitgeber festzustellen, ob die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen (z B. Kraftstoffe, Schmierstoffe, Sprühfarben, Reinigungsmittel) oder ob Gefahrstoffe bei diesen Tätigkeiten entstehen oder freigesetzt werden (z.B. Abgase von Verbrennungsmotoren). Die Gefahrstoffverordnung legt im § 7 auch Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung fest. Im Bereich des Straßenunterhaltungsdienstes bedeutet dies insbesondere:

  • Angaben des Herstellers auf Verpackungen, Beipackzetteln und Sicherheitsdatenblättern beachten und eine tätigkeitsbezogene Betriebsanweisung erstellen (siehe Abschnitt 3.5 dieser Regel).

  • Bewertung der Belastung durch Motorabgase (z.B. Motoren nicht in geschlossenen Räumen betreiben, bei Einstell- und Rüstarbeiten Absauganlagen benutzen, im Freien einen guten Abzug der Abgase sicherstellen).

  • Einsatz weniger gefährlicher Ersatzstoffe oder alternativer Arbeitsverfahren (z.B. handgeführte motorbetriebene Geräte, wie Motorsägen oder Freischneider, mit benzolfreiem Sonderkraftstoff betanken).

Weitere Hinweise dazu auch unter Abschnitt 4.14 dieser Regel.

Biologische Arbeitsstoffe

Biologische Arbeitsstoffe sind u.a. Mikroorganismen, die beim Menschen Infektionen, sensibilisierende oder toxische Wirkungen hervorrufen können.

Bei der Beurteilung der Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe sind die §§ 5, 7, 8 Biostoffverordnung (BioStoffV) heranzuziehen. Biologische Arbeitsstoffe werden in Risikogruppen (1 bis 4) eingeordnet. Die Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen sind ihrem Infektionsrisiko entsprechend einer Schutzstufe von 1 bis 4 zuzuordnen. Dabei sind mindestens die allgemeinen Hygienemaßnahmen der Schutzstufe 1 anzuwenden. Diese allgemeinen Hygienemaßnahmen sind in der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe "Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen" (TRBA 500) aufgeführt. Beim Straßenunterhaltungsdienst sind in der Regel von den vier Risikogruppen nur folgende relevant:

Bei biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 1 ist es unwahrscheinlich, dass sie beim Menschen eine Krankheit verursachen. Dazu gehören z.B. häufig im Boden, Wasser oder Luft vorkommende Bakterien (wie Methan bildende Bakterien und Essigsäurebakterien) und Pilze (wie Aspergillus clavatus oder Aspergillus niger). Die Einhaltung der persönlichen Hygiene ist als Schutzmaßnahme ausreichend.

Biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppe 2 können eine Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine Gefahr für die Beschäftigten darstellen. Biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppe 3 können eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen. Beispiele sind:

  • der Erreger Clostridium tetani, der Tetanus (Wundstarrkrampf) verursachen kann (Risikogruppe 2),

  • durch Zeckenstiche übertragene Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) (Risikogruppe 3**) oder der Borreliose (Risikogruppe 2),

  • Hanta-Viren, die durch Schadnager (z.B. Mäuse) verbreitet werden und das Hämorrhagische Fieber mit Nierenerkrankung verursachen (je nach Subtyp Risikogruppen 2 oder 3**) oder

  • im Taubenkot das Bakterium Chlamydophila psittaci (Erreger der Papageienkrankheit - Risikogruppe 3) bzw. andere krankheitserregende Organismen (Bakterien, Hefen und Pilze - Risikogruppe 2).

Bei bestimmten biologischen Arbeitsstoffen, die in Gruppe 3 eingestuft und in der Liste im Anhang 3 der EG-Richtlinie 2000/54/EG über den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe bei der Arbeit mit zwei Sternchen (**) versehen werden, ist das Infektionsrisiko für Beschäftigte begrenzt, da eine Infizierung über den Luftweg normalerweise nicht erfolgen kann.

Zeigt die Gefährdungsbeurteilung einen Handlungsbedarf zum Schutz der Beschäftigten auf, sind entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Weitere Hinweise hierzu in Abschnitt 4.15 dieser Regel und:

  • TRBA 460 "Einstufung von Pilzen in Risikogruppen"

  • TRBA 462 "Einstufung von Viren in Risikogruppen"

  • TRBA 464 "Einstufung von Parasiten in Risikogruppen"

  • TRBA 466 "Einstufung von Prokaryonten (Bacteria und Archaea) in Risikogruppen"

Erhöhte Exposition durch UV-Strahlung

Eine erhöhte Exposition der Haut und der Augen durch UV-Strahlung infolge von Sonneneinwirkung ist durch geeignete Maßnahmen weitestgehend zu minimieren. Eine erhöhte Exposition ist in der Regel im Freien gegeben, wenn ein UV-Index => 6 erreicht ist. Dieser Index kann der Tagespresse und der Homepage des Bundesamtes für Strahlenschutz (www.bfs.de) entnommen werden. Abhängig von der Art der auszuführenden Tätigkeiten sind folgende Maßnahmen zu kombinieren:

  • Tragen geeigneter Kleidung mit ausreichendem Haut- und Kopfschutz,

  • Verwendung geeigneter Sonnenschutzmittel auf freien Hautflächen,

  • Verwendung von Sonnenbrillen.

Fahr- und Steuertätigkeiten

Mit Fahr- und Steuertätigkeiten können erhebliche Gefahren und Belastungen verbunden sein. Besteht nach der Gefährdungsbeurteilung ein konkreter Untersuchungsanlass zur Eignungsfeststellung, ist der Berufsgenossenschaftliche Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen G 25, als allgemein anerkannte arbeitsmedizinische Regel, zu empfehlen.

Weitere Hinweise hierzu in der Information "Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge" nach dem DGUV Grundsatz G 25 "Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten" (BGI/GUV-I 504-25)