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So urteilen die Gerichte

Engst, Arbeitssicherheitsjournal 2011, 20

Thema: So urteilen die Gerichte
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Judith Engst
Rubrik: arbeitssicherheit.recht
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2011, 20 (Heft 1)

So urteilen die Gerichte

Judith Engst
Engst: So urteilen die Gerichte - Arbeitssicherheitsjournal 2011 Heft 1 - 20

Ist der Weg von der Privatwohnung zum häuslichen Arbeitszimmer gesetzlich unfallversichert oder nicht? Die Antwort des Sozialgerichts Karlsruhe auf diese Frage dürfte vor allem Unternehmen interessieren, die Telearbeiter beschäftigen.

Der Fall: Eine Arbeitnehmerin wohnte im Obergeschoss. Ihr ausschließlich betrieblich genutztes Büro lag im Erdgeschoss desselben Gebäudes. Auf dem Weg zu ihrem Arbeitszimmer stürzte sie auf der Treppe und brach sich das Bein. Diesen Unfall wollte sie als Wegeunfall bei der Berufsgenossenschaft geltend machen. Diese lehnte aber ab mit der Begründung: Hier liege kein Arbeitsunfall vor, weil sich der Unfall im privaten häuslichen und damit im nicht versicherten Bereich zugetragen habe. Die Betroffene wollte das nicht hinnehmen und zog vor Gericht.

Die Entscheidung: Die Richter des Sozialgerichts Karlsruhe gaben der Klägerin nicht recht (30.09.2010, Az.: S 4 U 675/10). Sie teilten vielmehr die Auffassung der Berufsgenossenschaft. Der Weg zum häuslichen Arbeitszimmer sei nicht gesetzlich unfallversichert. Erst die Außentür des Wohngebäudes bilde die Grenze vom Privatbereich zum Betriebsweg. Die Außentür müsse zwar nicht zwangsläufig die Haustür sein. Es könne auch eine Wohnungstür sein, mit der der private häusliche Bereich verlassen wird. Doch hier habe sich der Unfall eindeutig im Privatbereich abgespielt. Bewusst habe das Bundessozialgericht die Grenze zwischen dem unversicherten häuslichen Lebensbereich und dem versicherten Betriebsweg sehr eng gezogen, um zu verhindern, dass Arbeitnehmer schlechter gestellt sind, deren Arbeitsplatz außerhalb des Wohnraums liege und deren Betriebsweg zwangsläufig erst mit Verlassen der Außenhaustür beginne.

Was das in der Praxis bedeutet: Ob Telearbeiter, Vertriebsmitarbeiter oder Arbeitnehmer, die nur gelegentlich ihre dienstlichen Arbeiten von zu Hause aus erledigen: Auf dem Weg zum häuslichen Büro sind sie nicht gesetzlich unfallversichert. Ein Versicherungsschutz besteht aber sehr wohl im häuslichen Büro selbst. Ebenso unterliegt selbstverständlich der Weg zum Arbeitgeber ab Verlassen des Wohngebäudes dem gesetzlichen Versicherungsschutz.