DGUV Regel 112-190 - Benutzung von Atemschutzgeräten (bisher: BGR/GUV-R 190)

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Abschnitt 3.1.5.2, 3.1.5.2 Auswahlprinzipien
Abschnitt 3.1.5.2
Benutzung von Atemschutzgeräten (bisher: BGR/GUV-R 190)
Titel: Benutzung von Atemschutzgeräten (bisher: BGR/GUV-R 190)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 112-190
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1.5.2 – 3.1.5.2 Auswahlprinzipien

Das Benutzen von Atemschutzgeräten ist immer mit einer zusätzlichen Belastung verbunden. Grundsätzlich gilt:

SOVIEL SCHUTZ WIE NÖTIG, SOWENIG BELASTUNG WIE MÖGLICH!

Es gibt in der Praxis kein Atemschutzgerät, das seinen Träger vollkommen von der Umgebungsatmosphäre abschließt. Deshalb hat der Unternehmer Atemschutzgeräte auszuwählen, deren Leckage so gering ist - d.h., die so wenig Schadstoff in das Innere des Atemanschlusses gelangen lassen -, dass in der Einatemluft der Grenzwert des Schadstoffes sicher unterschritten bleibt. Dieser Schutz durch das Gerät kann auch durch die Angabe des Vielfachen des Grenzwertes (VdGW) charakterisiert werden, bis zu dem das Gerät eingesetzt werden kann (siehe Tabellen 1 bis 3). Gegen CMR-Stoffe und Zubereitungen ist grundsätzlich die höchste Klasse auszuwählen.

Von dieser Regelung kann abgewichen werden, wenn innerhalb der Gefährdungsbeurteilung nachgewiesen und dokumentiert wurde, dass ein Atemschutzgerät einer geringeren Klasse ausreichend wirksam ist, oder wenn allgemein für bestimmte Fälle die Wirksamkeit von Atemschutzgeräten geringerer Klasse im Rahmen von Technischen Regeln attestiert worden ist.

Dies gilt auch für Schadstoffe, für die kein Grenzwert ausgewiesen ist.

Die hohe Schutzwirkung der aufgeführten Gerätetypen ist nur durch sorgfältige Beachtung aller für den Einsatz wichtigen Bedingungen zu erreichen, z.B.:

  • Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung,

  • Ausbildung, Unterweisung und praktische Übung,

  • Anpassen des Gerätes, wobei insbesondere auf einwandfreien Dichtsitz zu achten ist,

  • Zusammenwirken mit anderen persönlichen Schutzausrüstungen,

  • Sicherung von Gerätträgern.

Bei der Festlegung der Schutzwirkung in den Tabellen 1 bis 3 sind außer der in der jeweiligen Norm angegebenen höchstzulässigen Leckage weitere Einflussgrößen berücksichtigt worden, z.B. Atemwiderstand bei hohen Atemminutenvolumina, verbleibender Schutz bei Störung am Gerät.

Für biologische Arbeitsstoffe, wie Mikroorganismen, sowie für Enzyme können Grenzwerte generell nicht benannt werden. Gemäß Biostoffverordnung werden biologische Arbeitsstoffe nach ihrem Infektionsrisiko in 4 Risikogruppen eingeteilt. Für Enzyme gilt dies nicht. Praktisch wird ein Anhaltswert von 20 ng/m3 vom internationalen Verband der Waschmittelhersteller, A.I.S.E., benannt.

Insofern ist eine spezifische Gefährdungsbeurteilung unter Einbeziehung medizinischen Sachverstandes erforderlich

Voraussetzungen für die richtige Auswahl sind ausreichende Kenntnisse über die Art und den örtlichen und zeitlichen Konzentrationsverlauf der Schadstoffe. Der in den Tabellen 1 und 2 angegebene Schutz kann nur dann erwartet werden, wenn die Atemschutzgeräte in einwandfreiem Zustand bestimmungsgemäß eingesetzt und dem Gerätträger vorher genau angepasst werden.

Atemschutzgeräte mit Filtern schützen nicht bei Sauerstoffmangel. Bei weniger als 17 Vol.-% Sauerstoff in der Umgebungsatmosphäre dürfen sie nicht eingesetzt werden.

Regelungen für spezielle Bereiche und Kohlenstoffmonoxid-Filter (CO-Filter) sehen auch eine untere Grenze von 19 Vol.-% Sauerstoff vor.

Partikelfilter schützen nur gegen feste oder flüssige Aerosole; Gasfilter hingegen nur gegen Gase und nicht gegen feste oder flüssige Aerosole.

Verursachen Schadstoffe in der Umgebungsatmosphäre auch Reizungen oder Schädigungen der Augen, ist Augenschutz erforderlich. Zweckmäßigerweise sollte ein Atemanschluss ausgewählt werden, der gleichzeitig die Augen schützt, zum Beispiel eine Vollmaske oder eine Atemschutzhaube.

Neben den Tabellen sind auch die Anwendungs- und Auswahlhinweise sowie die Anwendungsbeschränkungen in der Informationsbroschüre (Gebrauchsanleitung) des Herstellers zu berücksichtigen.

Tabelle 1: Auswahl von Filtergeräten
GeräteartNorm
DIN EN
VdGWBemerkungen, Einschränkungen
Vollmaske oder Mundstückgarnitur mit P1-Filter136
142
143
4Als Atemschutz nicht sinnvoll, da der hohe Filterdurchlass die geringe Maskenleckage aufhebt.
Nicht gegen CMR-Stoffe und radioaktive Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe mit der Einstufung in Risikogruppe 2 und 3 und Enzyme.
Vollmaske oder Mundstückgarnitur mit P2-Filter136
142
143
15Gegen CMR-Stoffe und radioaktive Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe mit der Einstufung in Risikogruppe 3 und Enzyme nur nach Gefährdungsbeurteilung (siehe Auswahlprinzipien).
Vollmaske oder Mundstückgarnitur mit P3-Filter136
142
143
400 
Halb-/Viertelmaske mit P1-Filter, partikelfiltrierende Halbmaske FFP1140
143
149
1827
4Nicht gegen CMR-Stoffe und radioaktive Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe mit der Einstufung in Risikogruppe 2 und 3 und Enzyme.
Halb-/Viertelmaske mit P2-Filter, partikelfiltrierende Halbmaske FFP2140
143
149
1827
10Gegen CMR-Stoffe und radioaktive Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe mit der Einstufung in Risikogruppe 3 und Enzyme nur nach Gefährdungsbeurteilung (siehe Auswahlprinzipien).
Halb-/Viertelmaske mit P3-Filter, partikelfiltrierende Halbmaske FFP3140
143
149
1827
30 
Vollmaske oder Mundstückgarnitur mit Gasfilter*136
14 387
142
400 
Halb-/Viertelmaske mit Gasfilter*140
14 387
30 
Gasfiltrierende Halbmaske*405
bzw.
1827
30 
Geräte mit KombinationsfilterEs gelten die jeweiligen Vielfachen des Grenzwertes für den Gas- oder Partikelfilterteil, und zwar jeweils der schärfere Wert.
*

Sofern damit nicht bereits die auf das Gasaufnahmevermögen bezogenen höchstzulässigen Einsatzkonzentrationen von 0,1 Vol.-% in Gasfilterklasse 1, 0,5 Vol.-% in Gasfilterklasse 2 und 1 Vol.-% in Gasfilterklasse 3 überschritten werden.

Tabelle 2: Auswahl von Filtergeräten mit Gebläse
GeräteartNorm
DIN EN
VdGWBemerkungen, Einschränkungen
Maske mit Gebläse und Partikelfilter  Geräte der Klasse TM1P dürfen nicht gegen CMR-Stoffe und Partikel radioaktiver Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe mit der Einstufung in Risikogruppe 2 und 3 und Enzyme eingesetzt werden.
TM1P 10 
TM2P12 942100 
TM3P 500 
Helm/Haube mit Gebläse und Partikelfilter  Die offenen Atemanschlüsse (Helm oder Haube) bieten bei Ausfall oder Schwächerwerden des Gebläses keinen ausreichenden Schutz.
TH1P 5Deshalb dürfen Geräte ohne entsprechende Warneinrichtung und Geräte der Klasse TH1P nicht gegen CMR-Stoffe und Partikel sehr giftiger und radioaktiver Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe mit der Einstufung in Risikogruppe 2 und 3 und Enzyme eingesetzt werden.
TH2P12 94120
TH3P 100
Maske mit Gebläse und Gasfilter*   
TM1 Gasfilterklasse 1**
TM1 Gasfilterklasse 2
TM1 Gasfilterklasse 3
 10Geräte der Klasse TM1 dürfen nicht gegen radioaktive Gase eingesetzt werden.
TM2 Gasfilterklasse 1
TM2 Gasfilterklasse 2
TM2 Gasfilterklasse 3
12 942100 
TM3 Gasfilterklasse 1
TM3 Gasfilterklasse 2
TM3 Gasfilterklasse 3
 500 
Helm/Haube mit Gebläse und Gasfilter*  Die offenen Atemanschlüsse (Helm oder Haube) bieten bei Ausfall oder Schwächerwerden des Gebläses keinen ausreichenden Schutz.
TH1 Gasfilterklasse 1**
TH1 Gasfilterklasse 2
TH1 Gasfilterklasse 3
 5Deshalb dürfen Geräte ohne entsprechende Warneinrichtung und Geräte der Klasse TH1 nicht gegen CMR-Stoffe sowie sehr giftige und radioaktive Gase und Dämpfe eingesetzt werden.
TH2 Gasfilterklasse 1
TH2 Gasfilterklasse 2
TH2 Gasfilterklasse 3
12 94120 
TH3 Gasfilterklasse 1
TH3 Gasfilterklasse 2
TH3 Gasfilterklasse 3
 100 
Gerät mit Kombinationsfilter  Es gelten die jeweiligen Vielfachen des Grenzwertes für den Gas- oder Partikelfilterteil, und zwar jeweils der schärfere Wert.
Atemschutzanzug mit Gebläse und Filter  Schutz der Atemwege und des gesamten Körpers gegen feste und flüssige Aerosole und Gase.
Klasse 1prEN500 
Klasse 2 - 51073-3500Hiervon abweichend nur nach Gefährdungsbeurteilung.
*

Sofern damit nicht bereits die auf das Gasaufnahmevermögen bezogenen höchstzulässigen Einsatzkonzentrationen für Gasfilter in Filtergeräten mit Gebläse von 0,05 Vol.-% in Gasfilterklasse 1, 0,1 Vol.-% in Gasfilterklasse 2 und 0,5 Vol.-% in Gasfilterklasse 3 überschritten werden.

**

Bei AX-und SX-Filtern gibt es nur eine Gasfilterklasse.

Tabelle 3: Auswahl von Isoliergeräten
GeräteartNorm
DIN EN
VdGWBemerkungen, Einschränkungen
Druckluft-Schlauchgeräte mit kontinuierlicher Luftzuführung und evtl. Regelventil; geringere Anforderungen: Klasse A14 594 Geringe Anforderungen an Festigkeit und geringe Beständigkeit gegen Beflammung, Haube/Helm
max. 1,5 kg,
max. Länge des Druckluftschlauchs = 10 m
-mit Haube oder Helm  Bei Ausfall oder Schwächerwerden der Luftversorgung bieten offene Atemanschlüsse keinen ausreichenden Schutz Deshalb dürfen Geräte ohne entsprechende Warneinrichtung und Geräte der Klasse 1 nicht gegen CMR-Stoffe, sehr giftige und radioaktive Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppen 2 und 3 und Enzyme eingesetzt werden.
Klasse 1A 5
Klasse 2A14 59420
Klasse 3A 100
Klasse 4A 100*
-mit geschlossenem Atemschutzanzug  Geräte der Klasse 1 dürfen nicht gegen CMR-Stoffe, sehr giftige und radioaktive Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppen 2 und 3 und Enzyme eingesetzt werden.
Klasse 1A 5
Klasse 2A14 59420
Klasse 3A 100
Klasse 4A 1000
 943-1 
 Typen 1c1000
 und 2 
 1073-1 
-mit offenem Atemschutzanzug  Geräte der Klasse 1 dürfen nicht gegen CMR-Stoffe, sehr giftige und radioaktive Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppen 2 und 3 und Enzyme eingesetzt werden.
Klasse 1A 5
Klasse 2A14 59420
Klasse 3A 100
Klasse 4A 100*
-mit Halbmaske
(DIN EN 140)
   
Klasse 1A 5 
Klasse 2A14 59420 
Klasse 3A 100 
-mit Vollmaske
(DIN EN 136, Klasse 1 - 3)
   
Klasse 4A14 5941000 
Druckluft-Schlauchgerät mit kontinuierlicher Luftzuführung und evtl. Regelventil; höhere Anforderungen: Klasse B14 594 Höhere Anforderungen an Festigkeit und Beständigkeit gegen Beflammung, max. Schlauchlänge 50 m
-mit Haube oder Helm  Bei Ausfall oder Schwächerwerden der Luftversorgung bieten offene Atemanschlüsse keinen ausreichenden Schutz. Deshalb dürfen Geräte ohne entsprechende Warneinrichtung und Geräte der Klasse 1 nicht gegen CMR-Stoffe, sehr giftige und radioaktive Stoffe sowie luftgetragene biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppen 2 und 3 und Enzyme eingesetzt werden.
Klasse 1B 5
Klasse 2B14 59420
Klasse 3B 100
-mit Strahlerschutzhelm in Verbindung mit Cape oder Anzug   
Klasse 4B14 594500 
-mit Viertel- oder Halbmaske
(DIN EN 140)
   
Klasse 1B 5 
Klasse 2B14 59420 
Klasse 3B 100 
-mit Vollmaske
(DIN EN 136, Klasse 2 und 3)
   
Klasse 4B14 5941000 
Druckluft-Schlauchgerät mit Lungenautomat und Halbmaske in Überdruckausführung14 593-2100 
Druckluft-Schlauchgerät mit Lungenautomat und Vollmaske (DIN EN 136, Klasse 2 und 3)14 593-1Keine BegrenzungDiese Geräte können generell eingesetzt werden, insbesondere dann, wenn Filtergeräte keinen ausreichenden Schutz mehr bieten. Eine Begrenzung des Einsatzbereiches aufgrund hoher Konzentrationen von Schadstoffen lässt sich aus der bisher bekannten Verwendung dieser Gerätetypen nicht ableiten. Das gilt für Geräte mit und ohne Überdruck.
Behältergeräte, jeweils mit Vollmaske und Lungenautomat oder Mundstückgarnitur und Lungenautomat sowie Sauerstoff-Regenerationsgeräte mit Vollmaske oder mit Mundstückgarnitur137
145
Keine Begrenzung
Frischluft-Schlauchgerät
Klasse 1 und 2
  als Frischluft-Saugschlauch- oder Frischluft-Druckschlauch-Gerät mit manueller oder motorbetriebener Unterstützung,
Klasse 1: leichte Bauart,
Klasse 2: schwere Bauart
-mit Halbmaske138100
-mit Vollmaske oder Mundstückgarnitur 1000
Atemschutzanzug mit Atemluftversorgung  Schutz der Atemwege und des gesamten Körpers gegen radioaktive Kontamination durch feste Partikel
Klasse 11073-11000 
Klasse 2 - 51000Hiervon abweichend nur nach Gefährdungsbeurteilung
*

Bei offenen Atemanschlüssen besteht die Gefahr einer Atemluftunterversorgung, daher ist der Schutzfaktor begrenzt.

*

Hier besteht die Gefahr einer Atemluftunterversorgung, daher ist der Schutzfaktor begrenzt