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Best Practice: Extremes Gefahrstoffmanagement auf einer Werf...

Boenisch, Arbeitssicherheitsjournal 2010, 9

Thema: Best Practice: Extremes Gefahrstoffmanagement auf einer Werft
Zeitschrift: arbeitssicherheits.journal
Autor: Joachim Boenisch
Rubrik: arbeitssicherheit.titelthema
Referenz: Arbeitssicherheitsjournal 2010, 9 (Heft 6)

Best Practice: Extremes Gefahrstoffmanagement auf einer Werft

Dipl.-Ing. Joachim Boenisch
Boenisch: Best Practice: Extremes Gefahrstoffmanagement auf einer Werft - Arbeitssicherheitsjournal 2010 Heft 6 - 9

Auf einer Werft gibt es fast alle Arten von Arbeitsplätzen und auch fast alle Tätigkeiten mit Gefahrstoffen. Ein „Werftrundgang“ zeigte die vielen Arbeitsplätze und Tätigkeiten.

Wir fangen in der Komponentenfertigung an, wo die Schiffssegmente zusammengebaut werden. Hier treffen wir auf die klassischen Tätigkeiten: An festen Arbeitsplätzen werden Gefahrstoffe zum Kleben, Grundieren und Lackieren eingesetzt. Das Gefahrstoffmanagement ist hier relativ einfach. Nach der Bestandsaufnahme erfolgt ein Gespräch mit dem Meister und den betroffenen Mitarbeitern zur Analyse der zu erwartenden Gefährdungen.

Betriebsanweisung für wechselnde Arbeitsplätze

Im Anschluss an dieses Gespräch kann dann die Betriebsanweisung erstellt werden: Eine individuell für den Arbeitsplatz erstellte Betriebsanweisung, die besondere Bedingungen auf der Werft und spezielle Umstände am Arbeitsplatz berücksichtigt. Eine Betriebsanweisung, mit deren Hilfe die geforderte mit der vorhandenen persönlichen Schutzausrüstung abgeglichen werden kann. Sie kann dann auch gleich den gefahrstoffrechtlichen Teil der Gesamtgefährdungsbeurteilung für diesen Arbeitsplatz abdecken.

Schon beim Erstellen der ersten Betriebsanweisungen stellt sich heraus, dass die Werft einen Handschuhplan benötigt. Zur Vorbereitung wird das Gefahrstoffmanagementsystem speziell für diese Aufgabe abgefragt. Der Handschuhhersteller, der uns hier kompetent und schnell unterstützt, verlangt eine Aufstellung aller vorhandenen gefährlichen Inhaltstoffe und die Zusammensetzung der Produkte. Ergänzend befragen wir das System nach den Handschuhvorgaben in den Sicherheitsdatenblättern der Hersteller.

Auf der Werft wird viel geschweißt. Schon bei der ersten Erfassung können spezielle Schweißsprays, die Dichlormethan enthalten, sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Über Rauche, die beim Schweißen entstehen, liegen umfangreiche Messungen und Gutachten vor.

Im Schiffsneubau finden wir wechselnde Montagearbeitsplätze, Arbeiten in engen Räumen und ablaufbedingt einen häufig wechselnden Einsatz von Gefahrstoffen. Die Erstellung einer arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogenen Betriebsanweisung für den Schiffsneubau ist sehr schwierig. Die Lösung ist es, nur Gefahrstoffe der Schutzstufe 2 zuzulassen. So müssen keine ergänzenden Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

„Der kleine Helfer“

Ergänzend zu den vorhandenen Betriebsanweisungen wollen wir den Mitarbeitern eine ständig griffbereite Hilfestellung an ihren wechselnden Arbeitsplätzen zur Verfügung stellen. Und so entwickelt Christoph Henke „Den kleinen Helfer“, eine kleine Betriebsanweisung im Taschenformat. Der kleine Helfer dient zur schnellen und einfachen Hilfe bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen. Er enthält die wichtigsten Hinweise für den Umgang und das Verhalten im Gefahrfall. Die Mitarbeiter können ihn stets bei sich führen und haben so die wichtigsten Informationen immer griffbereit. Im Gefahrfall gewinnen sie durch schnelles Handeln wertvolle Zeit. Der kleine Helfer kann z.B. bei der Materialausgabe mit den gewünschten Produkten ausgegeben werden. Er ersetzt nicht die gesetzliche geforderte Betriebsanweisung, er ist als der kleiner Bruder zu sehen, der für jeden Betrieb angepasst werden muss.

Im Reparaturbereich ist es wieder ganz anders. Hier werden Schiffe planmäßig gewartet und oft unplanmäßig repariert. Als auf dem Traumschiff, der MS Deutschland, ein Feuer im Maschinenraum ausbrach, war für die Passagiere die Reise zu Ende. Als klar war, dass das Schiff zur Reparatur ins Dock muss, liefen auf der Werft sofort die Vorbereitungen an. Neben der Instandsetzung der Maschine sollte die Werftliegezeit gleich für umfangreiche Reinigungsarbeiten, einen neuen Anstrich ober- und unterhalb der Wasserlinie genutzt werden. Mit welcher Farbe gestrichen wird, entscheidet der Reeder. Hier muss dann auch das Gefahrstoffmanagement schnell reagieren. Am schnellsten kann reagiert werden, wenn alles gut vorbereitet ist. Hierzu wurde das einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe der BAuA (kurz: EMKG; Link siehe Webcode zum Beitrag) umgedreht und eingesetzt.