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Gelassener Blick in den Abgrund

Arbeitssicherheitsjournal 2010, 14

Thema: Gelassener Blick in den Abgrund
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: [keine Angabe]
Rubrik: arbeitssicherheit.fokus
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2010, 14 (Heft 7)

Gelassener Blick in den Abgrund

Gelassener Blick in den Abgrund - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 7 - 14

Sicherheitstrainings sind für Mitarbeiter, die in der Höhe arbeiten, extrem wichtig. Nicht nur im eigenen Interesse. Sondern auch, um besonnen und professionell reagieren zu können, wenn Kollegen verunglücken.

Die Rettung der 58-Jährigen dauerte nur einige Minuten. Die Touristin hatte den Dortmunder Glockenturm bestiegen und verdrehte sich das Knie in Höhe der Plattform. Für die Feuerwehr war es unmöglich, die Verletzte im engen Treppenhaus zu bergen. In Frage kam nur Höhenrettung. Professionell gesichert durch persönliche Schutzausrüstung konnte die Frau auf einer Trage langsam entlang dem Turm von den Helfern heruntergelassen werden – aus über hundert Metern Höhe.

So in etwa könnte sich eine Höhenrettung auch in vielen Firmen abspielen. Wer beispielsweise Windräder wartet oder baut, Stromleitungen in der Höhe überprüft oder mit dem Aufzugsbau betreut ist, muss genau wissen, wie er sich in jeder Situation verhält. Persönliche Schutzausrüstung ist ohnehin gesetzlich vorgesehen, wenn technische oder organisatorische Maßnahmen nicht ausreichen, Unfall- oder Gesundheitsgefahren zu verhindern.

„Wobei das Problem vielfach weniger der tägliche Job ist, der geschult werden muss. Es geht vor allem darum, den Ernstfall in einer Übung durchzuspielen“, sagt Kai Rinklake, Geschäftsführender Gesellschafter der Skylotec GmbH in Neuwied, ein auf Höhenausrüstung spezialisiertes Unternehmen (siehe Interview).

Anbieter Skylotec stellt vor allem die Systemperspektive Mensch-Technik in den Mittelpunkt der Schulungen: Subjektive und objektive Gefahren, Kommunikation im Einsatz und in Notsituationen, Situative Aufmerksamkeit, Fehlerkultur und Fehlerketten sowie Risikomanagement im Team und das richtige Handeln in Notsituationen (www.skylotec.com). Die Kurse dauern von einem bis zehn Tagen – Termine sind nach individueller Absprache möglich. Kostenpunkt: ab 395 Euro.

Nach aktuellen Zahlen der Berufsgenossenschaften verletzen sich in Deutschland etwa 7.000 Beschäftige jährlich während ihrer Arbeit in der Höhe oder sterben durch einen Absturz. Besonders gefährlich sind komplexe Arbeitssituationen, die nicht nur bei Bauwerken wie beispielsweise Windkraftanlagen, Fernmeldetürmen oder Hochspannungsmasten vorkommen, sondern durchaus auch bei Industriemontagen oder im Handwerk. Mitarbeiter, die in diesen Bereichen tätig sind, sollten in Kleingruppen intensiv trainiert werden.

Simulationstraining in schwindelnder Höhe

Dazu bietet zum Beispiel die Firma Bornack verschiedene Seminare an. „Abstürze sind von vornherein zu verhindern – so lautet das Credo von Bornack in Heilbronn. Deshalb ist der Kerngedanke des Fallstop-Programms die Prävention. Zielgruppe sind Unternehmen aus Industrie und Handwerk, Dienstleistung und Rettung. Die Schulungen finden im Trainings- und Eventzentrum Hochwerk in Marbach am Neckar statt – auf einer Indoor-Fläche von 10.000 Quadratmetern mit realer Gefährdungsszenerie. In bis zu 78 Metern Innenhöhe werden die Situationen simuliert und geschult. Im Außenbereich stehen Übungshöhen bis zu 150 Meter zur Verfügung. Im Indoorbereich gibt es für das praktische Training einen Hubschrauber und verschiedene Masten.

Nach dem Bausteinprinzip können die verschiedenen Trainingsstationen miteinander kombiniert werden, wobei wiederum Theorie die Praxis ergänzt. Beispiele: Leiteraufstiege mit allen bekannten Steigschutz-Einrichtungen, Plattformenrettung und Schrägabseilung, ortsfeste Steigschutz-Einrichtungen mit ortsspezifischen Parametern von einfachem Steigen bis zur Ein-Mann-Leiterrettung, Plattformen verschiedenster Ausprägung und Exposition für Arbeiten mit Absturzgefahr und Personenrettung, Höhengewöhnungsparcour in 80 m Höhe mit gesicherten Installationen bis hin zu Trainingssituationen mit Schächten, Silos, Behältern oder Kanälen. Jedes Jahr bildet Bornack mehr als 2.000 Personen aus Industrie, Handwerk oder öffentlichem Dienst aus. Die Teilnehmer trainieren den Notfall und lernen, ihre Ausrüstung richtig anzuwenden (www.bornack.de).

Links zu fachkundigen Informationen rund um die Themen Sicherheitstrainings, Prävention und Notfallrettung finden Interessierte im „Journal“-Bereich von www.arbeitssicherheit.de, Webcode 12776