DGUV Regel 112-198 - Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz...

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Abschnitt 7.2, 7.2 Besondere Hinweise
Abschnitt 7.2
Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (DGUV Regel 112-198)
Titel: Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (DGUV Regel 112-198)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 112-198
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 7.2 – 7.2 Besondere Hinweise

7.2.1
Bei dem Risiko einer Kantenbeanspruchung der Ausrüstung während eines Auffangvorgangs sind dafür geeignete Bestandteile auszuwählen. Dies ist der Fall, wenn z. B. die Anschlageinrichtung nicht über der Benutzerin oder dem Benutzer, sondern in Standplatzebene angeordnet ist.

Es sind Höhensicherungsgeräte, mitlaufende Auffanggeräte einschließlich beweglicher Führung und Verbindungsmittel mit Falldämpfer auszuwählen, die den zu erwartenden Beanspruchungen über eine Kante standhalten. Angaben zur Art der Kantenbeanspruchung, über die zulässige Anordnung des Anschlagpunktes und die erforderliche lichte Höhe unterhalb des Standplatzes der Benutzerinnen und Benutzer sind in der Gebrauchsanleitung des Herstellers enthalten.

Zudem ist zu berücksichtigen, dass generell ein Pendelsturz über die Absturzkante vermieden wird. Ein Pendelsturz kann zum Versagen der Ausrüstung durch die Vergrößerung der Fallstrecke, zu nicht kalkulierbaren Auffangstrecken und zum Anprallen an Teilen der Umgebung führen. Für die Vermeidung von Pendelstürzen empfiehlt es sich, anstelle von Einzelanschlagpunkten Anschlagkonstruktionen zu verwenden, die parallel zur Absturzkante verlaufen.

7.2.2
Bei der Verwendung von PSA gegen Absturz mit anderen PSA, z. B. Atemschutzgerät, Rettungsweste, Schutz- oder Warnkleidung ist darauf zu achten, dass eine mögliche gegenseitige Beeinträchtigung der jeweiligen Schutzwirkung vermieden wird. Daher sind bereits vom Hersteller konfektionierte Kombinationen zu bevorzugen, die auf ihre jeweilige Funktionsfähigkeit geprüft und zugelassen sind.

Beispiele:

Atemschutz und PSA gegen Absturz Die Funktion des Atemschutzgerätes kann durch einen Auffangvorgang beeinträchtigt werden. Kurze Fallstrecken reduzieren dieses Risiko. Es wird empfohlen, Auffanggurte mit integrierter Tragevorrichtung für Druckluftflaschen zu verwenden.

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Abb. 19
Beispiel Auffanggurt mit integrierter Tragevorrichtung für Atemschutzgerät

Rettungsweste und PSA gegen Absturz Um die vollständige Entfaltung des Auftriebskörpers der Rettungsweste nach einem Sturz ins Wasser zu gewährleisten, ist die Rettungsweste über dem Auffanggurt zu tragen.

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Abb. 20a
Beispiel eines Auffanggurtes mit Rettungsweste (Vorderansicht)

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Abb. 20b
Beispiel eines Auffanggurtes mit Rettungsweste (Rückansicht)

Schutzkleidung und PSA gegen Absturz Bei einem Auffangvorgang besteht das Risiko der Beeinträchtigung der Funktion des Auffanggurtes und der Schutzwirkung der Schutzkleidung (z. B. Chemikalienschutzanzüge oder Warnkleidung). Daher wird empfohlen, Schutzkleidung mit integriertem Auffanggurt zu verwenden.

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Abb. 21
Beispiel Auffanggurt in Schutzkleidung integriert

Die Entscheidung, ob sicherheitstechnische Funktionen beeinträchtig werden, liegt bei der Prüf- und Zertifizierungsstelle in Zusammenarbeit mit dem Hersteller und Anwendern. Ggf. sind die betroffenen Funktionen in einer Nachprüfung zu verifizieren oder die Kombination sogar als eigenständiges Produkt zu zertifizieren.

7.2.3
Bei der Benutzung von PSA gegen Absturz mit Industrieschutzhelmen besteht im Falle eines Auffangvorganges das Risiko der Kopfverletzung durch das Herabfallen des Schutzhelmes. Daher wird empfohlen, Schutzhelme mit Drei- oder Vierpunktkinnriemen aus dem Bergsport zu verwenden, die zusätzlich auch die Anforderungen nach DIN EN 397 erfüllen.

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Abb. 22
Beispiel Industrieschutzhelm nach DIN EN 397 mit Vierpunktkinnriemen

7.2.4
Sicherungstechniken/-methoden aus dem Bergsport dürfen nicht als Maßnahme zum Schutz gegen Absturz angewendet werden.

7.2.5
Zum Schutz gegen Absturz beim Risiko des Herauskatapultierens aus fahrbaren Hubarbeitsbühnen sind Ausrüstungen nach DIN 19427 zu verwenden. Diese Ausrüstungen (z. B. Höhensicherungsgeräte oder längeneinstellbare Verbindungsmittel mit Falldämpfer) haben eine maximale Systemlänge von 1,8 m und sind mit Verbindungselementen ausgestattet, die mit einem "A" oder einem Piktogramm für die Verbindung mit einem Auffanggurt gekennzeichnet sind.

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Abb.23
Höhensicherungsgerät mit ausgelösten Sturzindikator

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Abb.24
Ausgelöster Sturzindikator am ein- und ausziehbaren Verbindungsmittel eines Höhensicherungsgerätes

7.2.6
Bei der Auswahl empfehlen sich Ausrüstungen, die mit einem Sturzindikator ausgestattet sind. Dieser zeigt an, wenn das System durch einen Auffangvorgang beansprucht wurde (siehe Abbildungen 23-26).

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Abb. 25
Karabinerhaken mit Sturzindikator am Wirbel

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Abb.26
Ausgelöster Sturzindikator des Karabinerhakens