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Sicherheitsverhalten und Brandschutz

Scheuermann, Arbeitssicherheitsjournal 2010, 13

Thema: Sicherheitsverhalten und Brandschutz
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Dr.-Ing. Klaus Scheuermann
Rubrik: arbeitssicherheit.fokus
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2010, 13 - 15 (Heft 6)

Sicherheitsverhalten und Brandschutz

Dr.-Ing. Klaus Scheuermann, München, Dr. Scheuermann GmbH – Management Consulting für Systemsicherheit
Scheuermann: Sicherheitsverhalten und Brandschutz - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 6 - 13 >>

Amerikanischen Statistiken zufolge resultieren rund 70 % der Schäden in der Industrie unmittelbar aus menschlichem Versagen. Im schlimmsten Fall verursachen Mitarbeiter und Fremde ein Schadenereignis, im günstigeren Fall vergrößern sie nur den Schadenumfang durch falsche Reaktionen oder Unkenntnis.

Das Risiko ist bekannt. Parallel zur umfangreichen Palette der technischen Sicherheitsvorkehrungen stehen zahlreiche Ansätze zur Beeinflussung des Sicherheitsverhaltens von Mitarbeitern und Externen zur Verfügung. Um die notwendige Balance zu halten, ist es notwendig, sich im Brandschutz mit der effizienten Nutzung der zahlreich vorhandenen Softfacts zu beschäftigen, die für den Alltagsbetrieb zur Verfügung stehen.

Abstrakt betrachtet, existieren in der Gefahrenabwehr zwei große Beziehungskreise (s. Abbildung rechts), die im Unternehmen individuell zu berücksichtigen sind. Im Kreis 1 greifen Bausubstanz, Technik und Organisation ineinander. Zusätzlich müssen im Kreis 2 das unterschiedliche Wissen, Können, Streben der internen und externen Partner, d.h. Mitarbeiter, Externe und Gefahrenabwehrkräfte, berücksichtigt werden. Für Gefahrenabwehrkräfte ist dabei zusätzlich zur notwendigen Langfristmotivation für Routineaufgaben die Schnelligkeit und Sicherheit in der Handhabung von Ausnahmesituationen gefragt. In den zunehmend existierenden verzweigten Organisationsformen von Großunternehmen multiplizieren sich zudem diese Beziehungskreise. Die operative Eigenverantwortung verlangt nach einem koordinativen Überbau.

Brandschutz-Kommunikation im Unternehmen

Der bewusste Umgang mit Softfacts, also der weichen Faktoren der Brandschutzorganisation, in allen Facetten und über alle Anwendungsebenen hinweg, bringt der Gefahrenabwehr eine zusätzliche Verstärkung durch die Verbindung von Technik und Organisation. Zudem bedeutet er für Mitarbeiter und Führungskräfte eine permanente, aktive Beteiligung an der Sicherheitsorganisation. Er ergänzt wirkungsvoll technische Sicherheitsmaßnahmen und vermeidet, dass infolge vermeintlich ausgereifter Technik das Sicherheitsbewusstsein sinkt. Bewusster Umgang mit Softfacts erhöht insgesamt die Chancen für das Unternehmen, mit Risiken kompetent umzugehen.

Sicherheitsthemen müssen vermarktet, der Einsatz von Softfacts gesteuert werden. Diese Aufgabe kommt primär der Gefahrenabwehrorganisation zu. Erster Schritt ist die Analyse der Palette an Softfacts. Diese verbergen sich in allen konkreten Ressourcen der Brandschutzorganisation. Zum Beispiel in der Verkehrsicherungspflicht für ein Areal, in der Beschilderung, in Zugangskontrollverfahren, Aktivitäten des Werkschutzes und in der Einweisung von Betriebsfremden. Dazu kommt die Tätigkeit eines Brandschutzbeauftragten oder die Integration dieser Aufgabe in die Stellenbeschreibungen anderer Fachkräfte für Sicherheit.

Kernaufgaben bezogen auf Softfacts sind:

  1. Mitwirkung bei Planung

  2. Gestaltung von Arbeitsverfahren und Einsatz von Arbeitsstoffen

  3. Analyse von Brand- und Explosionsgefahren

  4. Zusammenarbeit mit der Brandschutz-Behörde und der Feuerwehr

  5. Aufstellen des Brandbekämpfungsplanes und Alarmplanes sowie ??die Ausbildung von Mitarbeitern

Weiter gehören Betriebsvereinbarungen mit sicherheitstechnischen Inhalten in Form einer Brandschutzordnung dazu sowie die Kennzeichnung feuer- und explosionsgefährdeter Bereiche, des Rauchverbotes, der Rettungswege und das Zugangsverbot für Unbefugte. Verbindliche Festlegung der Bedingungen und Sicherheitsvorkehrungen für die Durchführung von Feuerarbeiten sind genauso Bestandteile wie die Regelungen für den Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Anlagen (private Haushaltsgeräte der Mitarbeiter).

Regelmäßige Durchführung von internen Betriebsbegehungen unter Einbindung der für den Bereich direkt und indirekt zuständigen Personen gehören ebenso dazu wie präventive Erfassung und Bewertung sicherheitstechnischer Kenndaten von Gefahrstoffen, die Verwendung eines Lagerklassensystems bei der Lagerung von Gefahrstoffen, unter Beachtung der Einlagerungsbedingungen sowie der Zusammenlagerungsverbote.

Weitere Punkte sind unter anderem:

  1. Vorhaltung der DIN-Sicherheits-Datenblätter

  2. Erstellung von Betriebsanweisungen

  3. Vorhaltung von Entsorgungsdatenblättern für eingesetzte Produkte und Annahmebedingungen beim Betrieb von Sammelstellen für gefährliche Abfälle

  4. Vorhaltung eines eigenen integrierten Sicherheits-Informations- und Managementsystems mit speziell für den Alarmfall aufgearbeiteten Daten von Alarmmeldungen an einen Sicherheitsdienstleister

  5. Sortiervorschriften

  6. Verpackungs- und Transportvorschriften

  7. Ausarbeitung eines Brandschutzplans und eines Gefahrenabwehrplanes

  8. Aushang von Rettungswegsplänen, Vorhalten von Infrastrukturplänen, Vorbereiten von Ausbreitungsszenarien für Standard-Windrichtungen

  9. Durchführen regelmäßiger Betriebsbesichtigungen und Übungen der zuständigen Feuerwehr sowie

  10. praktische Unterweisung der Mitarbeiter und Fremdfirmen in der Handhabung von Feuerlöschgeräten, Sicherheitseinrichtungen und in das Benutzen von Rettungswegen

Im betrieblichen Alltag handeln Menschen nach Verhaltensmustern: Training und Drill beispielsweise, indem sie Merkmalsanordnungen durch Signale aufnehmen und auf der Basis erlernter Muster umsetzen. Oder durch Regeln, indem sie einen Zustand identifizieren, Zustand und Aufgabe assoziieren und gespeicherte Regeln für die Umsetzung verwenden. Oder durch Wissen und Erfahrung, indem sie einen Zustand identifizieren, die Schutzziele kennen und diese eigenständig in vernetztes Handeln umsetzen.

Risikofähigkeit der Mitarbeiter

Effizienz in der Nutzung von Softfacts bedeutet, sich diese Rangfolge für die Praxis zunutze zu machen. Auch wenn grundsätzlich ein Handeln mit Wissen und Erfahrung wünschenswert wäre, haben Training und Drill nicht ge-

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nerell einen negativen Beigeschmack. Die kompetente Handhabung von Feuerlöschern kann hierfür beispielhaft stehen. Ferner ist auch in der Gefahrenabwehr zu berücksichtigen, dass die Informationsflut überproportional wachsende Anforderungen stellt und stellenweise Vereinfachungen sinnvoll sind.

Fehlerhafte Handlungen von Menschen lassen sich systematisieren. In diesem Kontext entstehen Brände durch Unkenntnis der Gefahren, Fahrlässigkeit und Unachtsamkeit, Leichtsinn, Vergesslichkeit, mangelhafter Aufsicht, Nichtbeachtung von Hinweisen und Verboten, mangelhafter Disziplin, Unordnung und fehlender Sauberkeit sowie Brandstiftung und Sabotage.

Risikoprofile zu verdeutlichen heißt auch, die Unternehmensphilosophie auf die Sicherheitsorganisation zu übertragen. Beispiele für diversifizierte Risikokompetenz sind die Verwendung von checklistenartig aufgebauten Formularen für Feuerarbeiten, die es dem Betrieb erlauben, selbstständig die Notwendigkeit von Sicherungsmaßnahmen zu beurteilen. Weiter ist eine standardisierte Vorgehensweisen für die Abschaltung von Gefahrenmeldeanlagen aus betrieblichen Gründen sinnvoll, die die End-to-pipe-Verantwortung stärken und diese nicht an die Gefahrenabwehr zurückdelegieren, wie auch die gegenseitige Abstimmung von Leistungsvereinbarungen und der bewusste Einkauf von Sicherheitsleistungen im Bedarfsfall.

Sollen Führungskräfte und Mitarbeiter mit Risiken bewusst und systematisch umgehen, muss Risikokompetenz an die Basis der Entscheidungen verlagert werden und darf nicht als Herrschaftswissen auf wenige Sachverständige konzentriert bleiben. Nur auf dem Fundament einer ausreichenden Information entstehen für den Einzelnen Beurteilungsmöglichkeiten, die nachfolgend Handlungsbereitschaft erzeugen.

Aufbereiten von Sicherheitsinformationen

Grundsätzlich sind mit jedem Vorgang der Gefahrenabwehr Softfacts verknüpft. In der Praxis sind jedoch gewisse Ansätze besonders wertvoll. So der Aufbau eines Führungssystems mit Abgrenzung der Verantwortungen und schriftlicher Pflichtenübertragung der Aufgaben in der Sicherheitsorganisation.

1. Mitarbeitergespräche und -aufgaben

Die persönliche Übertragung als Anhang zum Arbeitsvertrag sichert die notwendige Aufmerksamkeit. Hintergründe und Inhalte müssen in einem Mitarbeitergespräch erläutert werden. Verantwortung muss immer mit der erforderlichen Kompetenz gekoppelt sein. Hilfreich ist die Veröffentlichung neutralisierter Stellenbeschreibungen bezogen auf die sicherheitsrelevanten Aufgaben in allen Hierarchieebenen.

Ebenso notwendig ist die namentliche Veröffentlichung der Aufgabenträger in den Bereichen. Führungssystem und Stellenbeschreibungen sind in der Regel nicht spezifisch auf den Brandschutz, sondern in Synergie allgemein auf die Sicherheit (Arbeits-, Umwelt- und Brandschutz, Security) auszurichten.

2. Brandschutzorganisation

Im Rahmen einer allgemeingültigen Betriebsvereinbarung kann die Brandschutzordnung im Unternehmen installiert werden. Sofern in Absprache mit der örtlichen öffentlichen Feuerwehr umsetzbar, die in der Regel sehr dezidierte Vorstellungen an Teil A (Schnellinformation) der Brandschutzordnung hat, können auf dem Aushang weitere betriebsspezifische Hinweise ergänzt werden.

Der Aushang kann zudem jedem Mitarbeiter bei Arbeitsantritt als persönliches Exemplar ausgehändigt werden. Die Zusammenfassung aller Verfahrensbeschreibungen zur Sicherheitsorganisation und der Darstellung der Verantwortung für bestimmte Abläufe (Matrix) in einem Handbuch schafft Transparenz auch für seltene Bedarfsfälle.

3. Sicherheitsgespräche mit neuen Mitarbeitern

Der Eintritt neuer Mitarbeiter in das Unternehmen sollte von einem Sicherheitsgespräch begleitet sein. Hierin können allgemeine Regeln und betriebsspezifische Besonderheiten dargestellt und erläutert werden. Dem Mitarbeiter wird das Interesse des Betriebes deutlich, wenn organisatorische Sicherheitsfragen in einem Gespräch und nicht durch die unpersönliche Überlassung eines Handbuches erläutert werden.

Außerdem eröffnet das Gespräch Chancen zur Rückfrage, um Missverständnisse und Fehlinterpretationen von Anfang an auszuschließen. Arbeitsplatz- oder abteilungsbezogene Sicherheitsgespräche können bei Bedarf oder nach einem festen Rhythmus durchgeführt werden, um Schwachstellen zu erkennen oder den Mitarbeiter dauerhaft zu sensibilisieren.

4. Sicherheitshinweise an Fremdfirmen

Den Einsatz von Fremdfirmen mit einem vorbeugenden Sicherheitsgespräch zu kombinieren, hilft, werkunerfahrene Arbeitnehmer mit den notwendigen Regeln und Informationen zu versorgen und ortskundig zu machen. Die Effizienz von Sicherheitsgesprächen lässt sich nachhaltig verbessern, wenn die Teilnahme in einem Anwesenheitsprotokoll persönlich gegengezeichnet werden muss.

Sicherheitshinweise an Fremdfirmen werden seitens des Einkaufs in der Regel mit dem Auftrag versandt und müssen vom Auftragnehmer unterschrieben zurückgegeben werden. Erfahrungsgemäß verbleiben diese Unterlagen beim Auftrag und erreichen nicht die ausführenden Personen, schon gar nicht, wenn diese als Subunternehmer zum Einsatz kommen. Deshalb sollten praktische Informationen aus den umfassenden Sicherheitshinweisen extrahiert und den Ausführenden vor Arbeitsbeginn durch den Projektleiter ausgehändigt werden. Wird der Projektleiter persönlich tätig, ist gleichzeitig sichergestellt, dass er als Ansprechpartner bekannt ist und wie er bei Problemen kontaktiert werden kann.

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5. Erlaubnisscheine als Checklisten

Erlaubnisscheine, insbesondere die Freigabe für Feuerarbeiten, sollten checklistenartig alle relevanten Punkte ansprechen. Die Checkliste gewährleistet, dass kein wesentlicher Aspekt vergessen wird, und sensibilisiert zudem hinsichtlich der Notwendigkeit der Freigabe. Mit ihren Unterschriften bestätigen alle Beteiligten, dass sie die Lage verantwortungsbewusst geprüft und die Arbeit freigegeben haben. Aus diesem Grund dürfen Erlaubnisscheine auch nicht über längere Fristen pauschal ausgestellt werden, sondern müssen sich immer auf die konkrete Situation beziehen. Kennzeichnungen, Klassifizierungen, Regeln müssen allen betroffenen Personen jederzeit transparent sein, wenn die erwünschten Effekte eintreten sollen.

6. Aktionen für mehr Aufmerksamkeit

Die betriebsinterne Nutzung der Themen der bundesweiten Brandschutzwoche kann zusätzliche Aufmerksamkeit erbringen, da die Vorarbeit der öffentlichen Medien im Regelfall bereits eine Grundlage gelegt hat.

Aktionen zur Beseitigung von Fehlerquellen ermöglichen eine frühzeitige, präventive Einflussnahme auf Mängel und die Nutzung der Kreativität der Belegschaft auch im Sicherheitswesen. Wichtig ist, dass die Bewertung der Vorschläge objektiv erfolgt und Vorschläge seitens der Sicherheitsorganisation nicht als Kritik verstanden werden.

Auch die konsequente Auswertung von Einsatzberichten kann wertvolle Hinweise auf neue Risiken/Gefahrenstellen geben und den Handlungsspielraum erweitern. Memos sollten an die betrieblich Zuständigen gegeben werden, oder es können darüber hinaus auch Informationskampagnen für die Belegschaft erstellt werden. Wird die Information mit Fotos unterstützt, steigt der Erfolg rapide.

Effizienz von Softfacts

Selbstverständlich stellt sich die Frage nach der Messbarkeit der effizienten Umsetzung von Softfacts. Auch wenn hierfür kein verbindliches Maßsystem existiert, lassen sich Vorteile identifizieren und teilweise auch konkret fixieren. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:

Im Zuge von Stabsrahmen- oder praktischen Einsatzübungen kann die Nachvollziehbarkeit der zur Verfügung gestellten Unterlagen, deren Verständlichkeit und Vollständigkeit am aktiven Tun (Schnelligkeit, Notwendigkeit für Diskussionen und Nachfragen) der Übungsteilnehmer beurteilt oder nachträglich durch Interviews mit den Teilnehmern erfragt werden.

Nach konkreten Ereignissen können die Handlungen von Mitarbeitern und Führungskräften nachvollzogen werden. Hat die Räumung rasch und reibungslos funktioniert, war die Vollzähligkeitskontrolle erfolgreich? Wurden bereitgestellte Einsatzmittel (Feuerlöscher oder manuell zu bedienende Sicherheitseinrichtungen) bestimmungsgemäß verwendet? Erfolgte die Alarmierung von Hilfskräften mit allen notwendigen Informationen? Insbesondere der korrekte und selbstbewusste Einsatz von Handfeuerlöschern kann statistisch Aufschluss über die Effizienz der Brandschutzausbildung der Mitarbeiter geben.

Die Resultate externer Audits (Qualitätswesen, Safety) von Versicherungen, Behörden oder Kunden beinhalten immer häufiger organisatorische Fragestellungen. Können hierfür zufriedenstellende, beweisbare Antworten gegeben werden, fördert dies das Image und kann sich sogar positiv auf das Rating auswirken. Zum Beispiel belohnen die Prämienrichtlinien der Sachversicherer organisatorische Maßnahmen über einen Punktekatalog, dessen Ergebnis bei der Prämienfindung berücksichtigt wird.

In Kombination mit installierter Technik kann eine zuverlässige Anwendung von Softfacts auch die kaufmännische Entscheidung über die Höhe von Selbstbehalten in der Sachversicherung positiv beeinflussen und damit direkt zu Kosteneinsparungen führen. Dieser Aspekt kann auf den Verzicht von Versicherungsleistungen erweitert werden, wenn nur Schäden geringer Tragweite erwartet werden.

Im Rahmen von Due-Dilligence-Prüfungen z.B. bei Unternehmensverkäufen oder Börsengängen kann die sorgfältige Analyse der Technik und der Softfacts dazu beitragen, dass Überraschungen nach der Übernahme ausbleiben und das Gesamtbild um den Aspekt Sicherheit ergänzt wird. Die Akzeptanz der Brandschutzarbeit im Intranet lässt sich über die Anzahl der Seitenaufrufe messen. Im Projektmanagement bewirkt der koordinierte Einsatz von Softfacts die Reduzierung von Schnittstellen, Fehlermöglichkeiten und damit letztlich Einsparungen an Zeit und Kosten. Zusätzliche Vorteile können entstehen, wenn im Rahmen des Facility Managements Softfacts koordiniert längerfristig berücksichtigt werden.

Hard- und Software für die Gefahrenabwehr sowie die zugehörigen Wartungsverträge und Updates lassen sich käuflich erwerben. Die Arbeit mit und an den Softfacts der Brandschutzorganisation ist zweifelsohne komplexer, zeitintensiver und individueller. Erfolge stellen sich ein, wenn sie langfristig verstetigt ist, statt nur punktuell mit plakativen Aktionen Aufmerksamkeit anzustreben. Wichtigste Voraussetzung der Umsetzung komplexer Softfacts ist das Erstellen einer Brandgefährdungsbeurteilung.

Umsetzung: die Brandgefährdungsbeurteilung

Durch die Brandgefährdungsbeurteilung (s. Schema S. 14) soll festgestellt werden, ob durch eine Brandgefährdung und die damit einhergehenden Folgen die Sicherheit von Beschäftigten, von Dritten oder der Umwelt gefährdet ist. Eine Brandgefährdung kann bestehen, wenn brennbare (entzündbare) Stoffe vorhanden sind und die Möglichkeit einer Brandentstehung gegeben ist. So ist es definiert in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A 2.2 „Schutz bei Entstehungsbränden“. Auf der Basis der Technischen Regeln für Gefahrstoffe „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ (TRGS 400) Ziffer 6.5 werden die physikalisch-chemischen und sonstigen durch Gefahrstoffe bedingten Faktoren zur Brandgefährdung festgelegt. Hinweise zur Beurteilung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphären und zu entsprechenden Schutzmaßnahmen geben die TRGS 720, 721 und 722.

Auf der Basis der Technischen Regeln für Betriebssicherheit TRBS 1111 „Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung“ wird die Brandgefährdungsbeurteilung durchgeführt. Es ist eine ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, die alle für die Entstehung, Ausbreitung und Auswirkung eines Brandes relevanten Faktoren umschließt. Allgemeinere Informationen zum Brandschutz enthält die BGI 560 „Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz“.

Für die ganzheitliche Beurteilung der Brandgefährdung sind insbesondere von Bedeutung:

  1. die vorhandenen Stoffe

  2. die Arbeits- und Verfahrensbedingungen

  3. die eingesetzten Arbeitsmittel und Anlagen

  4. die überwachungsbedürftigen Anlagen

  5. die baulichen Gegebenheiten

  6. die Arbeitsumgebung und

  7. mögliche Wechselwirkungen untereinander

Auf einen Blick

Softfacts in der Brandschutzorganisation?

Softfacts sind keinesfalls zu verwechseln mit der für die Gefahrenabwehr notwendigen Software von Rechnersystemen. Der Begriff Softfacts fasst vielmehr alle Bindeglieder und weichen Faktoren in der Brandschutzorganisation zusammen. Grundsätzlich ergänzen sich technisch-/baulicher Brandschutz und Softfacts zum ganzheitlichen Brandschutzkonzept eines Unternehmens.

Dazu zählen Elemente der Ablauforganisation (Verfahrens- oder Betriebsanweisungen, Qualitätssicherung), Dokumentationen, Protokolle, Handbücher, Beauftragtenwesen, Workshops und Sicherheitsgespräche.

Genutzt werden dabei alle Mittel der modernen Erwachsenenbildung, Kennzeichnungen, Regeln und Hinweise, Commitments, Leistungs- und Betriebsvereinbarungen, Verträge, Fehlerquellenhinweise, Begehungen, Analysen, Audits, Training, Weiterbildung, Simulation und Übungen für Mitarbeiter und Profis der Gefahrenabwehr, sicherheitstechnische Koordination, informelle Kontakte und Zusammenarbeit mit Behörden, Consulting-Unternehmen, Versicherungen und Auswertung von allgemein verfügbaren Quellen.

Info

Vermitteln von Brandschutzwissen

Aus dem Bereich der Erwachsenenbildung gibt es eine Reihe von Methoden, die auch zum Vermitteln von Wissen in Sachen Brandschutz geeignet sind. Hier eine Auswahl:

Workshops als Instrumente der modernen Erwachsenenbildung sind besonders wertvoll, um Brandschutzwissen zu vermitteln. Der Vorteil: Sie bilden keine Einbahnstraße, sondern geben dem Moderator direkt ein Feedback.

Szenarien wie etwa „Stellen Sie sich vor, Sie sind im fünften Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes und entdecken einen Entstehungsbrand“, helfen den Mitarbeitern, vorab erworbenes theoretisches Wissen in einen praktischen Handlungsablauf umzusetzen.

Rollenspiele wie z.B. „Sie haben eine neuen Mitarbeiter. Erläutern Sie ihm in einem Kurzgespräch die wesentlichen Punkte der Brandschutzordnung“ lassen den Moderator erkennen, wie Wissen aufgenommen und weitergegeben wird.

Gruppenarbeiten zur Thematik „Rauchverbot – Raucherlaubniszonen“ schaffen Akzeptanz und prägen wichtige sicherheitstechnische Sachverhalte individuell ein.

Plakate an den Werktoren oder Aushängen in Betrieben helfen, Schwerpunkte zu thematisieren. Hier ist ein Schulterschluss mit dem Arbeitsschutz sinnvoll, der durch die Berufsgenossenschaften mit entsprechenden Arbeitshilfen unterstützt wird. Als Daueraushang kann etwa die Brandschutzordnung auf allen Anschlagbrettern vorhanden sein.

Intranet: Eine neue Plattform zur Einbindung der Mitarbeiter in die Brandschutzarbeit stellt ein unternehmensinternes Intranet dar. Dieses ist jederzeit von jedem Mitarbeiter individuell aufrufbar und entsprechend seinen persönlichen Bedürfnissen nutzbar. Somit stellt das Intranet eine wertvolle Ergänzung dar. Neuigkeiten können wirkungsvoll (Foto, Kurzvideo, Grafik) präsentiert, dauerhaft wichtige Arbeitsunterlagen (Erlaubnisscheine, Aushänge, Formulare) als File herunterladbar integriert werden. Links zu Quellen im Internet können einfach, d.h., auch ohne allgemeine Freigabe des Internets für alle Mitarbeiter, geöffnet werden. Ferner besteht die Möglichkeit, über ein sicherheitsorientiertes Chat-Forum unkomplizierte Hilfestellung zu bieten, die das innerbetrieblich verfügbare Wissen optimal ausnutzt. Die Risikofähigkeit des Unternehmens wird deutlich gestärkt.

Auf www.arbeitssicherheit.de finden Sie Links zu den relevanten Technischen Regeln sowie die Checkliste „Selbsttest: Stimmt der organisatorische Rahmen?“,Webcode 10505