Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Sichere Bildschirmarbeit

Lentz, Arbeitssicherheitsjournal 2010, 19

Thema: Sichere Bildschirmarbeit
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Andrea Lentz
Rubrik: arbeitssicherheit.recht
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2010, 19 (Heft 6)

Sichere Bildschirmarbeit

Andrea Lentz
Lentz: Sichere Bildschirmarbeit - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 6 - 19

Arbeiten am PC und am Laptop gehören überall zur täglichen Routine. Damit die Augen nicht leiden und aus verspannten Schultern kein dauerhafter Schaden entsteht, müssen Büroarbeitsplätze den Anforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung genügen.

Die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten (kurz: Bildschirmarbeitsverordnung – BildscharbV) ist am 20.12.1996 in Kraft getreten und wurde seitdem mehrfach geändert, zuletzt im Dezember 2008. Die Bildschirmarbeitsverordnung ist recht kurz. Sie enthält sieben Paragrafen, wobei § 7 zwischenzeitlich weggefallen ist, und hat einen Anhang über Anforderungen, die an Bildschirmarbeitsplätze zu stellen sind.

Nicht jedes Display gilt als Bildschirm

§ 1 BildscharbV regelt den Anwendungsbereich. So gilt die BildscharbV für die Arbeit an Bildschirmgeräten, ist jedoch nicht anwendbar:

  1. für das Arbeiten an Bedienerplätzen von Maschinen oder an Fahrerplätzen von Fahrzeugen mit Bildschirmgeräten

  2. für die Arbeit an Bildschirmgeräten, die sich an Bord von Verkehrsmitteln befinde

  3. für Datenverarbeitungsanlagen, die in ihrer Hauptsache zur Benutzung durch die Öffentlichkeit bestimmt sind. Hierunter sind beispielsweise Geldautomaten zu verstehen, die deshalb vom Geltungsbereich ausgeschlossen sind, da hier die Benutzung durch die Öffentlichkeit im Vordergrund steht und keine gesundheitlichen Auswirkungen von Arbeitnehmern zu befürchten sind

  4. für das Arbeiten mit Bildschirmgeräten, die für einen ortsveränderlichen Gebrauch gemacht sind, sofern sie nicht regelmäßig an einem festen Arbeitsplatz eingesetzt werden. Hierunter ist das Arbeiten an Laptops, Notebooks oder Netbooks zu verstehen. Sofern jedoch die Arbeitsplatzbeschreibung die Nutzung eines solchen Gerätes an einem festen Arbeitsplatz vorsieht und dieses Gerät zur Erfüllung der Arbeitsaufgabe erforderlich ist, ist von einem Bildschirmarbeitsplatz auszugehen

  5. für das Arbeiten an Rechenmaschinen sowie Registrierkassen oder anderen Arbeitsmitteln, die eine kleine Daten- oder Messwertanzeigevorrichtung haben, die zur unmittelbaren Benutzung des Arbeitsmittels erforderlich ist

  6. für Schreibmaschinen in klassischer Bauart mit einem Display

Keine Geltung hat die Bildschirmarbeitsverordnung auch in Betrieben, die dem Bundesberggesetz unterliegen. Für bestimmte Tätigkeiten im öffentlichen Dienst des Bundes, die vor allem zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit erforderlich sind, gibt es ebenfalls Ausnahmen zum Anwendungsbereich dieser Verordnung. Hierzu gehören beispielsweise die Einsätze der Polizei oder des Technischen Hilfswerks.

Hier gilt die Bildschirmarbeits -verordnung

In § 2 BildscharbV werden die Begriffe Bildschirmgerät, Bildschirmarbeitsplatz und Beschäftigte definiert. Ein Bildschirmgerät ist demnach ein „Bildschirm zur Darstellung alphanumerischer Zeichen oder zur Grafikdarstellung, ungeachtet des Darstellungsverfahrens“. Damit sind alle Bildschirme gemeint, unabhängig davon, welche technischen Darstellungsverfahren gewählt wurden. Eingeschlossen sind auch diejenigen Bildschirme, die zur Prozesssteuerung und in nicht elektrotechnischen Darstellungssystemen (wie beispielsweise Mikrofilmlesegeräte) eingesetzt werden.

Als Bildschirmarbeitsplatz gilt jeder Arbeitsplatz mit einem Bildschirmgerät, der

  1. mit Einrichtungen zur Erfassung von Daten versehen ist

  2. mit Software ausgestattet ist, die den Beschäftigten bei der Ausführung der zugeteilten Arbeitsaufgaben zur Verfügung steht

  3. Zusatzgeräte oder Elemente bereithält, die zum Betreiben oder Benutzen des Bildschirmgerätes gehören

Dazu gehören auch die sonstigen Arbeitsmittel sowie die unmittelbare Arbeitsumgebung. Dies bedeutet, dass auch Tastatur, Maus, Belegleser, Lichtgriffel, Scanner, Drucker, Plotter, Speichergeräte, Arbeitstisch, Arbeitsstuhl usw. zu einem Arbeitsplatz in diesem Sinne gehören. Unter Beschäftigte i.S.d. BildscharbV ist derjenige zu verstehen, der gewöhnlich bei einem nicht unwesentlichen Teil der normalen Arbeit ein Bildschirmgerät benutzt. Demnach liegt Bildschirmarbeit dann vor, wenn die Tätigkeit nicht ohne Bildschirm durchführbar ist.

Mischarbeit statt dauerhaftes Bildschirmstarren

Bei einem Bildschirmarbeitsplatz muss der Arbeitgeber die Tätigkeit seines Arbeitnehmers so organisieren, dass die tägliche Arbeit an Bildschirmgeräten durch andere Tätigkeiten oder aber durch Pausen durchbrochen wird (§ 5 BildscharbV). Dadurch soll die Belastung des Arbeitnehmers durch die Arbeit an Bildschirmgeräten verringert werden. Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber dafür zu sorgen hat, dass die Arbeit am Bildschirmgerät durch eine andere belastungsreduzierende Tätigkeit unterbrochen werden muss. Dafür eignet sich am besten sogenannte „Mischarbeit“. Dabei soll die sitzende Tätigkeit abgelöst werden durch Tätigkeiten, bei denen man steht oder auch gehen kann. Beispielsweise können während dieser Zeit Akten oder die Ablage sortiert werden. Auch ein Gang in die Kaffeeküche, um sich z.B. ein Getränk zu holen, erfüllt diese Anforderungen.

Hauptziel dieser Anforderung ist, dass über längere Zeit keine starre Sitzhaltung vorherrschen soll. Wenn ein Wechsel von Sitzen, Stehen und Gehen – wie zuvor dargelegt – nicht möglich sein sollte, sind kurze Pausen von fünf bis zehn Minuten Länge in der Stunde einzulegen, damit eine starre Sitzhaltung und die Fixierung der Augen auf den Monitor usw. unterbrochen werden und damit eine wechselnde Belastung erreicht wird. Festzuhalten ist jedoch, dass diese Pausen nachrangig sind zur genannten „Mischarbeit“. Die kurzen Pausen dürfen nicht gesammelt werden und zu einer Verkürzung der täglichen Arbeitszeit führen. Die zusammenhängende Arbeitszeit an einem Bildschirmgerät soll einen Zeitraum von zwei Stunden nicht überschreiten.

Jeder Augenarzt kann Untersuchung durchführen

§ 6 der BildscharbV sieht Untersuchungen der Augen und des Sehvermögens vor. Für diese Untersuchungen ist die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge maßgeblich, die in ihrem Anhang Teil 4 Regelungen für Angebotsuntersuchungen enthält.

Die Pflicht zum Angebot einer Untersuchung bei Tätigkeiten an Bildschirmgeräten beschränkt sich auf eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens. Erweist sich aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchung eine weitere augenärztliche Untersuchung als erforderlich, so ist diese zu ermöglichen. Diese Regelung gilt auch für Sehbeschwerden. Die Durchführung eines Sehtests kann auch durch andere fachkundige Personen erfolgen. Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber diese Untersuchungen nicht unbedingt von Ärzten durchführen lassen muss, die die Gebietsbezeichnung „Arbeitsmedizin“ oder die Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ führen. Demnach kann jeder Augenarzt mit dieser Untersuchung betraut werden.

Sofern erforderlich, sind Beschäftigten spezielle Sehhilfen für ihre Arbeit an Bildschirmgeräten zur Verfügung zu stellen. Diese Erforderlichkeit liegt jedoch nur dann vor, wenn das Untersuchungsergebnis zeigt, dass spezielle Sehhilfen notwendig und normale Sehhilfen nicht geeignet sind.

Die wichtigsten Anforderungen an den Arbeitsplatz

Die Anforderungen, die an Bildschirmarbeitsplätze gestellt werden, sind im Anhang der BildscharbV genauer ausgeführt. Diese Anforderungen betreffen Bildschirmgeräte und Tastatur, sonstige Arbeitsmittel, die Arbeitsumgebung sowie das Zusammenwirken zwischen Mensch und Arbeitsmittel. Hinsichtlich des Bildschirmgeräts und der Tastatur muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass beispielsweise die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

Bildschirm: Zeichen müssen scharf, deutlich und ausreichend groß sein und einen angemessenen Zeichen- und Zeilenabstand haben; das Bild muss stabil und flimmerfrei sein ohne Verzerrungen; Helligkeit und Kontrast müssen einfach einzustellen sein; die Darstellung muss frei von störenden Reflexionen und Blendungen sein; Bildschirmgerät muss leicht zu drehen und neigbar sein.

Tastatur: Sie muss auf der Arbeitsfläche variabel angeordnet werden können. Ein Auflegen der Hände auf der Arbeitsfläche muss möglich sein. Die Oberfläche der Tastatur muss reflexionsarm sein, Anschlag und Form der Tasten müssen eine ergonomische Bedienung ermöglichen. Die Beschriftung der Tasten muss sich deutlich vom Untergrund abheben und gut lesbar sein.

Bei den sonstigen Arbeitsmitteln ist hervorzuheben, dass der Arbeitstisch ausreichend groß sein muss und eine reflexionsarme Oberfläche besitzen muss. Der Arbeitsstuhl muss ergonomisch gestaltet und standsicher sein. Es muss ein stabiler und verstellbarer Vorlagenhalter ebenso zur Verfügung gestellt werden wie auf Wunsch Fußstützen. Die Beleuchtung des Arbeitsplatzes muss der Art der Arbeit angepasst sein, die Wärmebelastung der Arbeitsmittel darf nicht unzuträglich sein und die Strahlung muss gering gehalten werden.

Wichtig ist außerdem, dass der Arbeitgeber ohne Wissen des Arbeitnehmers keine Vorrichtungen zur qualitativen oder quantitativen Kontrolle der Arbeit an einem Bildschirmarbeitsplatz verwenden darf.

Auf einen Blick

Pflichten des Arbeitgebers nach der BildscharbV

  1. 1.

    Die Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes muss den Vorgaben der BildscharbV entsprechen.

  2. 2.

    Für Arbeitnehmer an einem Bildschirmarbeitsplatz sind Untersuchungen der Augen und des Sehvermögens (Angebotsuntersuchungen) vorgesehen.

  3. 3.

    Die tägliche Arbeit am Bildschirmarbeitsplatz ist durch andere Tätigkeiten oder kurze Pausen zu unterbrechen.

  4. 4.

    Ohne Wissen der Beschäftigten darf keine Vorrichtung zur qualitativen oder quantitativen Kontrolle der Arbeit verwendet werden.